Face2Face-Fundraising – Interview zur Qualitätsinitiative

Wer kennt es nicht? Junge Menschen stehen in der städtischen Fußgängerzone und sprechen erwartungsvoll vorbeieilende Passanten an, um sie zu einer Spende oder Unterschrift zu überreden. Samstagmorgens klingeln Spendensammler mit einer kleinen Box an der Haustür, um auf die aktuelle Notstandssituation eines Zirkus aufmerksam zu machen. Alles für die gute Sache natürlich.

In dieser kleinen Artikelserie beschäftigen wir uns eingehender mit dem Face-2-Face-Fundraising:

Ricarda Raths
Ricarda Raths

Ricarda Raths leitet das Marketing und Fundraising der ROTE NASEN Clowns im Krankenhaus. Sie ist Mitinitiatorin der “Qualitätsinitiative für Straßen- und Haustürwerbung für gemeinnützige Organisationen” und hat sich unseren Fragen zum Verlauf der Initiative gestellt.

Bei dem vor zwei Jahren ins Leben gerufenen Qualitätszirkel Face-to-Face-Fundraising verändern sich gerade einige Dinge – was ist da los?

Die ersten Schritte vor zwei Jahren kann ich selbst gar nicht kommentieren. Ich wurde vor einem Jahr angesprochen. Da waren die Initiatoren um Prof. Dr. Michael Urselmann, Franz Wissmann und Dr. Thomas Röhr meine Ansprechpartner. Erst aus meinem ersten Meeting konnte ich entnehmen, dass es bereits einige Monate zuvor Anstrengungen und Treffen gab, um einen Qualitätszirkel für das “Face-to-Face-Fundraising” ins Leben zu rufen. Die Initiative wurden damals von Dienstleistern forciert, dies hat sich verändert und war auch der Grund für meine Mitinitiative.
Alle teilnehmenden NGOs tragen heute den dynamischen Prozess, die Entwicklung und Umsetzung in Kooperation mit den Dienstleistern. Auch der Name dieser sich immer noch in der Gründungsphase befindlichen Initiative hat sich geändert.

Von Eurer Arbeit bekommt hat man bislang nicht viel mit. Ist die Zielsetzung vorrangig der
Erfahrungsaustausch oder was kann darüber hinaus erwartet werden?

Das die Initiative noch nicht mit Ihren Anliegen an die Öffentlichkeit getreten ist, liegt daran, dass sie – wie eben erwähnt – noch in der Gründungsphase ist und es nicht der Sache dient, unfertige Arbeitspapiere zu kommunizieren. Mit verbindlichen, transparenten Kriterien für die Umsetzung dieses Fundraising-Instruments soll die Qualität in der Branche verbessert werden und klar aufzeigen was gutes, seriöses Face-to-Face-Fundraising ist und was nicht.

Können Sie weitere Organisationen daran beteiligen?

Um den Arbeitsprozess auf einer hohen Qualität und ein gemeinsames intensives Verständnis füreinander zu halten, haben wir uns dazu entschlossen die Initiative für diese Zeit erst einmal im Kreis der derzeit 28 Teilnehmer/innen zu belassen. Wir benötigen die Ruhe und Beständigkeit, um die Anforderungen und Komplexität für diese Richtlinien professionell und gründlich zu erarbeiten. Doch sobald wir ein Basispapier erstellt haben, ist es ein erklärtes Ziel möglichst viele Organisationen dazu zu gewinnen, nur so können wir die Stärke für eine professionalisierte Akzeptanz erreichen.

In Österreich hat das in ähnlicher Weise funktioniert. Konntet ihr von unseren KollegInnen einige Kniffe übernehmen?

Im ersten Schritt wurden Erfahrungen ausgetauscht sowie Herausforderungen und Chancen benannt. Ein besonderes Augenmerk richteten die Teilnehmer/innen auf den internationalen Fundraisingmarkt (z.B. Großbritannien, USA, Österreich, Dänemark, Niederlande), auf denen bereits erfolgreich Kriterien für ein qualitätsvolleres und adäquateres Face-to-Face-Fundraising umgesetzt werden. Nachdem in Österreich bereits sehr wertvolle Arbeit geleistet wurde, haben wir uns Dr. Günther Lutschinger, Präsident der European Fundraising Assoziation (EFA) und Geschäftsführer des Österreichischen Fundraising Verbandes als Moderator und Begleiter der Arbeitsgruppe geholt. Schon heute stellt sich dies als sehr große Bereicherung heraus.

Woran werden wir in zwei Jahren merken, dass Eure Arbeit erfolgreich war?

Wir haben das Ziel, das Face-to-Face-Fundraising als seriöses, wichtiges, sinnvolles und effizientes Instrument bei den Organisationen und auch in der Öffentlichkeit allgemein zu stärken und zu etablieren. Die Qualitätsinitiative wird die noch zu erarbeitenden Qualitätsrichtlinien erstellen und intensiv diskutieren. Dies umfasst auch die Verbindlichkeit in der eigenen Arbeit. Marktbeobachtungen können ebenso zu den Aufgaben gehören, wie die Zusammenarbeit mit den Behörden. Aber auch in die rechtliche und politische Diskussion möchten wir uns einbringen. Jetzt aber gilt es erst einmal Basis zu schaffen und die Richtlinien zu erarbeiten.

Vielen Dank für die Antworten. Wir sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen und die Ergebnisse der Beratung!

2 COMMENTS

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

*