Die NPO-Website – 10 Fehler die wir alle machen

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Das gemeinnützige Organisationen sich auch im Internet darstellen, hat sich mittlerweile durchgesetzt. Aber noch immer ähneln viele NPO-Websites einer Verlängerung der gedruckten Image-Broschüre im Internet.

Auch im Jahr 2013 machen wir alle, viele unnötige Fehler immer noch. Meist aus guten Gründen, wie Zeitmangel und organisationsinternen Gegebenheiten, seltener auch weil wir es nicht besser wissen.

Hier möchte ich kurz 10 Fehler, die wir alle machen aufzeigen. Die Auflistung ist natürlich nicht komplett und nicht jede Organisation macht alle Fehler.

Ich würde mich freuen, wenn Sie in den Kommentaren weitere Fehler hinzufügen oder von Ihren Erfahrungen berichten!

1. Von der Organisation aus denken

Wir versetzen uns nicht in die Besucher unserer Homepage. Viel zu oft planen wir die Homepage aus Sicht der Organisation. Wir fragen uns, welche Informationen wir haben, was uns interessiert und was wir anbieten wollen. Leider sind das nicht immer die Inhalte, an denen die Zielgruppe die wir ansprechen wollen ein gesteigertes Interesse hat.

Wir müssen uns fragen, warum der Besucher auf unsere Seite kommen soll. Welche Interessen könnte er haben? In der Regel erwartet der Besucher Hilfe bzw. Antworten auf eine Frage. Die häufig veröffentlichten Verbandspositionen und Veranstaltungsberichte gehören da nicht immer dazu.

2. Mit regelmäßigen Besuchern rechnen

Sie sind regelmäßig auf Ihrer Website, Ihr Chef ist regelmäßig auf ihrer Website und all Ihre Kollegen sind regelmäßig dort. Aber: Ein Großteil der Besucher war nicht letzte Woche schon hier!

Für den Besucher bedeutet jeder Besuch einer Website einen Aufwand und er braucht Gründe diesen Aufwand zu betreiben. Er oder sie kommt erst auf die Homepage, wenn er eine Frage oder ein Informationsbedürfnis hat, dass er gestillt bekommen möchte. Dann geht es in der Regel zur Suchmaschine der Wahl und mit etwas Glück zu Ihrer Website.

Das ist kein alltäglicher Schritt. Bis das nächste Mal ein Besuch ansteht, können Wochen und Monate vergehen. Viele Besucher kommen gar kein zweites Mal oder haben beim nächsten Mal vergessen, dass sie schon einmal hier waren.

Deshalb müssen wir unsere Website so gestalten, dass neue Besucher sich zurecht finden. Das bedeutet auch, dass wir langweilige Basisinformationen und wichtige Projekte die für uns nichts Neues sind länger auf der Startseite halten müssen.

Auf der anderen Seite müssen wir uns Gedanken machen, wie wir Besucher dazu bekommen wieder zu kehren. Durch Newsletter , RSS und soziale Medien kann aus einem einmaligen Besuch eine längerfristige Beziehung entstehen. Dort können Sie mitteilen wenn es etwas Neues gibt!

3. Nur die Startseite 
als Einstieg anbieten

Ein Empfangskomitee genügt nicht.
Ein Komitee genügt nicht. Jede Unterseite muss neue Besucher empfangen. Foto: Tom Alboth / jugendfotos.de

Wir gehen davon aus, dass alle neuen Besucher über die Startseite zu uns finden. In der Realität ist es anders herum. Wiederkehrende Besucher landen öfter auf der Startseite, weil sie die URL ihrer Website eintippen.

Neue Besucher kommen in der Regel über Suchmaschinen und Links zu uns. Die führen oft nicht auf die Startseite, sondern auf Unterseiten die wichtige Informationen bereitstellen.

Machen Sie also jede Seite so, dass ein Einstieg ohne Vorwissen möglich ist!

4. Keine Zeit für Analyse haben

Hier braucht man eigentlich nicht viel zu schreiben. Ohne Analyse ist jede (zeitliche) Investition in die Homepage herausgeschmissene/s Geld/Zeit!

Wir müssen schauen, wofür sich die Mühe lohnt, welche Seiten häufig besucht werden und wie wir Besucher z.B. auf unsere Fundraising-Seite lenken.

Das soll nicht heißen, dass wir nur Inhalte ins Netz stellen, die super laufen und von Tausenden angeklickt werden. Aber die Analyse hilft uns zu verstehen wer unsere Besucher sind, was sie wollen und ob sich die Energie lohnt, die wir in einzelne Seiten und Texte stecken.

5. Fehlende Handlungsaufforderung

Sie wollen etwas von Ihren Besuchern!
 Sonst hätten Sie gar keine Homepage.

Und sei es nur, dass er oder sie sich wohlwollend über Ihre Organisation und deren Themen informiert. Letzten Endes wollen Sie das Verhalten der Besucher beeinflussen. Und hierfür gibt es einen einfachen Trick: Sagen Sie dem Besucher was er tun soll! Keine passiven Formulierungen wie „Spendenbereich“ oder „Ehrenamtliches Engagement“ sondern „Jetzt mitmachen!“ und „Helfen Sie uns Ziel X, Y zu verwirklichen!“.

Wenn Sie sich nicht klar machen, was sie von Ihren Besuchern wollen, können Sie auch keinen Erfolg messen.

6. Keine Interaktionsmöglichkeiten

Wir alle kommen aus sozialen Organisationen. 
Kontakt ist unser täglich Brot. Warum also sind so viele Webseiten so Kontaktscheu? Niemand möchte eine E-Mail an info@meineorganisation.de schreiben. Alleine die Auswahl der richtigen Ansprache überfordert hier schon. Zudem gehen Besucher (oft zurecht) davon aus, dass von einer info@ Adresse keine zügige, kompetente Antwort zu erwarten ist.

Menschen wollen mit Menschen in Kontakt treten. Auf einer Homepage geht das häufig nur über Formulare, aber wir könne klar machen, welche Personen und Aktionen hinter dem Formular stecken.

Jedes „Formular“ ist Kontaktpflege und damit Fundraising. Jedes. Nicht nur das Spendenformular!

7. Nicht für‘s Web schreiben

Oft schreiben wir gar nicht für das Internet. Viele Beiträge auf der Website sind aus Pressemitteilungen oder anderen Veröffentlichungen entnommen. Auf der Homepage können wir aber persönlicher sein, während wir in einer Pressemitteilung abstrakt über uns in der dritten Form schreiben.

Nutzen Sie die Möglichkeiten die Ihnen eine Website bietet!

Achten Sie auf Ansprache und Tonalität. Besucher kann man auch direkt ansprechen.
Verwenden Sie Textformatierungen. Absätze, Aufzählungen und Zwischenüberschriften können Wunder bewirken.

Und vielleicht am wichtigsten. Verwenden Sie Bilder, Videos und Infografiken. Diese können vom Besucher in einem Bruchteil einer Sekunde wahrgenommen werden und darüber entscheiden ob der Text gelesen wird oder nicht.

Für das Internet schreiben heißt dabei nicht, dass alle Texte kurz sein müssen. Aber es muss möglich sein, nach wenigen Sätzen zu entscheiden, ob der Text interessant genug ist ihn bis zum Ende durchzulesen.

8. Falsches Verständnis des Endgerätes

Eine Seite kann auf unterschiedlichen Endgeräten gesehen werden.
Eine Seite, unterschiedliche Endgeräte.

Viel zu häufig rechnen wir damit, dass die Website so angesehen wird, wie wir das tun. An einem Computer, an einem Schreibtisch in einem Büro.

Die Geräte und Orte können aber vielfältig sein. Von einem kleinen Handybildschirm bis zu großen Fernsehmonitoren ist alles möglich.

Vielleicht wird Ihre Website gerade in der U-Bahn auf einem Smartphone angeschaut?

Das bedeutet für Technik und Layout einer Website eine ziemliche Herausforderung. Aber es ist mittlerweile nicht mehr notwendig für jedes Endgerät eine eigene Seite bereitzustellen. Mit Responsive Webdesign können Seiten erstellt werden, bei denen die unterschiedlichen Elemente einer Website je nach Bildschirmgröße woanders oder gar nicht erscheinen.

9. Fundraising wird als Besuch -> Spende
 missverstanden

Der Weg zur Spende ist nicht so einfach.
Der Weg zur Spende ist nicht so einfach.

Wir alle würden uns wünschen Fundraising wäre einfach. Jemand kommt auf unsere Website sieht einen Spendenbutton, klickt darauf und spendet. Leider ist das (fast) nie der Fall.

Fundraising ist Beziehungsaufbau. Auch online!

Vor einer Spenden stehen viele Interaktionen mit der Organisation. Fallen Sie nicht mit der Tür ins Haus.
 Fundraising ist wie Dating, manchmal lohnt es sich kleine Schritte zu gehen.

10. Nonprofits investieren nicht in online

Und last, but not least: Wir investieren sehr ungern. Viele Nonprofits scheuen sich vor Veränderung und wandeln sich erst, wenn es bereits zu spät ist. Für den Online-Bereich heißt das, dass wir eine immer größer werdende Kluft haben zwischen den wenigen, oft, aber nicht immer größeren Organisationen, die stark auf das Internet setzen und hier Kompetenzen aufbauen und den vielen Organisationen die ihre Website als nur einen weiteren Kanal zur Verbreitung der gleichen Inhalte verstehen.

Das Internet braucht Investitionen. Aber wie so oft, rechnet sich nicht jede Maßnahme direkt. Aus diesem Grund herrscht in vielen Organisationen die Stimmung: Erst einmal abwarten was daraus wird. Nur muss wer abwartet die Entwicklung auch wirklich fein beobachten.

 

Wie immer freue ich mich über Ihre Meinung! Welche Fehler fehlen und welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Organisation gesammelt?

 

PS: Lesen Sie auch die Artikel-Serie Anforderungen an eine NGO-Website von Jörg Eisfeld-Reschke hier auf sozialmarketing.de

7 KOMMENTARE

    • Hallo Herr Gras, vielen Dank für Ihre Rückmeldung. Bei der Frage der Finanzierung gibt es sicherlich viele Gegenbeweise. Was ich damit eigentlich ausdrücken wollte war die zunehmende Kluft zwischen den wenigen Organisationen die langfristig ihre Online-Aktivitäten planen und investieren (nicht nur finanziell) und den vielen bei denen Online nebenbei als Zweitkanal läuft.

      Dem CLEAR-„Prinzipien“ kann ich weitgehend zustimmen, wobei sie sich sehr auf Besucher der Seite selber beziehen. Viele Besucher kommen mit einer klaren Frage von den Suchmaschinen und wollen diese beantwortet haben (entspricht ihrem Learn). Hier müssen wir vor allem auch auf Mehrwert achten.

      Mit besten Grüßen
      Jona Hölderle

  1. Interessante Ansichten und gut beschrieben. Damit bekommt man auch Mut auf einem Blog anders zu schreiben. Nachdem ich vor einigen Jahren noch blogger.com genutzt hatte, als dort noch ftp Hosting möglich war, war unsere Seite besser besucht, dann wurde der Dienst eingestellt und die Zahlen schwanden… nun bin ich grade dabei in WordPress einen technischen Neuanfang zu wagen.

    Allerdings wäre es dann aber auch keine ordentliche technische Konvention, wenn auf dieser Seite die Bilder nicht anklickbar sind, um sie sich anzuschauen und sich hinter dem einen Bild die Landing Page des Nabus verbirgt. Erwartet man ja so auch nicht.

    • Danke für das Feedback und viel Erfolg mit dem neuen Blog.
      In diesem Fall finde ich direkt den Link zu der Beispielseite hilfreicher, als einen weiteren vergrößerten Screenshot. Aber zum Glück sieht man ja in den Browsern wohin einen ein Klick bringt. Beste Grüße
      Jona

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