Podcasts für gemeinnützige Organisationen

Seit ungefähr 3 Jahren gibt es das Fundraising-Radio. Seit mittlerweile knapp 70 Folgen gibt es in regelmäßigen Abständen Updates und Einblicke in die Fundraising-Szene. Es ist aus einer Laune heraus und relativ spontan entstanden.

Wer selbst viele Podcasts regelmäßig hört, verspürt irgendwann den Drang danach, einen selbst zu machen. Hätte ich damals erahnt, dass sich das alles verselbständigt, so hätte ich wirklich noch mal drüber nachgedacht. Ich würde das aber alles nicht machen, wenn es nicht einen Sinn hätte und Menschen den Podcast wirklich regelmäßig hören. Auch wenn die Messung der Anzahl gehörter Folgen immer noch nicht trivial ist, so sind sie gerade für die sehr kleine Fundraising-Szene echt zufriedenstellend. Mittlerweile werde ich regelmäßig auf die Folgen angesprochen. Und da schließt sich dann der Kreis. Eins vorweg gesagt:

Podcast-Grundlagen: Mal eben ist nicht.

Denn entgegen der Aussage vereinzelter Kolleginnen und Kollegen ist ein Podcast nicht mal eben mit dem Smartphone aufgenommen und produziert. Es kostet Zeit, bedeutet am Anfang eine Menge Mühe und auch einen – wenn auch zunächst überschaubaren – finanziellen Aufwand.

Wenn man dazu bereit ist, dann sind Podcasts aus der Sicht gemeinnütziger Organisationen ein großartiges Medium, um neue Interessenten zu gewinnen und vorhandene Spenderinnen und Spender zu informieren.

Podcast Aufnahme auf dem DFK18
Podcast Aufnahme auf dem Deutschen Fundraising Kongress 2018. Jona Hölderle, Nadine Shalala, Andreas Berg und Jan Uekermann im Fundraising Radio

Podcasts gehen ganz tief rein.

Podcasting boomt. In der Szene spricht man gerade von der 3. Welle. In einer Studie kam raus, dass mittlerweile 15% der Menschen in Deutschland Podcasts hören. Die Sache ist ja auch praktisch. Man braucht eigentlich kaum noch erklären, was Podcasts sind. Podcast-Apps sind Standard auf Smartphones der bekannten Betriebssysteme. Professionelle Apps wie Pocketcast, Castro oder Antenna Pod kosten nicht viel Geld und erleichtern den Hörgenuss.

Die allgemeine Qualität von Podcasts hat in der vergangenen Zeit stark zugelegt. Das liegt zum einen an der immer erschwinglicher werdenden Technik, aber auch an der stark zunehmenden Kreativität der produzierenden Menschen. Qualität bezieht sich hier auf den Inhalt, als auch auf den guten Klang. Während vor einigen Jahren Podcasts zum Teil über die Freisprecheinrichtung im Auto nebenbei aufgenommen wurden, so schmerzen Aufnahmen dieser Art jedem Ohr. Die Audio-Qualität muss einfach stimmen.

Da draußen sind unheimlich viele Angebote im Netz unterwegs, die einen riesigen, einfachen und schnellen Erfolg durch Podcasts versprechen und gerne diese Arbeit abnehmen. Seid da bitte vorsichtig und glaubt diese Versprechen im Zweifel erst mal nicht.

Podcasts sind zunächst ein kostenloses Angebot

Von der Philosophie her sind Podcasts erst mal nichts anderes als per Feed frei abonnierbare Audio-Dateien. Nicht mehr und nicht weniger. Abo bedeutet, dass mit Hilfe von Podcast-Apps über eine neue Folge informiert wird und diese bei Bedarf direkt heruntergeladen wird. Und frei bedeutet dabei, dass die Dateien hinter keiner Mauer irgendeiner Art stehen, sondern für jedermann via Website oder Player erreichbar sind. Entsprechende Einkesselungen von Spotify oder Audible sind in der Szene zurecht nicht so gerne gesehen.

Podcasts sind in der Regel für den Hörer kostenlose Angebote. Professionelle Produktionen finanzieren sich oft über freiwillige Gaben, die dort meist auch als Spenden bezeichnet werden. (Klugscheißung am Rande: Leserinnen und Leser hier wissen, dass das keine „Spenden“ sind. Aber ein Versuch der Diskussion zu diesem Wording ist mir entglitten. ^^)

Einige wenige Menschen können von dieser Unterstützung sogar leben. Ein Trend der vergangenen Zeit ist es, kostenlose Podcasts durch bezahlte Premium-Angebote zu erweitern. Mit Blick hinter die Kulissen oder exklusiven Interviews.

Mischpult zur Podcast-Aufnahme
Podcast-Produktion: Es muss nicht gleich ein Mischpult sein. Aber schöner ist’s schon.

Was macht Podcasts so besonders?

Podcasts legen den Fokus auf ein anderes Organ: Das Ohr. Somit ermöglichen sie Im Unterschied zum boomenden Video einen völlig neuen Einsatzbereich. Podcasts können mit oder ohne Kopfhörer nebenbei gehört werden. Auf dem Weg zur Arbeit, im Auto, in der Bahn, beim Sport, am Schreibtisch. Es sind kleine oder große Häppchen an Information, die Wissen schaffen oder unterhalten. Sie legen dort den Gegenpol zu den immer flauer werdenden Radioprogrammen mit den Hits der 70er, 80er und 90er. Und Audio geht dabei viel tiefer.

Sie bieten die Möglichkeit, sich abgeschlossen mit Themen zu beschäftigen, denen man sonst womöglich keine Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Kaum ein Thema, zu dem es keinen Podcast gibt. Ausnahme: Themen gemeinnütziger Organisationen. Die fehlen zum Teil noch flächendeckend.

Verfolgt man bestimmte Produktionen über Monate oder gar Jahre, so hat man das Gefühl einer tiefen Verbundenheit mit den Protagonisten. Man kennt sie und ist gespannt, wie es weitergeht. Spenderbindung galore!

Wie lang dürfen Podcasts sein?

Manche Podcast bieten als tägliche Dosis Wissen in 5-10 Minuten an. Andere Podcasts sind gar 4 Stunden lang und länger. Ganz nach Belieben der Macher und natürlich der Konsumenten. Grundsätzlich geht vieles. Wöchentliche oder gar tägliche Formate müssen aber auch irgendwie in den Ablauf der Organisation passen. Persönlich höre ich übrigens nahezu kaum einen Podcast, der unter einer Stunde lang ist. Kurze Häppchen gibt’s nämlich auch im Radio.

Podcast-Genres

Podcasts sind vielfältig. Allen voran und vermutlich am meisten verbreitet ist der „Laberpodcast“. In diesem redet mindestens eine, aber auch mehrere Personen. Oft ohne Thema und einfach drauf los (Gähn! Meistens zumindest.), oft aber mit thematischem Schwerpunkt.

Auch machbar sind Interviews und Mitschnitte von Veranstaltungen und Podien. Die Königsdisziplin sind gut recherchierte und zusammengeschnittene Reportagen und Features. Diese brauchen aber auch enorme Zeit in Vorbereitung und Produktion, aber auch Ansätze journalistischer Kenne. Deutschlandfunk, WDR5, SWR2 und weitere stellen übrigens einen Großteil ihrer Produktionen als Podcasts ins Netz.

Und es gibt auch reine Podcast-Eigenproduktionen öffentlich-rechtlicher Sendeanstalten. Besonders hervorheben möchte ich hier die 2 Staffeln der Cybercrime-Reihe von HR Info.

Viel spannender sind aber die vielen anderen nicht so professionell produzierten Podcasts unterschiedlicher privater Menschen, die das wirklich großartig machen. In Podcastverzeichnissen wie Fyyd oder direkt dem als Datenbasis agierenden iTunes Podcast Verzeichnis lagern Schätze herum, von denen man oft noch nicht mal was ahnt.

Warum Podcasts für Nonprofits?

Podcast prägen sich tief ein. Sehr tief. Interessiert ein Thema, dann bleiben Menschen dran. Leider haben das derzeit nur wenige Organisationen verstanden und umgesetzt. Dazu mehr im dritten Teil, in dem ich die wenigen Podcasts gemeinnütziger Organisationen vorstelle. Dies sind Vorteile und Nachteile für den Podcast-Einsatz:

Pro Podcast

  • Niederschwelliges Angebot und für den Hörer kostenlos
  • einfach zu bedienen, keine großen Hürden beim Nutzer
  • Podcasts sind ein Nebenbei-Medium
  • klasse für Nischenthemen und Special Interest, Und da sind Nonprofits besonders stark.
  • trotz der oben genannten Herausforderungen dennoch ein recht einfach zu produzierendes Medium. Hat man sich einmal eingearbeitet, dann geht es gut von der Hand.
  • emotionale Bindung des Hörers – Instrument zur Spenderbindung
  • Einfache und kostengünstige bis kostenlose Verbreitung
  • (noch) innovativ und modern
  • Alleinstellung: Es gibt aktuell nur sehr wenige Organisationen im deutschsprachigen Bereich mit eigenem Podcast
  • Lebendige Szene, die gerne weiterhilft (Link zum Sendegate)
  • Gute Podcast-Software ist durch engagierte Menschen entwickelt worden und steht als Open-Source zur Verfügung.
  • Es gibt genügend Tools, zum Beispiel für das Zuschalten von Interviewpartnern jenseits von Skype (Bitte bitte kein Skype nutzen!)

Contra Podcast

  • spezielle Zielgruppe: Podcasts wachsen zwar, erreichen aber immer noch nicht jeden. Im Fokus sind hier eher die digital Affinen. Alter egal.
  • Kein Nebenbei-Medium im Sinn der Platzierung im Organisations-Medienmix
  • keine direkte Einnahmequelle aus Fundraising-Sicht
  • technische Grundausstattung muss angeschafft werden
  • gewisses technisches Grundverständnis muss vorhanden sein.
  • Die Einarbeitung ins Thema kann zunächst zeitlich aufwändig sein.
  • Um eine gute Aufnahme-Infrastruktur hinzubekommen, muss ständig ausprobiert und angepasst werden.
  • Frage: Lohnt sich der Aufwand für ein Nischenthema?

Wann legt Ihr los?

Überlegt es euch, ob Podcasts etwas für euch sind. Ich bin süchtig danach, und viele Menschen da draußen auch.

Im nächsten Beitrag geht es dann um die Technik und die Produktion. Und natürlich auch um Aufwand und Kosten. Last not least in Beitrag 3 um Podcasts gemeinnütziger Organisationen im deutschsprachigen Bereich. (Beiträge erscheinen Ende November/Dezember 2018)

Maik Meid
Ruhrgebietskind. Jg. 1976, lebt in Hattingen, freiberuflicher Fundraising-Manager (FA). Seit >20 Jahren für Nonprofits tätig. Unterstützer für Fundraising und digitale Kommunikation und Fotograf. Studienleiter an der Fundraising Akademie. Begleitet Nonprofits durch den digitalen Dschungel. Macht das Fundraising Radio.