Digitalisierung gemeinnütziger Organisationen

Digitalisierung ist eigentlich ein alter Hut. Keine professionelle Organisation die nicht Flyer digital druckt, eine Mitglieder- oder Spenderdatenbank hat und deren E-Mail-Inboxen überlaufen. Mit dem Internet hat die Digitalisierung Fahrt aufgenommen. Und jetzt endlich scheint es so, als würde das Thema Digitalisierung auch im Bereich gemeinnütziger Organisationen ankommen. Es gibt erste Leiter für Digitalstrategien, Referentinnen für Digitalisierung oder Koordinatoren für die digitale Agenda. Und endlich entstehen neben re:publica und Co. auch neue Konferenzen wie Bits & Bäume oder der Digital Social Summit. Selbst Online Fundraising scheint auf einmal ein Ding zu sein.

Was ist Digitalisierung?

Aber was ist Digitalisierung eigentlich? Letzten Endes geht es um die Aufbereitung von Informationen in digitale, also eindeutige Werte. Die berühmten Einsen und Nullen. In Kombination mit der Verteilung der Daten durch das Internet hat das drei bedeutende Folgen:

  1. Unendliche Kopierbarkeit: Die Informationen können ohne Qualitätsverlust und quasi ohne Kosten beliebig kopiert werden.
  2. Räumliche Aufhebung: Alles ist immer an jedem Ort (sodenn die Verbindung steht) verfügbar.
  3. Zeitliche Unabhängigkeit: Da alles Digitale einfach gespeichert werden kann lässt es sich auch zu jeder Zeit abrufen.

Auswirkungen der Digitalisierung auf Nonprofits

Was sich banal anhört hat weitreichende Folgen, auch für gemeinnützige Organisationen. Diese betreffen nicht nur den Bereich der Kommunikation bzw. des Marketings, sondern ziehen sich hinein bis zu den Kernprozessen der Organisation.

“Wird mit der Digitalisierung jetzt alles besser?” Oder “Wieder einmal ein Artikel, der daran scheitert, Digitalisierung gut zu bebildern.” Foto: Bexx Brown-Spinelli, CC-BY-ND

Alles ist Kommunikation, Kommunikation ist Alles

Kommunikation und Medien sind die idealtypischen, vollständig digitalen Produkte. Das Internet ist dementsprechend auch schon seit 2013 Informationsmedium Nummer 1.

Wenn alle Informationen aber immer und überall verfügbar sind, verändert sich auch die Erwartungshaltung von Mitglieder, Förderern und Partnern. Auch was Organisationen machen soll ständig verfügbar sein. Und zwar nicht indirekt über journalistische Massenmedien, sondern direkt von der Organisation. Was nicht online gefunden wird, gibt es nicht. Und was es gibt muss aus der immer größer werdenden Masse hervorstechen.

Zudem kommunizieren alle ständig mit der Familie und Freunden über Messenger und soziale Medien, warum soll das nicht auch mit Organisationen gehen? Eine riesige Chance Unterstützer zu gewinnen und zu binden. Aber auch die Schattenseiten sind bekannt. Die Mechanismen moderner Kommunikation lassen sich nicht nur für eine bessere Welt nutzen, sondern verbreiten auch Falschinformationen und Hass. Wird Kommunikation so wichtig, wird Störkommunikation zur strategischen Waffe.

Monopole und Startups

Digitales Wachstum kennt keine natürlichen Grenzen. In der Regel macht es keinen Unterschied ob sich ein Angebot an eine Person richtet oder an unendlich viele. Wirtschaftlich gesprochen gehen die Grenzkosten (zusätzliche Kosten pro zusätzlich produziertem Stück) bei digitalen Produkten gegen Null.

Egal ob ich ein Kunstwerk wie einen Film, eine sehr einfache Art zu Spenden oder eine Dienstplan-Software erstelle. Der Aufwand der Erstellung mag hoch sein, aber ob das Angebot von einem, tausend oder hunderttausend Menschen genutzt wird erhöht den Aufwand kaum. Im Gegenteil, die größere Anzahl an Nutzern ermöglicht es sogar das Produkt noch schneller besser zu machen.

Das ist der Grund, warum Digitale Angebote zu Monopolen tendieren. Es macht kostenseitig schlicht keinen Unterschied ob mein Markt klein oder groß ist. Das bessere Angebot wird in kurzer Zeit von allen genutzt. Diese Monopole müssen dabei nicht immer groß sein wie Facebook oder die Wikipedia (meistbesuchte Nonprofit-Website der Welt). Ein Monopol kann sich auch auf eine kleine Nische beziehen wie z.B. ein Angebot für alle die sich für den Schutz und die Erforschung von Haien einsetzen. Das klappt selbstverständlich nur, wenn es hierfür einen Bedarf gibt. Mit dem Schutz und der Erforschung von Schnecken wird es im Digitalen bei der Gewinnung von Unterstützern schon schwerer.

Die Aussicht auf Monopole ist auch der Grund für den derzeitigen Startup-Hype. Hier wird viel Geld in neue Firmen gesteckt, welche das Potenzial haben sehr schnell zu wachsen (zu skalieren) und eine monopolartige Stellung einzunehmen. Ein Trend, der sich auch im gemeinnützigen Bereich mit Ansätzen wie Impact Investing einstellen wird. Was dann noch gemeinnützig, altruistisch oder einfach ein gutes Geschäft ist, lässt sich hier nicht immer unterscheiden.

Idealtyp dieser Monopole sind Plattformen welche ein Kundeninteresse monopolisieren und ihnen einen einfachen Zugang bieten. Facebook, Google, Amazon, airbnb, uber… Auch im Nonprofit-Markt gibt es hier Tendenzen mit betterplace.org, change.org und Co. Bestes Beispiel ist hier aus meiner Sicht JustGiving aus den UK. Als Plattform für Peer-to-Peer-Fundraising haben sie den Markt mit mehr als 28 Millionen Nutzern quasi monopolisiert.

Plattformen und Monopole müssen keine schlechte Nachricht für kleine Organisationen sein. Diese können entweder hyperlokal arbeiten und sich aus dem Spiel der Digitalisierung etwas heraushalten. Oder sie können sich eine noch so kleine Nische suchen und mithilfe der großen Plattformen hier erfolgreich sein.

Für mittelgroße Organisationen, mit einem breiten Aufgabenspektrum, wird es in dieser Welt schwer. Sie können weder im großen Spiel um Aufmerksamkeit und Technik mithalten noch sich auf eine Nische zurückziehen. Jetzt könnte man sagen, ist ja egal, was schert uns die Digitalisierung? Es mag einzelne Bereich geben in denen das geht. Aber zumindest so lange man abhängig von Spenden und Ehrenamt ist, oder es eine Konkurrenz um Kunden gibt, kann man sich dem nicht entziehen.

Auflösung von Grenzen

Ein digitales Gut bzw. eine Information hat keinen Ort. Das bedeutet auch, dass regionale Angebote stark an Bedeutung verlieren, wenn es keine physischen Treffen gibt. Eine Ortsgruppe kann hier noch ein attraktives Angebot machen, auch wenn es ggf. durch überregionale Angebote ergänzt werden muss. Für politisch relevante Zwischenstrukturen, wie Landesverbände, wird der Platz aber eng. Und es ist abzusehen, dass sich trotz Sprachgrenzen mehr internationale Aktionen und Organisationen ihren Raum erkämpfen werden.

Die Grenzen fallen aber auch mit Blick auf den eigenen Arbeitsplatz. Schon jetzt verschwimmen die Grenzen von Freizeit und Arbeit, wenn wir auf dem Smartphone jederzeit erreichbar sind. Es ist an den Organisationen das so zu gestalten, dass die Mitarbeiter dies nicht nur als Entgrenzung zu spüren bekommen. Hier sind kreative Arbeitsmodelle gefragt welche die neu entstandenen Freiheiten nutzen dürfen.

Veränderung wird schneller

Alles um uns herum wird schneller. Was sich wie ein blöder Gemeinplatz anhört, liegt in der Natur der Digitalisierung. Alles ist sofort da, sofort online. Es kann direkt reagiert werden und oft wird eine Reaktion auch ASAP erwartet.

Aber auch die Weiterentwicklung von Produkten und Ideen geht schneller. Die Dynamik dabei ist exponentiell und nicht mehr linear. Eine beliebige Kopierbarkeit bedeutet auch, dass jederzeit von jedem Punkt aus wieder angefangen werden kann. In der Softwareentwicklung bedeutet das, dass nichts von Grund auf neu entwickelt wird. Bestehendes wird genommen und weiterentwickelt. Geht mal etwas schief, nimmt man den letzten guten Zustand und macht von dort aus weiter. Das ist in der physischen Welt schwieriger. Dort muss ich meinen Prototyp jedes mal neu bauen, wenn ich ihn an die Wand gefahren habe.

Gemeinnützige Organisationen haben sich in der Vergangenheit erstaunlich widerstandsfähig gegenüber Veränderung gezeigt. Viele der großen Organisationen haben Wurzeln im vorletzten Jahrhundert. Das kann manchmal von Vorteil sein, wenn Veränderungen nur vorübergehend sind. Beim Thema Digitalisierung besteht die Gefahr, dass diese Trägheit negative Folgen hat. Finden insbesondere die großen, auf Ehrenamt und Spenden basierenden Organisationen, nicht rechtzeitig neue Wege, könnten sie schnell durch neue Plattformen und Organisationen ersetzt werden. Man könnte sagen, dass es so weit schon nicht kommen wird. Man könnte auch sagen, dann ist das halt so: mögen die Besseren gewinnen. Es ist bloß zu befürchten, dass mit den Organisationen eine über Jahrhunderte aufgebaute Struktur des sozialen Zusammenhalts verschwindet die sich nicht mehr eins zu eins ersetzen lässt.

Alles wird einfacher, aber die Komplexität steigt

Der Mensch ist sehr bequem. Er wird, wenn er auf alles Zugriff hat, sich immer für die einfachste Möglichkeit entscheiden. Schon jetzt ist es leichter bei Google zu suchen als Literaturrecherche zu betreiben, bei Amazon zu bestellen als sich den passenden Shop selber rauszusuchen, bei airbnb eine Übernachtung zu buchen als Ferienhaus für Ferienhaus abzuklappern. Nur Wenige werden den lokalen Händler unterstützen, wenn der Online-Einkauf viel bequemer ist.

Genauso werden nur Wenige den basisdemokratischen, föderalen Verband unterstützen, wenn eine Stiftung, eine gGmbH oder ein Social Startup das Engagement einfacher macht, während der Verband noch diskutiert. Wenn Organisationen oder Plattformen bei gleicher Wirkung ein einfacheres Engagement, eine einfachere Spende ermöglichen wird dies genutzt.

Menschen bewerben sich bei Organisationen um einen Job, bei denen der digitale Bewerbungsprozess benutzerfreundlich ist und gut funktioniert.

Während für den Endkunden also alles einfacher wird, wird es als Anbieter von Lösungen komplexer. Ganz egal ob wir Lösungen für die Rettung der Welt anbieten oder für selbstfahrende Autos. Technische Entwicklungen mit sozialen Innovationen zu koppeln geht nicht nebenbei. Und es ist auch aussichtslos dies in hunderten kleiner und mittelgroßer Organisationen zu machen. Auch das begünstigt wenige sehr große Organisationen oder Netzwerke.

Was also ist zu tun?

Digitalisierung wurde in den letzten Jahren oft auf eine Anpassung der Kommunikation reduziert. Diese ist wichtig, muss aber einen Widerhall in den Strukturen und der Arbeitsweise von Organisationen finden. Gemeinnützige Organisationen müssen schauen, ob ihr “Geschäftsmodell” weiter tragfähig ist. Dies gilt sowohl für die Umsetzung der Organisationsziele als auch für die Einbeziehung von Unterstützern. Gleichzeitig gilt es neue Organisationen zu gründen, zu unterstützen und groß zu machen. Neue Organisationen und Plattformen können es sich leisten zu scheitern, was eine Voraussetzung für Innovation ist. Und dann gilt es für bestehende Organisationen hiervon zu lernen, sich abzugucken was funktioniert und das bei sich zu testen. Wer dem alten CDU-Motto: “Keine Experimente” folgt, wird nicht erfolgreich sein.

Fortschritt

So. Wer es bis hier geschafft hat, hat ein Fleißbienchen 🐝 verdient. Wie so vieles im digitalen Bereich ist auch dieser Artikel “Work in Progess” und ich wollte ihn noch um einiges Ergänzen. Umso mehr freue ich mich über eure Ergänzungen, Erfahrungen und Korrekturen an jona@pluralog.de oder in den Kommentaren!

Jona Hölderle
Weil er Organisationen mag, will er sie gestalten. Dies tut er mit eigenen Projekten und als Berater im Online Marketing für Nonprofits. Beratung, Coaching und Workshops gibt es mit den Schwerpunkten Website Relaunch, Online Fundraising und Social-Media-Strategien.

7 COMMENTS

  1. Guter Artikel! Ich hätte vielleicht zwei Sachen zu ergänzen. Zum einen, dass die Digitalisierung meiner Meinung dazu beigetragen hat, dass eher lokale Organisationen dich vergrößern konnten, unter Umständen sogar von einer regionalen zu einer internationalen Organisation werden konnten, weil es nun leichter war, auf Bedürfnisse in anderen Ecken der Welt zu reagieren, für die es vielleicht irgendwo schon eine Lösung oder ein Engagement gab. Oder das ähnliche Initiativen, die an verschiedenen Orten aktiv sind, sich nun finden und vernetzen konnten. Überhaupt hat der gesamte Gedanke des Netzwerkens eine komplett andere Dimension bekommen, weil es nun soviel einfacher ist, sich über gemeinsame Ziele abzustimmen, auch wenn unterschiedliche Organisationen beteiligt sind.

    Eine schwierige Entwicklung finde ich, dass man als Organisation insbesondere bei der Nutzung von social media für das Fundraising quasi nicht mehr darum herum kommt, digitale Marketingexperten einzusetzen, Search Engine Optimization zu betreiben oder user analytics zu betreiben. Wo es früher darum ging, am Stand in der Einkaufspassage die Leute von meinen Inhalten zu überzeugen, muss ich mir heute darum Gedanken machen, wie häufig ich das das “impact” in welchem Satzteil in meinem 15 Uhr facebook post verwende, damit ich die Zielgruppe von “besorgten Barbara” erreiche, die 25-40 Jahre alt sind, in Großstädten arbeitet, gut ausgebildet ist und über 50,00 Euro im Jahr verdient. Das ist alles Teil einer Entwicklung, schon klar, aber ich frage mich manchmal, in welchem Rahmen gerade kleinere Organisationen das know-how und die Resourcen haben, diese Entwicklungen mitzugehen, um neben den großen zu bestehen. Du beschreibst, dass der Mensch es einfach haben will. Das stimmt genau. Alles muss schnell gehen und alles muss billig sein. Aufgrund unseres veränderten Mediennutzungsverhalten sind meine social media videos jetzt nur noch maximal 60 Sekunden lang, weil mir keiner länger zuguckt. Aber meine Inhalte, die sind viel länger. Es ist ein Kunststück, wichtige und profunde Geschichten im Internet zu erzählen, auch wenn ihre Reichweite viel größer ist. Aber in der Flut an Informationen muss man nunmal die beste Geschichte erzählen, herausstechen, wie du sagst, und die Menschen in kurzer Zeit nicht nur emotional berühren, sondern sich auch gleichzeitig als beste Lösungsvariante präsentieren.

    Online-Fundraising ist Impact-Fundraising, häufig muss man den Menschen sehr deutlich machen, was genau ihre 5 Euro tun. Der altruistische Vorgang des Spendens soll wenigstens garantieren, dass und Kind in Malawi eine Mahlzeit erhält, und nicht etwa in das Gehalt des Mitarbeiters in Deutschland fließt, der den Blogeintrag auf der Website erstellt hat. Immer mehr Organisationen sind gezwungen, ihre Administration zu verkleinern, um so den Maximalanteil des Spendenaufkommens in Projektarbeit zu stecken. Macht soweit Sinn, aber es führt dazu, dass Organisationen notorisch unterbesetzt und überarbeitet sind. Es würde sich ja keiner trauen zu sagen, dass man 30% für Personal- und Adminkosten ausgibt, wenn andere Organisation nur 10% ausgeben. Ich bin absolut für Transparenz ( nicht nur bei Spendengeldern), aber würde mir wünschen, wenn man ehrlicher sein könnte und wieder bessere Arbeitsumfelder gerade bei kleineren Organisationen schaffen könnte. Ob das nun allerdings eine Folge der Digitalisierung ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich ein Zusammenspiel von verschiedenen Faktoren.

    Jetzt wende ich mich wieder meiner Online Jahresendkampagne für meine kleine aber Dank Digitalisierung internationer Organisation, dessen Spendenertrag 100% in die Projektarbeit fließt 🙂

  2. Zustimmung, guter Artikel Jona. Danke! Gerade gestern habe ich mal wieder über die Digitalisierung im Ehrenamt gesprochen (mache ich dieser Tage immer mal wieder) Was Digitalisierung eigentlich ist, erkläre ich dabei eigentlich immer mit “Beschleunigung des Sozialen” (Hartmut Rosa 2005) und den Grundströmungen der “Kultur der Digitalität” (Gleich Stalder 2017): Referenzialität, (neue) Gemeinschaftlichkeit und Algorithmizität. Im Grunde hast du das auch alles (mehr oder weniger direkt) angesprochen; überall ein bisschen in deinem Text.

    Und noch eins: “Kommunikation ist Alles”. Ja! Die Netzkommunikation wurde in den letzten Jahren aber vor allem als Marketing-Kommunikation verstanden und nicht als ‘Kommunikation im sozialen Netz’. Blickt man aus dieser Perspektive auf die Digitalisierung werden noch andere Herausforderungen für größere Nonprofits deutlich, zum Beispiel Ansprechbarkeit, Vernetzung und Entsäulung. In der Tat glaube ich, dass da große Potentiale bestehen — größer auch als bei Start-Ups, die sich anschicken neue Monopole zu bilden..

  3. Jona, ich finde es großartig, wie du es hinbekommen hast, über die Auswirkung der Digitalisierung im sozialem Bereich so ausgeglichen zu schreiben.

    Ich empfinde es als Dilemma in meiner Arbeit, dass Plattformen große Vorteile für alle Beteiligten bieten, sie jedoch auch zu einer Konzentration führen. Ich Frage mich, hat das auch immer ein Monopol zur Folge?

    Wird es vielleicht in Zukunft Netzwerke von Plattformen geben, die gegenüber Monopol-Plattformen, noch mehr Vorteile bieten?

  4. JA – Hier stehen interessante Sachen. Dazu möchte ich gerne Folgendes schreiben:

    Wer zuerst das Feld beackert und groß wird kann quasi erreichte Monopolstellungen souverän verteidigen.
    Das Problem ist, dass der Satz:

    „Das bessere Angebot wird in kurzer Zeit von allen genutzt“ nicht stimmt.

    Ein anderes besseres Produkt kann sich gar nicht mehr entwickeln weil Monopolisten ihre Macht nur in ihrem Sinne ausspielen. Dieser Zustand verhindert also mögliche und nötige Innovation.

    Was für eine Rolle bleibt nun Nonprofits in dieser Konstruktion: die Profite der Monopolisten ins unfassbare zu mehren um auch ein kleines Stückchen vom Kuchen abzubekommen? Oder gar selber Monopole anzustreben?

    Das was da passiert hat mehr mit Verhaltensweisen von Menschen zu tun, die gerne Technik einfach nutzen wollen, um sich ihr Leben so angenehm wie möglich machen zu können und nicht mit Digitalisierung an sich.

    Auch bei der Digitalisieren kann es um Werte und Ethik gehen.

    Mittlerweile haben wir auf anderen Gebieten gelernt, dass nicht immer der scheinbar einfachste Weg auch der beste ist. Wir fahren mit dem Fahrrad in die Stadt. Wir Investieren in Solartechnik obwohl wir doch Atomstrom weiter zapfen könnten und kaufen auch nicht immer das günstige T-Shirt weil wir mitlerweile wissen, das es nur so günstig produziert werden konnte weil es auf brutaler Ausbeutung von Menschen beruht.

    Im Bezug auf die digitaler Kommunikation steht und dieser Lernprozess noch bevor. Von Vielen ist es noch nicht wirklich verstanden worden, was hinter dem allem Steckt und wie wir es für die Allgemeinheit fair und für alle verträglich so gestalte und nutzbar machen können, das das was uns in der analogen Welt wichtig ist auch in der digitalen Kommunikation gilt.

    Wenn auch die von Katrin Hünemörder benannte „besorgte Barbara” verstanden hat, in der digitalen Welt ihre Rechte zu waren und auch wieder als mehr gelten möchte, als ein von Facebook mit einem Algorithmus errechnetes Produkt, haben wir eine Chance auch wirtschaftlich funktionierende ethische Alternativen aufzubauen.

    Wer hilft Barbara beim Verstehen? Was für eine Roll können/wollen die Nonprofits in diesem Prozess spielen? Sie sollten zumindest alle Komponenten und Optionen selber erst mal verstanden haben und dann mit ihren Vereinsmitgliedern offen diskutieren.
    ______________________
    Dann möchte ich noch sagen, dass man auf dieser Seite hier unter anderem von einem Google Produkt getrackt wird. https://marketingplatform.google.com/about/tag-manager/

    Netter wäre es wenn diese Tracker hier abgestellt werden würden. Ich höre schon das – Warum ? – kosten doch nichts und ist doch praktisch.
    Hmm…. aber ist das denn wirklich so?

    • Hallo Christoph,

      bei klassischen digitalen Produkten setzt sich das “für den Benutzer in diesem Moment beste Produkt durch”. Das bedeutet aber, wie du richtig angemerkt hast, nicht immer das für die Gesellschaft langfristig beste. Auch das zweite von dir angesprochene Problem wiederspricht dem nicht. Gibt es erst einmal ein solches Quasimonopol ist es sehr schwer hier etwas anderes zu machen. Das liegt aber nicht nur am bösen verhindern, sondern auch einfach daran, dass digitale Produkte die von vielen genutzt werden es in der Regel leichter haben sich weiter zu entwickeln. Wie bei so vielen Disruptionen kommt die Veränderung dann in der Regel nicht durch etwas, was nur ein bisschen besser ist, sondern durch komplett andere Ansätze.

      Was die Folgen für Nonprofits sind ist sicher von Bereich zu Bereich noch etwas unterschiedlich. Ich bin aber der Meinung, dass es sich in den meisten Fällen lohnt sich eine überschaubare Niesche zu suchen und dort einfach das beste Angebot, die beste Lösung zu sein. Monopole hört sich immer so groß und böse an, es gibt aber unendlich viele Nieschen und Bereiche in denen Platz für Monopole ist. Ganz nebenbei bemerkt gilt das auch für den kommerziellen Bereich. Es ist sicher schwer eine zweite klassische Suchmaschine aufzubauen oder einen zweiten Allesversender. Das bedeutet aber nicht, dass es nicht möglich ist in einem Teilbereich wie der Suche von Statistiken oder der Mode in großen Größen Platzhirsch zu werden.

      Schöne Grüße
      Jona

      PS: Mir ist bekannt, dass hier Google Analytics über den Tag Manager eingesetzt wird. Schreiben wir auch unter https://sozialmarketing.de/datenschutz/ mit den Möglichkeiten des Opt-Outs. Wir nutzen sozialmarketing.de auch immer als Besipiel und Spielwiese z.B. um wie in diesem Fall in Workshops Daten zu haben mit denen wir die Analysemöglichkeiten zeigen können. Welche Analyse dann passend ist hängt vom Anwendungsfall ab. Für meine Seite pluralog.de hab ich z.B. eine Matomo-Instanz gewählt.

  5. Georg Staebner – das Probelm bei “helpteers” und seinem Angeboten für Nonprofits ist, dass es zwar äußerst interessante Angebote und Funktionen für eigene Plattformen bietet, (die man überbrigens auch zum Teil einfach mit WordPress und ähnlichem selber umsetzen kann) ihr dabei aber Insellösungen schafft. Ihr müsste es einfach ganz schnell hinbekommen, dass die einzelne Inseln verbunden sind.

    Aber auch dieser Ansatz ist nicht wirtlich soooo gut.

    Die ganze Sache müsste unabhängig von Organisationen gedacht werden, sondern mehr ethisch aus der Perspektive der einzelnen Individuen bzw. Interessenten die man verachtend oft als „Nutzer“ bezeichnet und degradiert.
    Wer sich hier drüber Gedankten macht und Lösungen anbieten kann bringt die eigentliche soziale Frage bei der Digitalisierung nach vorne. Was machen nun sozial orientiere Organisationen in Bezug auf diese Frage? Haben sie diese überhaupt verstanden?

    • Christopher Burger – Danke für die Anmerkungen. Unser Ziel sind keine Insellösungen, sondern Plattformen die Mehrwerte für einzelne Communities bieten. An den Stellen wo eine Vernetzung Sinn macht, werden wir dies in Zukunft ermöglichen, um gemeinsam mehr zu erreichen. Unsere Vision und wie wir die Herausforderungen des Engagement mit der Digitalisierung angehen, ist meines Erachtens zu spezifisch für den Rahmen dieses Artikels. Es würde mich freuen, wenn wir uns darüber an anderer Stelle austauschen. Die Kontaktdaten sind im Impressum auf helpteers.net zu finden. Schöne Grüße, Georg

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