Warum ihr das nicht zu Ende lest, aber weiterempfehlt.

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ehnicht
Abwandlung des Piraten-Plakats „Ihr geht ja eh nicht wählen“. Aber man schreibt ja trotzdem…

Ich mach es kurz. Dieser Beitrag ist interessant für euch. Trotzdem werdet ihr ihn statistisch gesehen nicht komplett lesen. Aber vielleicht teilt ihr ihn ja trotzdem via Facebook und Twitter?

Jetzt noch ein kurzer Blick auf das Bild und die Bildunterschrift und dann ist ein Großteil der Leser auch schon verschwunden. Wenn man sich Webseiten-Statistiken anschaut, kann das schon deprimierend sein. Für euch lohnt sich das Weiterlesen aber. Ich verspreche, dass das Wort Schokolade weiter unten auch noch vorkommt.

Normalerweise schauen wir nur in die Statistik um zu sehen, wie viele Menschen welchen Beitrag gelesen haben. Ich hoffe an dieser Stelle, dass all eure Seiten vernünftige Statistiken haben. Ohne Analyse ist jeder Beitrag einer NGO herausgeschmissene Zeit!

Stimmt die Aufrufzahl sind wir zufrieden. Bei sozialmarketing.de sind das zur Zeit 5.000 Besuche von etwa 3.800 Einzelpersonen im Monat. Das hört sich gut an und macht uns stolz. Das bedeutet nur leider noch nicht, dass unsere Texte auch alle gelesen werden.

Im Durchschnitt dauert ein Besuch hier 2:41 Minuten. Das ist okay, in der Zeit kann man einen Artikel gut lesen. Und die Verbreitung auf Facebook und Twitter gibt uns auch recht, die meisten Artikel finden eine einem  Fachblog angemessene Verbreitung.

Aber, das Wörtchen Durchschnitt sorgt hier für ein Problem. 60% der Besucher bleiben nicht mal 10 Sekunden auf der Seite oder besuchen nur diese eine Seite. Das ist hart, bleibt in 10 Sekunden doch gerade mal Zeit für die Überschrift und einen Teaser oder eine Bildunterschrift. Zum Glück ist das auch bei allen anderen Seiten ähnlich. Wenn ihr das hier also noch lest, seid ihr was Besonderes, was ihr als Leser von sozialmarketing.de natürlich eh seid!

60% der Besucher bleiben keine 10 Sekunden lang auf der Seite.
60% der Besucher bleiben keine 10 Sekunden lang auf der Seite oder besuchen nur diese eine Seite.

Ich könnte jetzt weinend einen Großteil der Leser verloren geben. Die gute Nachricht ist, dass auch ohne den Text zu lesen etwas beim Besucher hängen bleibt. So viel, dass einige den Text sogar schon kommentieren oder mit ihren Freunden auf Facebook und Twitter teilen, ohne den Text komplett gelesen zu haben. Wir nehmen an, dass wir durch Überschrift und die ersten Sätze die Botschaft schon verstanden haben und entscheiden danach, wie wir weiter machen. Blöd nur, wenn weiter unten tatsächlich noch etwas wichtiges steht, aber das kommt zum Glück selten vor.

Ich verspreche euch, es kommt nichts mehr schlimmes. Also bitte teilt diesen Artikel jetzt auf Facebook und Twitter! Ach, ihr lest ja schon gar nicht mehr.

Nur 65% der Besucher scrollen überhaupt.
Nur 65% der Besucher scrollen überhaupt.

slate.com hat die Analyse mit Hilfe von Chartbeat mal etwas verfeinert und in einem schönen Artikel zusammen gefasst. Hier ist die Analyse nicht auf die Zeit bezogen die jemand auf der Seite verbringt, sondern es wird geschaut wie weit Besucher scrollen.

Was als Autor etwas deprimierend sein kann, ist als Leser vollkommen nachvollziehbar. Gerade wenn man von einer Suchmaschine oder aus einem sozialen Netzwerk kommt, ist vorher nicht klar ob der ganze Artikel relevant für einen ist. Also schließt man das Fenster gleich wieder und schaut sich den nächsten Beitrag an. Und auch beim Teilen wird der Text häufig nur überflogen.

Oft teilen wir Artikel nicht, weil wir den ganzen Artikel empfehlen, sondern weil wir die Grundaussage teilen. Wenn also mal wieder eine Studie belegt, dass Schokolade produktiver macht (eine britische Studie natürlich), genügt mir die Zusammenfassung um die Studie an euch alle zu senden und zu sagen: Ich hab es schon immer gewusst. So. Wer jetzt was von Schokolade gelesen hat, sollte auf jeden Fall ein Kommentar hinterlassen!

Für NGOs und Andere, die ihre Botschaft verbreiten wollen bedeutet das, dass wir unsere Texte ein bisschen anpassen müssen. Wenn es einen Download, einen Spendenaufruf oder eine Mitmachaktion gibt, sollten wir die nicht erst am Ende des Textes einfügen, sondern vielleicht schon mal nach dem Teaser am Anfang. Mit einem schönen Button gerne auch zweimal.

Das bedeutet aber nicht, dass lange Texte schlecht sind! Lange Texte müssen nur gut strukturiert sein, so dass es möglich wird querzulesen und bei Bedarf sich mit einzelnen Absätzen näher zu beschäftigen. Jetzt hab ich euch aber genug genervt. Ihr dürft das Fenster jetzt schließen.

 

PS: Ich hoffe ihr habt alle durchgelesen. Ich habe 2:15 Minuten gebraucht und ich werde das mal in der Statistik nachschauen!

 

 

12 KOMMENTARE

  1. ich hab den beitrag im feedreader gelesen. wird das eigentlich auch erfasst, von google? eher nein. denn analytics bekommt ja erst etwas von mir mit, wenn ich hier auf die site klicke und einen kommentar verfasse. also drücke ich den durchschnittswert, weil ich keine 20 sekunden hier bin. was natürlich schade ist, weil ich den eindruck, ein überschriftenjunkie zu sein, gar nicht erst erwecken möchte.
    jaja, die statistik …

  2. Warum setzt ihr keinen Tracker ein, der erst gefeuert wird wenn man den letzten Abschnitt in den sichtbaren Bereich scrollt und auch min 120sec auf der Seite war. Das wäre im Sinne der Datensparsamkeit sogar Ok, oder? Technisch ist das doch keine Herausforderung.

    • Keine Zeit, muss Blogs lesen. Kann man machen, dann würde ich gleich ein Tool wie Chartbeat einsetzen. In unserem Fall, also für einen Hobbyblog wäre das mit Spatzen auf Kanonen geschossen. Hier reicht mir die normale Info, der verbrachten Zeit um abschätzen zu können, wie viel „echte“ Leser es gibt. Aber hier muss ich es ja auch nicht ganz genau wissen. Beste Grüße Jona

  3. Diejenigen, die sehr lange bleiben, müsste man eigentlich auch rausstreichen. Oft klicke ich Links auf Facebook oder Twitter an, sehe, dass der Text länger ist und denke mir: „Den lese ich später.“ Manchmal tue ich das auch, an anderen Tagen schließe ich irgendwann alle Tabs, ohne die Artikel gelesen zu haben. Vermutlich ist die Scrollstatistik aussagekräftiger.

  4. Schöner Beitrag. Ja, das Wichtigste sollte oben stehen. Ist wie bei Schreiben von Behörden: erst steht was entschieden wurde, danach kommt die ausführliche Begründung.

    So, und wo ist jetzt meine Schokolade?

  5. Ich befürchte tatsächlich, dass es irgendwann zum Umdenken bei den Artikelschreibern kommen wird. Wenn der Durchschnittsleser eh nur die Überschrift und maximal 2,35 Absätze (Zahl aus der Luft gegriffen!) liest, dann kann man ja auch gleich das ganze Design anpassen.

    GROSSE ÜBERSCHRIFT (am Besten reißerisch)
    GROSSES BILD
    wenig text mit wenig aussage

    Ich hoffe also, dass uns Blogs wie dieser hier, die auch gerne mal über Schokolade berichten 😛 erhalten bleiben, in denen man einen guten alten ausführlichen Artikel lesen kann.

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