Fundraising Trends 2019?!

    Nachdem gefühlt fast alle Tech- und IT-Magazine im Netz gesagt haben, was denn so im neuen Jahr passieren wird, schiebt das sozialmarketing.de Team mal seine Gedanken hinterher. Auf das also dürfen wir uns im Fundraising freuen.

    Hier also ganz persönliche und subjektive Einblicke und Einschätzungen, was uns 2019 denn so bringen wird.

    Jörg Reschke

    Hyper-Personalization – here we come!

    Jörg Reschke

    Im vergangenen Jahr hat die Einführung der DGSVO im Fundraising zu einiger Verunsicherung und größerer Datensparsamkeit geführt. Spätestens mit dem neuen Jahr wird die alte Angst dem neuen Pragmatismus weichen: Daten können mit Einwilligung gesammelt, gespeichert und verwendet werden. Also lasst uns um Daten bitten und lass uns sie ordentlich nutzen!

    Im Jahr 2019 werden wir sehen, dass im Online- wie Offline-Fundraising eine höhere Nutzung vorhandener Daten geschieht. Mit Kenntnissen aus der Person der Spender, ihrer thematischen Vorlieben sowie ihres Kommunikations- und Interaktionsverhaltens gehen wir konkrete Schritte in Richtung Hyper-Personalisierung. Wenn wir die Daten vorliegen haben, dann gibt es keinen Grund und keine Ausrede mehr, sie nicht zu nutzen.
    Warum sollten Nutzer A, B und C immer noch gleichartige (e)Mailings mit dem gleichen inhaltlichen Aufbau, dem gleichen Call-to-Action und die Zustellung zum gleichen Zeitpunkt erhalten – wenn wir es aus den vorliegenden Daten doch besser wissen?!

    Nicht nur aus Gründen der Fundraising-Effizienz ist dieser Trend dringend geboten. Auch aus der Spendersicht ist eine angepasste Ansprache aufgrund von bereitgestellten Informationen ein Faktor der Professionalität. In 2019 setzen immer mehr Nonprofit-Organisationen dieses Wissen in Handeln um.

    Jan Uekermann

    Digitalisierung ist angekommen.

    Jan Uekermann

    Alle Jahre wieder blicken wir zurück, auf das was war, und schauen voraus, auf das was kommt. Wenn nicht wir, dann andere. Irgendjemand zeigt immer mal Trends auf und sagt, was so passieren wird. Ich glaube: dieses Jahr nix Trends, sondern …wie wird so schön gesagt… Konsolidierung.

    Ich habe tatsächlich im vergangenen Jahr noch Organisationen erlebt, die meinten: „Lassen wir das erstmal mit der Digitalisierung. Sollen mal die Großen ausprobieren, wir springen dann in zwei, drei Jahren auf das Pferd.” Ich vermute sehr sehr stark, dass in 2019 nahezu alle realisieren werden, dass die Kommunikation heutzutage digital und analog stattfindet, im besten Fall geben sich alle Kommunikationsinstrumente die Hand und arbeiten eng miteinander zusammen.

    Nur so ist es möglich, eine sehr gute Beziehungsgestaltung mit hunderten oder zig-tausenden Unterstützer*innen führen zu können. Hierfür bedarf es einiger Automatisierungen, damit jede Person die richtige Information zum richtigen Zeitpunkt über den richtigen Kanal erhält. Wenn hier jemand von Trend reden möchte: gerne. Doch Automatisierungen gibt es schon lange im Fundraising – es gilt jetzt einfach diese konsequent auch ein- und umzusetzen mit den – laut danach rufenden – digitalen Tools, die die Beziehungsgestaltung zu unseren Unterstützenden individueller, interaktiver und damit spannender und ertragreicher für alle Seiten machen kann.

    Happy Fundraising 2019!!

    Katrin Kiefer

    Von Personalisierung und Automatisierung

    Katrin Kiefer

    Erinnerst Du Dich noch – unser Blick in die Glaskugel im Jahr 2013? Damals lag der Schwerpunkt unserer Fundraising Trends auf technischen Aspekten der Digitalisierung: responsives Webdesign, moderne Bezahlmöglichkeiten oder SEO-Marketing. Seitdem haben sich viele gemeinnützige Organisationen fürs Online-Marketing fit gemacht. Die technischen Herausforderungen von damals bilden heute die Basis der Kommunikationsaktivitäten von Nonprofit-Organisationen. Im Mittelpunkt steht nun der Spender selbst, seine Themenvorlieben und Medienkanalpräferenzen.

    Im kommerziellen Marketing, so schrieb jüngst das Magazin t3n, bestimmen Themen wie die Optimierung der User Experience (UX), der Ausbau des Costumer Relationship Management (CRM) oder der Einsatz von Artificial Intelligence (AI) längst den Alltag. Gestaltete Erlebniswelten und Personalisierung im Marketing münden in automatisierte Kommunikationsprozesse, in denen jeder Kunde auf ihn persönlich zugeschnittene Inhalte und Produkte empfängt. Der Ausbau der Datensammlung und die Zusammenführung verschiedenster Datenbanksysteme befördern diese Entwicklung im Zeitalter von Big Data.

    Auch im gemeinnützigen Sektor nehmen automatisiertes E-Mail-Marketing und digitalisierte “Donor Journeys” einen zunehmenden Stellenwert ein. Zwar wird das Potenzial von Fundraising Automatisierung noch lange nicht ausgeschöpft, doch steht außer Frage, dass individualisierte Spendenprozesse die Bindung der Unterstützer an die Organisation stärken und die Wege von potenziellen Spendern zielführend um neue Kontaktpunkte erweitern. Die Zukunft liegt, allein vom Mediennutzungsverhalten der nachfolgenden Generationen betrachtet, im Online-Marketing und einer fortschreitenden Personalisierung. Über mögliche Grenzen der Digitalisierung oder gar erweiterte Ethik-Grundregeln für die Marketingkommunikation von gemeinnützigen Organisationen sollten wir aber auch nachdenken.

    Katja Prescher

    Viel mit Daten und Videos

    Katja Prescher

    Erfolge sind zwar oft strategisch getrieben, doch werden in Zukunft eher unsere (potentiellen) Spender und Spenderinnen Veränderungen in der Kommunikation und im Fundraising vorantreiben. Sie möchten inspiriert werden. Wir sind zur lückenlosen Donor Centricity (Spenderzentrierung) aufgefordert, die die Grenze zwischen Offline und Online verschmelzen lässt. Viele “Offline-Spenden” sind heute digital beeinflusst. Web- und Social-Media-Analysen lassen Verhalten oder Trends von Nutzern erkennen und helfen bei der Donor-Centricity-Ausrichtung.

    Kommunikationsentscheidungen werden mehr denn je datenbasiert getroffen, um flexibel und kreativ reagieren zu können. Automatisierungen sind wichtig.

    E-Mail- und Social-Media-Aktivitäten bleiben spannend, erfordern immer mehr Kreativität, guten Content und Steuerung (Aktivitäten entsprechend von Zielen/KPIs steuern). 2019 ist das Jahr in Sachen Social-Videos, vor allem kreative und interaktive Video-Story-Formate auf Instagram und Facebook werden mehr genutzt. DIY Video Maker werden professioneller, damit auch die Video-Qualität. Immer mehr Videos werden erstellt. Fürs Suchmaschinenranking werden sie dann umso relevanter.

    Auch wie viele zeitaufwendige Alltagstätigkeiten mehr und mehr von künstlicher Intelligenz übernommen werden, dürfte interessant werden. KI entlastet uns in der Umsetzung und gibt uns mehr Zeit z.B. für Ideenfindung und Konzeptentwicklung.

    Maik Meid | sozialmarketing.de

    Irgendwas zwischen Dystopie und vielen Wünschen

    Maik Meid

    Schon wieder ein Jahr rum. Je älter man wird, desto schneller scheint es zu gehen. Ich bin nun seit 2005 im Fundraising dabei und habe schon mehrfach „große neue Trends“ gesehen, die dann nicht eingetreten sind.

    Daher bin ich dieses Mal etwas vorsichtiger. Die Fundraising-Szene ist und bleibt zu großen Teilen sehr konservativ. Während auf der einen Seite gerne und oft Neues ausprobiert wird (z.B. erste Experimente mit KI), so sind andere Organisationen stets darauf bedacht, möglichst wenig zu verändern um den Status Quo nicht zu gefährden. Oft kommt mir das so vor wie die ständige Weiterentwicklung des Verbrennungsmotors in Zeiten der Disruption: Immer noch mehr rausholen und durch kleine Stellschrauben optimieren, während die Perspektiven ganz woanders sind.

    Den so oft beschriebenen Split der Zukunftsfähigkeit von Organisationen bis zum Jahr 2030 spüre ich hier in meiner übersichtlichen Ruhrgebietstadt seit Monaten. Allein in den letzten Wochen wurden mehrere Infos durch die Lokalmedien veröffentlicht, die von der Auflösung von Vereinen berichtet haben. Mangels Nachwuchs.

    Aber Fundraising ist eben auch eine Möglichkeit, einen Verein oder eine Stiftung zu hinterfragen und neu zu organisieren. Die ständig gut gebuchten Ausbildungen und Studiengänge der Fundraising Akademie sind ein Beweis dafür, dass das Interesse seitens der Organisationen nicht abreisst. Gut so. Und damit auch mal nach vorne geschaut.

    Keine großen Erwartungen

    Große Erwartungen habe ich an das Jahr erst mal nicht. Es gibt keine großen Trends oder Entwicklungen. Daher vielleicht eher ein paar Wünsche.

    Gegen Ende des Jahres werden die ersten Absolventinnen und Absolvente ihre Masterzeugnisse in Fundraising-Management und Philanthropy in den Händen halten. Auf die Abschlussarbeiten freue ich mich jetzt schon. Endlich wird Stück für Stück der Pool an wissenschaftlichen Arbeiten wachsen.

    Gleichzeitig freue ich mich besonders auf eine Abschlussarbeit des aktuellen Manager-Lehrgangs 36 an der Fundraising Akademie. Diese wird sich intensiv mit dem Thema Data Mining und Data Warehouse in einer großen Organisation auseinandersetzen. Hier gibt es imho immer noch zu wenig Wissen, daher könnte diese Arbeit auch etwas auslösen.

    Mehr Europa bitte

    Im Mai sind Europawahlen. Diese Wahl wird zurecht als richtungsweisend beschrieben. Dass wir alle wählen gehen, ist klar ;-). Ich würde mir wünschen, dass sich trotz der unterschiedlichen Gesellschaftsmodelle und Regeln für Gemeinnützigkeit der Länder der europäische Austausch noch stärker im Alltag wiederfinden würde. Klar, es gibt die EFA mit einem regelmäßigen Newsletter und auch die “Fundstücke” hat in der letzten Ausgabe einen Blick nach Norwegen gewagt. Aber lernen wir wirklich davon? Das wäre mal ein echter Trend, wenn wir die Europawahl nutzen würden, mehr Internationales zu wagen.

    Datensicherheit im Fundraising

    Vor kurzem hat Save the Children in den USA viel Geld durch einen E-Mail Scam verloren. Emotet wütet in den vergangenen Monaten mit immer besser werdenden Versuchen, Unheil auf den Servern von Mittelständlern anzurichten. Diese Betrugsversuche sind mittlerweile so gut, dass selbst Profis auf den 1. Blick reinfallen können. Die Szene ist sich einig, dass 2019 eine Menge an Aktivitäten zu sehen sein wird. Ziel der Angriffe sind gerade kleine bis mittlere Unternehmen. Darunter könnten aus meiner Sicht auch sozialwirtschaftliche Organisationen wie kleinere und regionale diakonische Werke fallen. Die Sensibilisierung von allen Mitarbeitenden (!) mit Zugriff auf E-Mail und IT-Infrastruktur sollte 2019 intensiviert werden. Nicht nur zum Schutz der Spenderdaten.

    Facebook Alternativen

    Netzpolitik.org zählte so einige Datenskandale bei Facebook. Während dies bei vielen Menschen für Verdruss und Abkehr sorgt, so festigen sich die Fundraising-Aktivitäten gemeinnütziger Organisationen bei Facebook stetig. Das ständige Älterwerden der Nutzer ist für Facebook schlecht, für Nonprofits daher eher gut. Es bleibt zu beobachten, was mit Facebook 2019 geschieht. Das Herz sucht nach Alternativen, der Kopf noch nicht.

    Video! Video! Video!

    Schon fast langweilig klingt die Forderung, sich auch immer mehr und noch intensiver mit Videos zu beschäftigen. Ob Instagram oder Youtube: Nicht nur der Spender-Nachwuchs steckt dort. Unnötig zu berichten, dass gute Clips oft der Einstieg sind, um sich mit einer Thematik zu befassen.

    Dabei geht es auch weiterhin nicht darum, den einen großen Knaller zu platzieren. Vielmehr müssen Stück für Stück kleine Tropfen an Videoinhalten den Stein aushöhlen. Ja, das kostet Zeit und Energie und wird zunächst nicht den direkten finanziellen Erfolg bringen. Es sei denn, man ist Loot für die Welt.
    Betterplace experimentiert schon seit einiger Zeit mit Charity Streams und bietet auch etwas für Nonprofits an.

    Fundraising-Fachleute verzweifelt gesucht

    Was sich 2019 verschärfen wird ist der Run auf die guten Leute. Fachleute sind und bleiben verzweifelt gesucht. Aktuell kann gar nicht so viel ausgebildet werden, wie Menschen gesucht werden. Immer wichtiger bleiben die generalistischen Kenntnisse vom Fundraising im Allgemeinen, verbunden mit mindestens einer Spezialkenntnis. Gesucht werden weiterhin gute Online-Fundraiser/innen, Fachleute im Database-Fundraising sowie im Großspenden-Sektor. Fundraising ist und bleibt also auch weiterhin eine großartige Berufsperspektive.

    Was würde ich mir wünschen?

    Ich wünsche mir, dass weiterhin viel ausprobiert wird. Apple Pay ist Ende 2018 an den Start gegangen und wird einiges verändern, was das kontaktlose Bezahlen angeht. Spenden per Sprachbefehl wird vom Google Assistant unterstützt. Auch hier werden findige Organisationen ausprobieren, ob da was gehen kann.

    Soweit meine 50ct. Also, qualifiziert euch, seit mutig und freut euch, dass wir alle in einem großartigen Arbeitsbereich unterwegs sind, der gleichzeitig noch ein Stückchen die Welt besser macht!

    Portrait Jona Hölderle

    Peer-to-Peer-Fundraising

    Jona Hölderle

    2019 wird das Jahr in dem Peer-to-Peer-Fundraising online an Fahrt aufnimmt. Vielleicht werden Ende des Jahres auch die ersten Ausschreibungen für Peer-to-Peer Fundraiser herausgehen.

    Im letzten Jahr hat Facebook gezeigt, dass Peer-to-Peer Fundraising auch in Deutschland gut funktionieren kann. Wenn es Menschen schon wieder auf den Kecks geht und sie darüber Zeitungsartikel schreiben ist das ein gutes Zeichen. In anderen Ländern machen Spendenaktionen zudem schon lange einen ordentlichen Teil des Online-Fundraisings aus. Am deutlichsten wird hier ein Blick auf JustGiving in Großbritanien wo seit 2001 fast 4 Milliarden Euro eingenommen wurden. Die Plattform läuft so gut, dass sie für ihre 5 % Gebühr ordentlich kritisiert wird.

    Jetzt ist es an der Zeit, dass die Organisationen eigene Programme aufstellen und Peer-to-Peer-Fundraising nicht nur nebenbei betreiben. Dafür braucht es zum einen die Erkenntnis, dass der ehrenamtliche Fundraiser eine gute Betreuung braucht und die Spender nicht wie normale Organisationsspender behandelt werden können.

    1 COMMENT

    1. Nachdem ich in den letzten Jahren einen Trend zu getrennten Entwicklungen im Online und Offline-Fundraising wahrgenommen hatte, sehe ich aktuell das Thema Offline-/Online-Integration ganz vorne-insbesondere auch im Bereich CRM-Systeme/Datenbanken.

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