Podcasts für gemeinnützige Organisationen 2/3

Technik und Produktion

Okay, Teil 1 hat Dich also noch nicht abgeschreckt. Sehr gut, denn in Teil 2 geht es in der kleinen Podcast-Reihe weiter mit der Technik und Produktion. Weiter mit dem Fokus auf gemeinnützigen Organisationen und somit dem Blick auf ein geringes Budget.

Im folgenden gehen wir davon aus, dass ihr ein Thema und auch ein Format/Genre für den Podcast gefunden habt. Dieser soll nun optimal vertont werden. Dafür braucht es neben Sprecherinnen und Sprechern in der Minimalausstattung:

  • Mindestens 1 Mikrofon
  • Aufnahmegerät bzw. Audio-Interface
  • Software zur Produktion
  • Möglichkeiten zur Veröffentlichung

Im Bonusbereich geht es dann um die Unterstützung mit kostenlos nutzbarer Musik sowie eine Optimierung der Audioqualität. Denn, nichts ist beim Podcasting abtörnender als schlechter Klang. Starten wir aber bei dem wichtigsten Faktor:

das Podcast-Mikrofon

Vorweg gesagt, „das“ Podcast-Mikrofon gibt es nicht. Und im Prinzip auch nicht den einen universellen Einsatzbereich. Grundsätzlich gilt jedoch: Wer billig kauft, kauft zweimal.

Auf dem Markt gibt es unterschiedliche Mikrofone, die besonders „für Podcaster“ angepriesen werden. Vorsicht jedoch: Die meisten Mikrofone dieser Art haben eingebaute Verstärker, eingebaute Audio-Interfaces und einen USB-Anschluss. Diese Art von Mikros schränken weitergehende Nutzung bereits von Anfang an sehr ein, da sie in der Regel lediglich einen Audio-Kanal ermöglichen. Eine Erweiterung (zum Beispiel auf 2 Mikros) ist nicht so einfach möglich. Besser ist der traditionelle Weg mit Mikrofon und Aufnahmegerät.

Stark vereinfacht: Es gibt dynamische Mikrofone und Kondensator-Mikrofone. Dynamische Mikrofone sind meist weniger empfindlich und man muss deutlich lauter reinsprechen und näher rangehen. Kondensator-Mikrofone benötigen für den Betrieb eine “Phantomspannung”, die sie meist aus den Aufnahmegeräten beziehen. Mit Kondensator-Mikros können sehr viel feinere Nuancen eingefangen werden. Entscheidend ist auch die Charakteristik eines Mikrofons: Von wo kommt das Signal und in welchem Winkel werden Signale aufgenommen? Jedes Mikro hat dort andere Ausrichtungen.

Es bleibt also zunächst die Frage, WO ihr euren Podcast voraussichtlich aufnehmen wollt. Drinnen oder draußen? In welcher akustischen Umgebung?

Ob Stabmikrofon, Lavalier-Ansteckmikrofon oder Headset, vieles ist denkbar.

Wichtig ist, dass ihr überhaupt erst mal anfangt und später schaut, was ihr für weitere Aufnahmen benötigt. Leiht euch zu Beginn Material zum Testen, bevor Ihr viel Geld ausgebt. Gerade bei den Mikrofonen gibt es sehr viele unterschiedliche Meinungen und teilweise sehr unterschiedliche, teils militante Auffassungen, was nun richtig oder falsch ist. Lasst euch davon nicht beunruhigen.

Denn wichtig sind der Inhalt und der allgemein gute Ton. Bleibt bei der Regel, dass pro Person ein Mikrofon notwendig ist. Viele Podcaster arbeiten mit Headsets, besonders wenn weniger mit Mikrofonen geübte Gäste eingeladen sind. Diese haben den Vorteil, dass sich der Abstand vom Mund zum Mikrofon nicht ändert. Die Podcast-Szene schwört aus unterschiedlichen Gründen zu einem großen Teil auf das Beyer DT-297. Für Bastler gibt es eine günstigere Alternative.

Bitte ignoriert besonders am Anfang kabellose Übertragungen und verlasst euch auf das gute alte Kabel. Ihr habt gerade zum Start genug mit der restlichen Technik zu tun, als dass ihr diese Sollbruchstelle auch noch im Blick haben müsst.

Weitere Mikrofone zur Auswahl (nur zur Orientierung): Lavaliermikrosdynamische MikrosKondensatormikrosBeispiel für eine USB-Lösung

das Aufnahmegerät / Audio-Interface

Irgendwo müssen die Kabel aber nun rein. Idealweise geschieht dies mit einem Aufnahmegerät oder Audio-Interface. Auch diese gibt es in vielen unterschiedlichen Preisvarianten.

Überlegt euch vorher, was Ihr mit dem Podcast machen wollt. Seid ihr im Studio oder auch mal unterwegs? Soll es Interviews geben? Dann braucht Ihr ein Interface mit einer entsprechenden Anzahl an Eingängen. Bei der Anschaffung ist es besser, vorausschauend zu planen und eher 1-2 Kanäle mehr anzudenken. Sonst muss das Gerät schnell wieder ausgetauscht werden, weil es zu klein ist.

Beachtet bei der Anschaffung auch, dass eine USB-Verbindung zum Rechner vorhanden ist, um hinterher nachbearbeiten zu können. Bei der Übertragung auf den Rechner ist hier besonders wichtig, dass jeder Kanal einzeln übertragen wird und nicht alle Kanäle gemeinsam als Summe in den Bearbeitungsrechner gehen.

In der Podcast-Szene wird bereits seit Jahren das Zoom H6 besonders geliebt, aber auch preisgünstigere Versionen sind durchaus brauchbar.

Weitere Audiointerfaces von Behringer, Steinberg, Focusrite Scarlett Reihe, Zoom H5, Zoom Livetrak L-12

Auch ein modernes Smartphone kann ein Aufnahmegerät sein, muss dann jedoch um ein gutes Mikrofon erweitert werden. Es ist daher nur eingeschränkt zu empfehlen, kann jedoch zum Sammeln von O-Tönen taugen, besonders in Innenräumen.

Software für die Produktion (DAW)

Kein Interview oder keine Sendung ist so perfekt, als dass sie ohne Bearbeitung direkt veröffentlicht werden kann. Zu lange Pausen, “Ähs” oder Husten müssen rausgeschnitten werden.

Gleichzeitig hat ein Interviewpartner zu leise gesprochen und der Kanal muss angehoben werden. Außerdem soll an der ein oder anderen Stelle noch ein schöner Jingle hinzu und an den Anfang kommt ein Intro.

Dafür gibt es Software, die DAW (Digital Audio Workstation). Und auch hier gehen die Meinungen über die Auswahl weit auseinander. Aus Gründen der Übersicht tauchen hier die rein mobil nutzbaren Programme nicht auf, weil sie einfach nicht die professionelle Komplexität besitzen.

Eine gute Podcast-Bearbeitungssoftware muss können:

  • zerstörungsfreie Audio Bearbeitung jedes einzelnen Kanals inkl. Muting, Anheben der Eingangspegel, Schneiden im Copy-Paste Verfahren und dies alles auf Basis von Zeit-Anzeigen (und nicht etwa Takten).
  • Setzen, Bearbeiten und Exportieren von Kapitelmarken
  • Exportieren in unterschiedliche Dateiformate, mind. mp3, m4v und flac.
  • Möglichkeit, den Podcasts direkt in die Software hinein aufzunehmen
  • Möglichkeiten der Live-Zuschaltung von Dritten
  • Unterschiedliche Routings von Signalen auf die Kanäle
  • Import- und Abspielmöglichkeit von Audiodateien wie Jingles

Machen wir es kurz: Da bleibt nicht so viel.

Mit dem oft immer wieder genannten frei verfügbaren Software Audacity könnt ihr zwar starten, werdet aber immer wieder an ärgerliche Grenzen stoßen. Besonders, weil Audacity die Originaldateien verändert.

Auch im Rennen sind stets Garageband (Mac only) oder Adobe Audition. Beide sind jedoch Audio-Aufnahmeprogramme für Musik und das Schneiden sowie die Bearbeitung von Podcasts machen damit keinen Spaß. Dinge wie Kapitelmarken müssen um die Ecke gedacht werden.

Seit ein paar Jahren gibt es eine großartige Community, die auf Basis von „Reaper“ eine kostenlos verfügbare Podcast-DAW gezaubert hat. Das Projekt heisst „Ultraschall“ und ist wahrscheinlich das in der Podcast-Szene am freundlichsten begleitete Vorhaben. Ultraschall ist Open Source und für Windows und macOS zu haben.

Die DAW kann alles das, was oben beschrieben ist. Auch wenn die Entwickler wirklich alles tun, Ultraschall mit jeder Version noch einfacher zu gestalten, so benötigt sie ein wenig Einarbeitungszeit. Unterstützt wird diese aber durch gute Videotutorials, die beim Start eines Podcasts Pflichtlektüre sind. Im Sendegate können alle möglichen Fragen zu Ultraschall losgelassen werden. Wahrscheinlich wurden sie aber bereits gestellt.

Alternativ und zur Vollständigkeit sind noch die DAW Hindenburg und Ardour zu nennen, die einige Anhänger im Podcastland haben.

Habt ihr mit einer DAW eine Podcastfolge produziert, dann geht sie in die Verbreitung.

Bonus: Auphonic ist ein Multitool für Eure Podcast-Dateien. Es ermöglicht nahezu alles, was das Podcastherz begehrt. Von automatischer Soundverbesserung bis zu automatischen Transkriptionen ist aktuell vieles möglich. Es ist bei vielen Podcasts standardmäßig im Einsatz, damit es mit dem guten Ton klappt. Auphonic kann zwar nicht zaubern, aber fast.

die Veröffentlichung des Podcasts

Noch mal kurz zur Theorie. Ein Podcast ist eine Audio-Datei, die per RSS-Feed ausgeliefert wird und somit nach Abonnement automatisch in den Podcatcher der Hörenden fliegt. Dazu braucht es irgendeine Art von Distributionskanal, der diese Technik RSS liefert. (So rein lobbymäßig gedacht haben Podcasts grundsätzlich den Anspruch, frei verfügbar zu sein und einen offenen Charakter. Sie sollten hinter keiner wie auch immer gestalteten Mauer stehen. Kanäle wie Spotify, Deezer oder Audible bieten dies nicht und kommerzialisieren fremde Podcasts zu ihren eigenen Gunsten. Daher ignoriere ich sie bei der Auflistung hier.)

Gemeinnützige Organisationen sollten stets die Kontrolle über ihre eigene Dateien haben. Daher die dringende Empfehlung, die Audiodateien auf einem eigenen Webspace zur Verfügung zu stellen. Angebote wie die Nutzung kostenloser Audioplattformen sind zwar einfach, verhindern jedoch eine Verbindung zu den eigenen Themen. Gleichzeitig ist die Erfolgsmessung der Podcasts nicht selbst steuerbar. Manchmal erhält man auch gar keine Infos darüber. Sehr viele Podcasts werden daher über eine eigene kleine WordPress-Installation veröffentlicht.

Um die Veröffentlichung zu vereinfachen gibt es ebenfalls nette Helferlein, die aus der Podcast-Community heraus entstanden sind. Podlove ermöglicht die Distrubution der Audio-Files über WordPress. Gleichzeitig gibt es einen sehr schönen Web-Player für die eigene Seite. Dieser kann Kapitelmarken, Cover und nahezu alles verarbeiten, was Podcast Hörende so haben wollen. Hinzu kommt eine gute Auswertung und Statistik zur Überprüfung, ob der Podcast wirklich gehört wird.

Wer es ein wenig technischer mag, darf sich auch am firtz versuchen.

Zu jeder Podcast-Folge gehören neben einem schönen Titel pro Folge auch das Cover und die Shownotes. Unter Shownotes versteht man den Bereich, in dem weitergehende Informationen zur Folge erscheinen. Dies können Links sein, über die in der Folge gesprochen wurde. Oder der Link zur Online-Spende. Oder was gut dorthin passt.

Benötigte Zeit

Auch wenn das alles zu Beginn recht komplex klingt, nach ein wenig Übung und spätestens nach der 10. Folge ist der Ablauf drin. Nehmt euch gerade zu Beginn für die Nachproduktion mehr Zeit als für die eigentliche Aufnahme. Später läuft es dann flüssiger.

Mit dem Podcast gefunden werden

Jetzt muss noch die Welt da draußen vom neuen Podcast erfahren. Dies geschieht natürlich zunächst über eure klassischen Kanäle, die ihr als gemeinnützige Organisation eh nutzt. Allerdings kommt noch eine wichtige Sache hinzu: Der neue Podcast will gelistet sein. Und das am besten dort, wo alle anderen auch schon sind. Das größte Podcast-Verzeichnis ist das von Apple.

Registriert dort euren Podcast, egal ob ihr selbst eher im Android-Universum unterwegs seid oder nicht. Viele Podcatcher bedienen sich genau dort. Sollte es bei der Registrierung Schwierigkeiten geben -> Sendegate.

Auch mehr als einen Blick wert ist die deutschsprachige Podcast-Suchmaschine Fyyd. Besonders erwähnenswert ist die Möglichkeit, eigene Kurationen und Sammlungen anzulegen.

Zugabe: Podcatcher

Viele Menschen hören Podcasts über den Webplayer auf der Podcast-Website. Eigentlich spielen Podcasts ihre eigentliche Stärke unterwegs aus. Sie können auf das Smartphone heruntergeladen oder gestreamt werden.

Dafür bedarf es „Podcatcher“. Das sind kleine Apps für Smartphone und Tablets. Es gibt sehr viele. Alle aber können mindestens Podcasts abonnieren, sie (automatisch) herunterladen und abspielen. Ob dafür eher mehr Funktionen notwendig sind – zum Beispiel schnelleres Abspielen von Folgen – oder nicht, das ist jeder Person selber überlassen.

Alle modernen Smartphones haben bereits mindestens eine einfache Podcast App eingebaut. Weitere gibt es in den kostenlos oder gegen Gebühren in den Stores. Exemplarisch sind da folgende zu nennen:

Overcast, PocketCast, Antennapod, Castro, Podcat

Fazit: Podcast Technik und Produktion

  • Machen! Das ist nämlicher krasser als wollen. Und dann sehen, ob es was für euch ist.
  • Lernen und besser machen. Intros und Jingles können als „Work in Progress“ später hinzukommen.
  • Niemandem trauen der sagt, das geht alles mal eben. Und eigene Erfahrungen machen.
  • Selber Podcasts hören und Anregungen holen.

Da draußen gibt es viel zu wenige Podcasts von gemeinnützigen Organisationen. In Folge 3 dieser kleinen Reihe schauen wir, wo noch Lücken sind und nennen die größten bekannten und kleinen Nischenpodcasts. Und euer neuer Podcast kommt dann gerne hinzu.

Viel Erfolg und viel Spaß!

 

Fotos: Maik Meid

Maik Meid
Ruhrgebietskind. Jg. 1976, lebt in Hattingen, freiberuflicher Fundraising-Manager (FA). Seit >20 Jahren für Nonprofits tätig. Unterstützer für Fundraising und digitale Kommunikation und Fotograf. Studienleiter an der Fundraising Akademie. Begleitet Nonprofits durch den digitalen Dschungel. Macht das Fundraising Radio.

Übrigens: Das Sendegate ist die Community für Podcaster im deutschsprachigen Bereich.

Hier gibt es zu nahe jedem Thema lebhafte, aber stets freundliche Diskussionen und Austausch zu genau den Themen, um die es hier auch im Artikel geht.