In meiner dreiteiligen Blogartikelserie möchte ich Ihnen den Fundraisingbereich genauer vorstellen, der das größte Volumen und einen hervorragenden Return on Invest (ROI) bietet, aber leider immer noch von Vielen unterschätzt wird. Im ersten Teil geht es um die Vorteile der Fördermittelakquise gegenüber den anderen Fundraisingbereiche und ich nehme Sie mit zu einem Überflug über den Fördermittelmarkt. Im zweiten Teil nehmen wir gemeinsam die Beziehungs- und Kommunikationsebene zwischen Förderer und Träger genauer unter die Lupe um mit diesem Wissen attraktive Angebote machen zu können. Im dritten Teil geht es abschließend um den Prozess der Fördermittelakquise um die Hardfacts rund um die Förderung.

Spenden, Sponsoring und Fördermittel im Vergleich

Wenn Sie Fundraisingmittel einwerben möchten, können Sie in drei verschiedenen Bereichen auf die Pirsch nach Finanzierungsmöglichkeiten gehen:

  • Zum einem haben wir den Bereich der privaten Spenden. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass sich die Spenden von Privatpersonen jährlich auf ein Volumen von 6,3 Mrd. Euro summieren (Daten für 2016). Der Deutsche Fundraising Verband schätzt das Spendenvolumen auf 12 Mrd. Euro.
  • Nach einer Statistik der Bertelsmann Stiftung und des Stifterverbands summieren sich die jährlichen Unternehmensspenden auf 9,5 Mrd. Euro. Dazu kommen noch etwa 4 Mrd. Euro in Form von Sponsorings, insbesondere für den Sport und die Kultur (Daten für 2016 von Statista).
  • Das größte Volumen im Fundraising hat allerdings der Bereich der privaten und öffentlichen Fördermittel. Hier werden jährlich etwa 40 bis 55 Mrd. Euro für gemeinnützige Themen zur Verfügung gestellt.

Der Fördermarkt in Deutschland bietet Zehntausende von Finanzierungsoptionen

Die unzähligen und vielfältigen Zuschussmöglichkeiten für Social-Profit-Organisationen sind zuerst kaum zu überblicken. Deutschlandweit gibt es wohl mehrere Zehntausend Fördermöglichkeiten:

  • Über 23.000 Stiftungen bürgerlichen Rechts gab es im Jahr 2018 laut Bundesverband Deutscher Stiftungen, 80 Prozent davon fördern.
  • Die sogenannten freiwilligen Leistungen als Fördermittel der öffentlichen Hand haben einen Anteil von etwa 10 Prozent an den öffentlichen Haushalten. In der Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie finden sich im Schnitt etwa 1.600 Förderprogramme und Finanzhilfen des Bundes, der Länder und der EU.
  • Jährlich werden etwa 3 Mrd. Euro aus Glücksspieleinnahmen zur Förderung von gemeinnützigen Maßnahmen und Aktivitäten in Deutschland eingesetzt.

Angesichts dieser Größenordnungen ist es sehr erstaunlich, dass Fördermittel von einigen Fundraiser/-innen immer noch links liegen gelassen werden, oder sogar behauptet wird, dass Fördermittel überhaupt nicht zum Fundraising gehören.

Auch in der klassischen Ausbildung der Fundraising-Akademie kommt der Finanzierungsbereich, der doppelt so groß ist, wie Spenden und Sponsoring zusammen, nur ganz am Rande vor. Eine Tatsache über die sich Teilnehmende immer wieder beschweren.

Fördermittel-Fundraising hat mit den höchsten Return on Investment (ROI)

Erfahrene Fundraisingverantwortliche wissen aber genau, warum Sie auf das Fördermittel-Fundraising setzen:

  • Der Aufwand ist im Vergleich zur klassischen Spendengewinnung deutlich niedriger. Beim Verhältnis Aufwand/Ertrag, kann man bei einer Vollkostenbetrachtung für jeden investierten Euro Erträge von 10 bis zu 20 Euro erwirtschaften.
  • Der Wettbewerb ist häufig noch nicht so hoch, wie im Feld der Privat- und Unternehmensspenden.
  • Das Fördermittel-Fundraising lässt sich gut in Kampagnen für Großspenden einbinden.
  • Fördermittelgeber die man durch eine hohe Qualität seiner Arbeit überzeugt, sind nicht selten zu langfristigen Beziehungen bereit. Gerade in der aktuellen Corona-Situation haben viele Förderer Ihre Partner schnell und großzügig mit weiteren Mitteln unterstützt und in einzelnen Fällen sogar vor der Insolvenz gerettet.

Überflug über den Fördermittelmarkt

Welche staatlichen und privaten Institutionen vergeben Fördermittel? Folgende Grafik gibt einen ersten Überblick:

Freiwillige Zuwendungen der öffentlichen Hand

Ich erzähle Ihnen sicher nichts Neues: Die Zeiten der problemlosen öffentlichen Regelförderung sind schon länger vorbei. Vielleicht haben Sie es noch selbst erlebt oder haben es sich von den »alten Hasen« aus Ihrem Fachbereich erzählen lassen, dass es in früheren Jahrzehnten möglich war, angesichts voller öffentlicher Haushaltskassen eine Vielzahl von sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen aufzubauen, ohne sich groß Gedanken um die Finanzierung zu machen. Leider können Sie sicher sein, dass diese Zeiten nie wiederkommen werden.

Dennoch sind Förderprogramme ein wichtiges Instrument der Politik und werden daher auch in Zukunft eine große Rolle spielen. In Zeiten der Haushaltskonsolidierung werden die freiwilligen Leistungen der öffentlichen Hand aber verstärkt auf den Prüfstand gehoben. Bei neuen Projekten wird man heute mit Hinweis auf die fehlenden Mittel erst einmal kategorisch abgewiesen. Wenn Sie aber die Entscheidungen in Ihrem Gemeinde- oder Stadtrat kontinuierlich verfolgen, werden Sie feststellen, dass es dem ein oder anderen Träger dank geschickter Öffentlichkeitsarbeit auch unter diesen Umständen gelingt, neue Zuschüsse zu erhalten.

Einen großen Anteil an den öffentlichen Förderprogrammen hat die Europäische Union, die ihr Fördervolumen tendenziell ausbaut. Die öffentliche Hand ist und bleibt – gemessen am Umfang der verfügbaren Fördermittel – die mit Abstand wichtigste Finanzierungsquelle für gemeinnützige Organisationen in Deutschland. Ihre Fördermittel betragen in der Summe 35 bis 45 Mrd. Euro (Datengrundlage meiner Schätzung ist der Kieler Subventionsbericht und das Projekt Zivilgesellschaft in Zahlen (ZiviZ)). Öffentliche Fördermittel werden als Zuwendungen bezeichnet.

Förderstiftungen

Durch steuerliche Vorteile und das anwachsende Privatvermögen gibt es seit zwei Jahrzehnten einen Stiftungsboom in Deutschland. Millionenbeträge werden gestiftet und sollen gemeinnützige Aktivitäten unterstützen. Damit herrschen zwar noch keine Verhältnisse wie in den USA, wo Bill Gates und Warren Buffet die größte private Förderstiftung der Welt mit einem Kapital im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich ausgestattet haben und Stiftungen die wichtigste Finanzierungsquelle für Social-Profit-Aktivitäten sind.

In Deutschland gibt es mehr als 23.000 Stiftungen bürgerlichen Rechts. Der Großteil von ihnen versteht sich als gemeinwohlorientierte Förderstiftung. Ihr Fördervolumen wird auf etwa 3 Mrd. Euro geschätzt. Der Stiftungsbereich ist allerdings teilweise von der anhaltenden Zinskrise am Finanzmarkt betroffen. Stiftungen, die ihr Vermögen in Unternehmensanteilen oder Immobilien angelegt haben, sind davon weniger beeinträchtigt.

Lotteriemittel

Aus den Glücksspieleinnahmen der staatlichen Lotterien sowie der sog. Soziallotterien wie Aktion Mensch und Glücksspirale werden jährlich 3 Mrd. Euro für gemeinnützige Aktivitäten zur Verfügung gestellt. Insbesondere bei Bauvorhaben sind und bleiben die Soziallotterien ein wichtiges Standbein der Finanzierung. Zudem sind neue Anbieter auf dem Markt erschienen, wie z. B. die Deutsche Postcode Lotterie, und eröffnen neue Förderthemen.

Sonstige Förderfonds

Daneben werden private Fördermittel aber auch durch Förderinstitutionen vergeben, die nicht als Stiftung organisiert sind, sondern als eingetragene Vereine oder Ähnliches. Jeder kennt die jährlichen Spendenaktionen von Tageszeitungen, Radio- oder Fernsehsendern in der Adventszeit. Ein Beispiel ist die Spendenaktion Ein Herz für Kinder, die jährlich zweistellige Millionenbeträge an Projekte für Kinder und Jugendliche auszahlt.

Auch Unternehmen schreiben feste Förderprogramme aus, um sich als verantwortliche Mitglieder der Gesellschaft zu positionieren. Nicht zuletzt bieten auch Verbände und Kirchen ihren Mitgliedern zahlreiche Förderprogramme.

Zwischenfazit Teil 1 der Blogserie

  • Das Volumen des Fördermittelmarktes übersteigt das Volumen im Bereich Spenden und Sponsoring um ein Vielfaches.
  • Nach der Schaffung der Strukturen und mit einiger Erfahrung lässt sich ein Return on Investment von 1:10 bis 1:20 erreichen.
  • Fördermittel sind daher für viele gemeinnützige Organisationen bereits heute ein wichtiger Baustein in ihrer Gesamtfinanzierung.
  • Der Staat ist der mit Abstand größte Förderer, gefolgt von Stiftungen, Lotterien und sonstigen Förderfonds.

So geht es weiter

Um im Fundraising erfolgreich zu sein, muss man gut kommunzieren könnten. Das gilt nicht nur für Spender, sondern natürlich auch für potenzielle Förderpartner wie Stiftungen, Lotterie, Förderfonds oder die öffentliche Hand. Damit ich die richtigen Argumente finde, muss ich mir das Gegenüber genauer ansehen und seine Rolle und Bedürfnisse genauer verstehen. Darum geht es im zweiten Teil unserer Blogserie.


Die Texte für die Blogartikelserie zum Fördermittel-Fundraising sind Auszüge aus meinem Handbuch zum Fördermittel-Fundraising: „In fünf Schritten zur Förderung Ihres gemeinnützigen Vorhabens“ welche im Mai 2020 in dritter Auflage erschienen ist. Bestellbar über den Buchhandel oder hier direkt beim Verlag.

Torsten Schmotz
Autor Torsten Schmotz

Torsten Schmotz verfügt über viele Jahre Erfahrung in den Bereichen Fördermittelgewinnung, Fundraising, Business Development und Projektmanagement. Als Förderlotse berät er bundesweit gemeinnützige Organisationen und Vereine bei der Recherche, Beantragung und Umsetzung von Förderprojekten.

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