Fundraising Automation – wo stehen wir da?

Im März wollte ich es wissen: wie steht es um die Fundraising Automation in den Organisationen? Eine Umfrage unter 140 Fundraiserinnen und Fundraisern brachte Licht ins Dunkel. Oder besser gesagt: zeigte die vielen dunklen Flecken auf, wo endlich Licht hin sollte…

Vorweg: Was bedeutet eigentlich Fundraising Automation?

Die Digitalisierung macht es möglich. Viele Prozesse können voll automatisiert ablaufen, auch im (Online-)Fundraising. Der oder die potenzielle Spender/Spenderin kommt über einen so genannten Touchpoint – wie Facebook, Twitter & Co, Landingpages, personalisierte URL im klassischen Mailing oder auch via Face-to-Face-Fundraising – zum Online-Spendenformular. Er oder sie macht eine Spende. Diese Information geht in Echtzeit an die Datenbank der Organisation und an das von ihr eingesetzte E-Mail-Marketing-Tool. Automatisch geht die Bestätigung der Spende raus und weitere Schritte wie eine E-Mail-Serie zum geförderten Projekt läuft an. Weitere automatisierte Schritte sind denkbar wie ein SMS-Versand, die Übertragung der Information an ein Telefon-Callcenter oder anderes mehr. Das ist also die Fundraising Automation, die immer abhängig vom Touchpoint ist und der damit verbundenen Donor Journey.

Das Thema interessiert mich aktuell ebenfalls sehr: Automatisierte und digitalisierte Donor Journeys. Und so kam ich zu den Fragen zur Fundraising Automation, denn das liegt auf der Hand: beide Themen sind eng miteinander verknüpft.

Die Befragung: 140 Teilnehmende – DANKE!

140 Fundraiserinnen und Fundraiser nahmen an der Befragung teil, der Großteil aus der Schweiz, da die Umfrage hier in der RaiseNow Community verteilt wurde. Es gab weitere Teilnehmende aus Deutschland und Österreich sowie einige wenige aus UK. Statistiker können einwenden, dass dies keine Größenordnung ist, deren Ergebnisse der Wissenschaft standhalten. Klar. Dennoch geben sie Einblicke in den Stand der Fundraising Automation.

Die teilnehmenden Fundraiserinnen und Fundraiser arbeiten zu etwa 40 Prozent bei Organisationen mit insgesamt bis zu 1 Mio Euro/Schweizer Franken/Britische Pfund Spendeneinnahmen (zur Einfachheit wurden die Währungen 1:1 angesetzt), zu gut 30 Prozent bei Organisationen mit bis zu 10 Mio Spendeneinnahmen und zu knapp 30 Prozent bei Organisationen mit Spendeneinnahmen über 10 Mio Euro/Schweizer Franken/Britische Pfund:

Spendeneinnahmen insgesamt der Organisation, in denen Teilnehmende der Befragung arbeiten Anteil in %
bis 500’000 28.2
bis 1’000’000 10.6
bis 5’000’000 22.4
bis 10’000’000 11.8
über 10’000’000 27.1

Wie schätzt Du den Stand bezüglich der Fundraising Automation Deiner Organisation ein?

Zum Einstieg wollte ich von den Teilnehmenden wissen, wie sie den aktuellen Stand der Fundraising Automation ihrer Organisation einschätzen. Zur Automatisierung zählen natürlich auch die klassischen Prozesse wie der automatische Druck eines Dankbrief inklusive Spendenbestätigung. Auf einer Skala von 1 bis 10 sollten die Teilnehmenden ihre Organisation einschätzen von „Wir sind weit weg von dem, was wir eigentlich wollen” über „Wir haben schon einige Automatisierungen laufen” bis zu „Wir sind Experten in der Fundraising Automation”. Der errechnete Durchschnittswert liegt bei 3.98

Im zweiten Schritt wurde abgefragt, wo bereits automatisch etwas läuft.

Welche der folgenden Instrumente/Prozesse setzt Ihr bereits ein…

…beziehungsweise welche sich wiederholenden Aufgaben habt Ihr bereits automatisiert?

Meine Erwartung war durch vorhergehende Projekte und Gespräche mit Fundraiserinnen und Fundraisern, dass die Automatisierung eben noch nicht stark verbreitet ist – wie diese Rückmeldungen dann auch gezeigt haben. In einer weiteren Frage sollten die Teilnehmenden angeben, welche Verbesserungen sie einplanen. Es gab Vorschläge für Verbesserungen und ein offenes Kommentarfeld.

Wie plant Ihr Eure Fundraising Automation in 2017 zu verbessern?

Eher ernüchternd war der Blick in die Kommentare zu dieser Frage. Da heisst es dann: „Noch keinen Plan” oder „Gute Frage, wir basteln weiter…” oder „Wir sollten… aber ob das Management es auch so sieht…” oder „Verbesserungen sind kein Thema :-(” Doch es gab auch ein paar konkreten Vorstellungen und Ideen wie die Fundraising Automation verbessert werden kann wie halbautomatisierte Adressänderungen, Vereinfachen der individuellen Dankesbriefe, Push-SMS, neue Website oder E-Mail-Marketing Automation.

Speziell zum E-Mail-Marketing gab es zwei weitere Fragen, da hier sehr viel mit der Automatisierung gemacht werden kann… oder könnte….

Welche der folgenden Instrumente nutzt Ihr bereits im E-Mail-Marketing?

E-Mail-Marketing nimmt einen sehr wichtigen Stellenwert im Online-Fundraising ein – zur Akquise von Spenden aber auch für das Involvieren und Binden von Unterstützerinnen und Unterstützern an eine Organisation. Meine Umfrage im vergangenen Jahr zum Thema „What’s hot, what’s new im Digital-Fundraising” hatte zutage gebracht, dass E-Mail-Marketing das wichtigste Instrument überhaupt im digitalen Fundraising ist. Damals befragte ich 30 Fundraiserinnen und Fundraiser weltweit.

Da E-Mail-Marketing tolle Möglichkeiten der Beziehungsgestaltung bietet wollte ich in einer abschließenden Frage wissen, wie viele E-Mails an Unterstützerinnen und Unterstützer geschickt werden, die online spenden.

Wie viele Danke/Feedback-E-Mails versendet Ihr an Unterstützer/innen, die online spenden?

Es zeigt sich auch hier, dass es noch viel Potenzial gibt mit diesem starken Instrument automatisiert Menschen zu gewinnen und sie in unsere Arbeit als Organisation zu involvieren. Ein tolles Beispiel hierfür ist Greenpeace UK, die mir beispielsweise drei Monate nachdem ich eine monatliche (Test-)Dauerspende über 5 Pfund abgeschlossen hatte folgende E-Mail schickte: 

Ich bekomme noch immer eine Gänsehaut, wenn ich die erste Zeile lese: “Es ist jetzt drei Monate her, dass Du Teil von Greenpeace geworden bist…” Alleine dieser wiederholte Dank, drei Monate nach Abschluss meiner Dauerspende hat eine so große Wirkung. Und es ist so einfach aufzusetzen!

Leider nutzen diese wirklich einfache, automatisierte Möglichkeit nur sehr wenige Fundraiserinnen und Fundraiser. Oder gibt es jemanden hier unter den Lesenden, die das machen? Falls ja, bitte mal in den Kommentaren “outen”. In einem Webinar, das ich jüngst zum Thema „Digitalisierte und integrierte Donor Journeys im Jahr 2017” gehalten habe kam die Frage einer Teilnehmerin: „Ist es nicht zu arg, wenn wir zwei oder gar drei Mal für eine Spende danken”. Meine ganz klare Antwort darauf: Nein, ist es nicht. Solange es ehrlich gemeint und gut gemacht ist.

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