Überlegungen zu Fundraisingpreisen

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Die Verleihung von Fundraisingpreisen sind regelmäßig Höhepunkte von Kongressen. Sie sind eine Gelegenheit für die Sichtbarkeit von Sponsoren, Anlass zur Pressearbeit und die Preisträger freuen sich ohnehin. Darüber hinaus sollen die Preise exzellente Arbeit würdigen und gelungene Praxis auszeichnen.

Ausgehend vom Deutschen Fundraising Kongress in diesem Jahr möchte ich die aktuelle Praxis der Fundraisingpreise kritisieren:

  • Es fehlt an Transparenz darüber, warum sich die Jurys so zusammensetzen wie sie sind und was genau die Arbeit der Jury ausmacht.
  • Eine Kategorie „Innovation im Fundraising“ ist sehr interpretationswürdig. Hier wäre eine klarere Eingrenzung des Innovations-Begriffes notwendig um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.
  • Wenn in einer Kategorie (m.E. dieses Jahr in der Kategorie Innovation) keine preiswürdigen Einreichungen vorliegen, dann wäre es Aufgabe der Jury hier auf eine Auszeichnung zu verzichten, auch um die Wertigkeit des Preises zu erhalten.
  • Für eine nicht zufriedenstellende Auswahl potentieller Preisträger sind wir Fundraiser selbst Schuld. Es ist an uns Vorschläge zur Auszeichnung einzureichen und selber sehr gute Fundraising-Konzepte zu entwickeln. Eine Jury kann nur über die Vorschläge entscheiden, die ihnen zur Kenntnis gelangen.
  • Schon im Vorjahr kamen mir kritische Stimmen zu Ohren, die eine Auszeichnung von Dienstleistern kritisierten. Damals hatte altruja für das Corporate Giving-Portal spendet.org einen Fundraisingpreis erhalten. Von einer Ausnahme der Dienstleister halte ich nichts – sie tragen genauso zum erfolgreichen Fundraising und zur Weiterentwicklung von Ansätzen bei wie Organisationen und Fundraiser.
  • In einer Jurysitzung können Projekte viel eingehender und objektiver erörtert werden, als sich Verbandsmitglieder von einer oberflächlichen Projektbeschreibung ein Bild machen können. Eine Mitgliederabstimmung ist mit der Gefahr verbunden, dass es mehr über die Mobilisierungsfähigkeit der beteiligten Organisationen/Dienstleister als von der Qualität des Projekts aussagt.

Fundraisingpreise sind ein wunderbares Element zur Auszeichnung guter Ansätze, zur Würdigung von Engagement und Ideenreichtum. Damit sie an Wert gewinnen wünsche ich mir, dass wir die bisherige Praxis überdenken.

Übrigens, für interessante Ansätze lohnt auch ein Blick in das nahe europäische Ausland: Beispielsweise wird in Frankreich ein Preis in der Kategorie „Große Idee, kleines Budget“ vergeben. In Großbritannien wird – gleichwohl diskussionswürdig – ein jährliches Ranking der Top 50 Vordenker/Influencer im Fundraising ermittelt. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass schon vor der Auszeichnung für ein Lebenswerk motivierend wirken kann.

Eine Neukonzeption von Fundraisingpreisen ist nötig und sollte mindestens die Bereiche der Jury, der Preiskategorien und der Preisträgerauswahl einbeziehen:

  1. Eine Jury sollte Experten unterschiedlicher Fundraisingbereiche zusammenführen und die Mitglieder über einen Zeitraum von mehreren Jahren gebunden werden. Es erscheint angemessen, dass der Vorstand des Fundraisingverbandes selbst auch Teil der Jury ist, schließlich bildet der Vorstand die Interessen der im Fachverband organisierten Mitglieder ab.
  2. Preiskategorien bedürfen einer eindeutigen Beschreibung (Vgl. Innovations-Begriff). Eine Anzahl von Kategorien sollte definiert werden, aber nicht in jeder Kategorie muss notwendigerweise in jedem Jahr eine Auszeichnung stattfinden. Es reicht aus, wenn die herausragendsten Preisträger gewürdigt werden – und dieses Urteil obliegt der Jury. Dies setzt allerdings voraus, dass die Jury an der Festlegung der Kategorien von Anfang an beteiligt ist.
  3. Die Endauswahl der Preisträger sollte sich an sorgsam in einer Jury diskutierten und abgewogenen Indikatoren der jeweiligen Kategorien begründen. Einfache Abstimmungen mit Mitgliederbeteiligung eignen sich eher für eine Vorauswahl von potentiellen Preisträgern.

Wie ist eure Einschätzung? Kann alles bleiben wie es ist oder wohin sollten sich die Fundraisingpreise entwickeln?

7 KOMMENTARE

  1. Mir ist der Preis mit der Konzentration auf Projekte und Innovationen zu kurzfristig angelegt. Warum zeichnen wir analog zu den Personen nicht NGOs aus, die sich durch nachhaltiges und strategisches Fundraising auszeichnen? Schließlich machen Sie sich dadurch auch verdient um das Fundraising in Deutschland.

    Bei der Auswahl der verdienten Personen hat die Jury in den letzen Jahren meiner Meinung nach eine sehr gutes Händchen bewiesen. Da sehe ich keinen großen Reformbedarf, wobei Transparenz sicher nicht schaden kann. Der Vorstand war übrigens bisher Teil der Jury. Er ist es momentan nur nicht, weil Herr Röhr ja zurückgetreten ist.

    Bei der Mitgliederabstimmung kann ich nur zustimmen. Im Bereich Projekte stimmen einige Kolleginnen und Kollegen nach dem Zweck ab und nicht nach dem Fundraising-Inhalt. Das ist aber nicht Sinn des Fundraising-Preises. Dann lieber eine gut durchdachte Jury-Entscheidung.

    • Bezüglich der Beteiligung des Vorstandes würde ich nicht nur einen Vertreter in der Jury sehen, sondern den ganzen Vorstand – soweit es im Rahmen der zeitlichen Ressourcen der Vorstandsmitglieder möglich ist. Gemeinsam bilden sie die Breite der Mitgliedermeinungen wieder, die ich ansprach.
      Was die Auszeichnung von nachhaltigen und strategischen Fundraising betrifft, so wäre es sicherlich eine große Herausforderung sich über entsprechende Indikatoren, Berichte und Analysen zu verständigen…

      • Hallo zusammen,

        als Noch-Mitglied der Jury will ich gerne einiges erläutern. Bis zur nächsten Vorstandwahl im nächsten Jahr bleibe ich kommissarisch in der Jury und berichte an den Vorstand. Der dann neu gewählte Vorstand wird dann jemanden Neues benennen.

        Generell trifft man auf Probleme, die wohl jedem Preis anhaften. Das betrifft besonders den Begriff „Innovation“, über den die Jury auch immer wieder nachdenkt und über den man unendlich diskutieren kann. Die wesentlichen Kriterien findet man im „Bewerbungsblatt“, das mit einzureichen ist. Hier kam es der Jury u.a. auch besonders darauf an, dass z.B. eine Kampagne konkrete Fundraising-Ergebnisse erbracht hat (z.B. Einnahmen, neue ehrenamtliche Mitarbeiter/innen etc.) und es sich in diesem Zusammenhang nicht um reine PR-Kampagnen handelt. Ich bin mir sicher, die Jurymitglieder sind z.B. auf dem nächsten Kongress gerne bereit, darüber mehr Auskunft zu geben. In jedem Fall sollten wir in Zukunft auf der Webseite die Kriterien etc. einmal ausführlicher vorstellen.

        Nicht bestätigen lässt sich, dass über die Jahre nicht genügend eingereicht wird. Allerdings erfüllen nicht alle Bewerbungen die erforderlichen Kriterien, so dass wir in 2013 „nur“ zwei „Innovationen“ nominieren konnten. Auch können wir nicht sagen, dass über die Jahre überwiegend Agenturen einreichen. Es hält sich mit 50%/50% eher die Waage.

        Der Fundraising-Preis ist ganz bewusst ein Preis, der durch die Mitglieder abgestimmt werden soll. Auch deswegen haben wir die Mitglieder im letzten Jahr ganz intensiv angesprochen, um so viele wie möglich zum Abstimmen zu motivieren. Natürlich versuchen die Nominierten im Vorfeld, Stimmen für sich zu gewinnen, was aber auch nicht immer funktioniert. Meine ganz persönliche Erfahrung ist, dass die Mitglieder sich recht intensiv die Unterlagen online anschauen und ganz im Sinne des Fundraising-Preises abstimmen. Das zeigen die Rückfragen, die zumindest ich von einzelnen Mitgliedern erhalten habe.

        In den letzten 3-4 Jahren haben wir den Fundraising-Preis ja komplett umgestaltet und „auf andere Füße“ gestellt. Jedes Jahr wurden Dinge geändert, optimiert, angepasst. An manchen Stellen sind alle gemeinsam auch noch „auf dem Weg“. Die nächste Jury-Sitzung ist im Herbst, wo wir die Anregungen aus dem Blog gerne diskutieren.

  2. Hallo Jörg,

    ich sehe weniger in der Jury als in der Einreichungsphase das Problem. Bereits die letzten Einreichungen waren zu großen Teilen von Agenturen angestoßen. Was nicht schlimm ist, wie Du selber sagst. NGOs brauchen aber einfach Zeit um Unterlagen einzureichen und diese sollten konsistent und vergleichbar sein. Das erleichtert auch der Jury die Arbeit. Für ein nachhaltigeres Fundraising sollte das Jahr des Preises allerdings weniger eine Rolle spielen, als die Qualität der Bewerbung. Viele Kampagnen laufen ja nicht nur ein Jahr. Hier sind größere Zeiträume durchaus angemessen. Wenn ich den vergleich zu Österreich ziehen darf, dann wundert es mich schon, das dort Kategorien immer sehr voll sind und in Deutschland nicht. Da sehe ich im Einreichungsprozedere schon noch einige Reserven.
    Viele Grüße

    Matthias

    • Wenn der Innovations- und Erfolgsgrad von Fundraising in Deutschland groß, die Anzahl der Einreichungen jedoch gering ist, dann hakt es wohl auch an der Einreichungsphase.

      Wie können wir das lösen?
      a) Wir können aktiver dafür werben Vorschläge für Preisträger einzureichen.
      b) Wir können die den ersten Schritt der Einreichung niedrigschwelliger halten, z.B. nur die Rahmendaten und eine Kurzbeschreibung – und nach einer Vorsichtung durch die Jury oder Experten für die jeweilige Kategorie könnte umfangreichere/aufbereitete Informationen abgefragt werden.
      Wie könnte es noch gelingen?

      • Hallo Jörg,

        das Problem ist doch: Der Deutsche Fundraisingverband, der den Preis vergibt ist (noch) kein Organisationsverband, wie der in Österreich. Ich geb Dir Recht. mehr Werbung wäre hilfreich. Braucht aber auch ein Budget. Bisher war man froh, das marketwing das unterstützt und durchführt. In anderen Ländern sind deutlich mehr Sponsoren beteiligt, die finanzielle Basis so auch breiter. Da bleibt mehr Spielraum.

        Die niederschwellige Einreichung halte ich für eine gute Idee. Ein mehrstufiges Verfahren bedeutet aber auch mehr personellen Aufwand – wieder eine Frage des Wollens und des Budgets.

        Der Verband hat momentan 1300 (?) Mitglieder. Da sind doch eigentlich genügend Leute darunter, die eine gelungene Aktion gern einreichen würden. Neue/alte Kategorien könnten helfen. Bestes Plakat, bestes regionales Fundraising, beste überregionale Kampagne, Spot des Jahres, Online-Kampagne des Jahres.

        Übrigens nicht alle brauchen Preisgeld! Wir haben für den Preis Fachmedium des Jahres auch nichts bekommen – außer den Titel ein Jahr in unserer Werbung nutzen zu dürfen. Für beteiligte Agenturen sicher eine Motivation, für NGOs eine Unterstützung für die interne Kommunikation und Bestätigung der Arbeit.
        Ich geb noch etwas zu bedenken: Kann es sein, das Organisationen gar nicht ihre Kampagnenideen teilen wollen? Stichwort Konkurrenzdenken?

        Schöne Diskussion weiter, ich verabschiede mich jetzt in den Urlaub.

        Matthias

  3. Anmerkungen von Gerhard Wallmeyer:

    Es fehlt an Transparenz darüber, warum sich die Jurys so zusammensetzen wie sie sind und was genau die Arbeit der Jury ausmacht.


    Es gibt bewusst keine festen Regeln, die dann doch nicht einzuhalten sind. Man muss bedenken, die Jury-Arbeit ist echt ehrenamtliches Engagement, das mehrere Arbeitstage pro Jahr kostet. Aber ein Blick auf die Mitgliederliste offenbart doch einiges: Erfahrene Fundraiserinnen und Fundraiser aus
    a) Organisationen,
    b) Agenturen,
    c) Wissenschaft,
    d) der Sponsor für den Preis.


    Eine Kategorie “Innovation im Fundraising” ist sehr interpretationswürdig. Hier wäre eine klarere Eingrenzung des Innovations-Begriffes notwendig um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.


    Wenn Innovationen geehrt werden sollen, sollte es keine präzisen Regeln für Innovationen geben. Die Regeln werden sonst von den Innovationen überholt.


    Übrigens, für interessante Ansätze lohnt auch ein Blick in das nahe europäische Ausland: Beispielsweise wird in Frankreich ein Preis in der Kategorie “Große Idee, kleines Budget” vergeben.


    Interessante Idee


    In Großbritannien wird – gleichwohl diskussionswürdig – ein jährliches Ranking der Top 50 Vordenker/Influencer im Fundraising ermittelt. Der Vorteil dieses Ansatzes ist, dass schon vor der Auszeichnung für ein Lebenswerk motivierend wirken kann.


    Finde ich schwierig. Wie will man all diese vielen Leute recherchieren und bewerten. Es entsteht eine latente Gefahr von Klüngelwirtschaft.


    Eine Jury sollte Experten unterschiedlicher Fundraisingbereiche zusammenführen und die Mitglieder über einen Zeitraum von mehreren Jahren gebunden werden. Es erscheint angemessen, dass der Vorstand des Fundraisingverbandes selbst auch Teil der Jury ist, schließlich bildet der Vorstand die Interessen der im Fachverband organisierten Mitglieder ab.


    Für den ehrenamtlichen Vorstand des Verbandes wäre das eine erhebliche Zusatzbelastung – ist eigentlich auch nicht Aufgabe eines Vorstandes. Der Vorstand des Verbandes soll den Verband führen.


    Die Endauswahl der Preisträger sollte sich an sorgsam in einer Jury diskutierten und abgewogenen Indikatoren der jeweiligen Kategorien begründen. Einfache Abstimmungen mit Mitgliederbeteiligung eignen sich eher für eine Vorauswahl von potentiellen Preisträgern.


    Derzeit prüft die Jury alle eingesendeten Beiträge und schlägt drei für die Abstimmung unter den Mitgliedern vor. Mehr als drei Vorschläge zur Abstimmung zu geben, wäre wohl eher abschreckend. Wie soll man all die Beiträge verstehen und bewerten? Es ist eh schwierig, genug Mitglieder für die Abstimmung zu mobilisieren, damit die Abstimmung einigermaßen repräsentativ ist. Aus diesem Grunde hatte die Jury in diesem Jahr Preise für die Teilnahme an der Abstimmung ausgelobt. Wenn ich mir vorstelle, ich sollte mir als „normales Verbandsmitglied“ 30 Einsendungen anschauen und mir eine Meinung bilden und dann abstimmen. Da hätte ich keine Zeit für.


    Wie ist eure Einschätzung? Kann alles bleiben wie es ist oder wohin sollten sich die Fundraisingpreise entwickeln?


    Ich könnte mir vorstellen die Kategorien feiner zu zerteilen und dann aber auch in einzelnen Kategorien keine Preise verteilen, wenn keine guten Einsendungen vorliegen. Also z.B. Beste Social Media Kampagne, Beste Homepage, Bester Spenderbrief, Beste TV-Show, Bester TV Spot, Beste Print Anzeige, etc. Aber man muss auch bedanken, dass die Präsentation der Preisträger würdevoll, unterhaltsam aber auch nicht zu lange dauern darf. Preisträger aus 10 Kategorien zu ehren, ist ein schwieriges Unterfangen.

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