Soll ich Fundraiser/in werden?

In Teil eins unserer kleinen Reihe dreht sich alles um die entscheidenden Fragen, die sich jede Person stellen sollte, wenn es beruflich ins Fundraising gehen oder sich eine vorhandene Position ändern soll. Der Fundraisingmarkt bietet eine Vielzahl an unterschiedlichen Tätigkeiten und jetzt hat ihre eigenen Besonderheiten.

Grundsätzlich stellt sich die Frage nach einer einschlägigen Ausbildung. Komme ich aus einem fremden oder nur weitgehend branchennahen Bereich, so bieten sich unterschiedliche Ausbildungen an. Vorteil einer solchen Ausbildung ist, dass man zum Abschluss eben nicht nur über Fachspezifika verfügt, sondern in den meisten Fällen auch Teil eines Netzwerks werden kann.
Jörg und Patrick haben sich in der vergangenen Zeit intensiv mit Ausbildungsgängen in Deutschland beschäftigt und eine Auflistung von Fundraising-Ausbildungen veröffentlicht. Auf diese Studie weise ich gerne noch mal besonders hin. Bei dieser Auflistung wird klar, dass für jeden etwas dabei ist und sowohl unterschiedliche akademische Niveaus und Geldbeutel angesprochen werden.

Eine einschlägige Fachausbildung erleichtert den Einstieg in den Beruf sehr. Die meisten Organisationen verlangen entsprechende Qualifikationen in ihren Stellenausschreibungen. Langjährige Tätigkeiten in gemeinnützigen Organisationen können eine fehlende einschlägige Ausbildung aus Sicht einiger Personalentscheider jedoch kompensieren.

Fundraising ist Teamarbeit!
Fundraising ist Teamarbeit!

Was bin ich und wenn ja wie viele? Generalist oder Fachmensch?

Die meisten Organisationen können über keine eigenständige Fundraisingabteilung verfügen. Eingestellte Fundraiser sind in der Regel Generalisten. Als Einzelkämpfer stehen sie in der Regel zwischen den Stühlen. Größere Organisationen, die über Abteilungen verfügen, haben meist detailliertere Aufgabenverteilungen vorgenommen. So kann es Fachleute für Direct Mail, Face to Face, Events, Online und Erbschaften geben. Freie Stellen und Stellenausschreibungen gibt es für alle Tätigkeitsfelder. Tauge ich als Chef? Will ich oder kann ich Personalverantwortung übernehmen? Wie sehen dies bisherige Kolleginnen und Kollegen? Bin ich Teamplayer oder Einzelkämpfer? Kann ich eigenständig Projekte leiten und würde dies von mir verlangt?

Aus welchem beruflichen Kontext komme ich? Ideal wäre natürlich, die bislang erworbenen Kompetenzen optimal im Fundraising einsetzen zu können. (Kaufmännische oder juristische Vergangenheit, gestalterischer Hintergrund oder Tätigkeit im pädagogischen/sozialarbeiterischen Bereich, …) Passt vielleicht da auch eine freiberufliche Beratertätigkeit? Dies sollte aber gut abgewogen sein. Fundraiser Christoph Müllerleile verfasste dazu sehr passende Zeilen in einem SAZ Fundraising Info.

Gibt es Ausschlusskriterien?

Gibt es Dinge, die ich nicht tun möchte oder Organisationen, bei denen ich nicht arbeiten will oder kann? Liegt mir der Naturschutz wirklich? Kann ich mich authentisch für Menschen mit Behinderungen einsetzen? Bin ich die richtige Person für Kriegsgräberfürsorge?Kirchliche Arbeitgeber verlangen für eine Anstellung eine Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche. Trifft das auf mich zu? Stimmen die Arbeitszeiten? Wie viel Wochenendarbeit wird verlangt? Kann ich das mit meinem Privatleben vereinbaren? Stimmt die Vergütung?

Flexibilität contra Gebundenheit

Bin ich flexibel oder regional gebunden? Besteht die Möglichkeit, bei einem neuen Arbeitgeber auch großzügig von zu Hause aus zu arbeiten? Welche Präsenzphasen werden verlangt und sind notwendig? Möchte oder muss ich Vollzeit arbeiten? Wie stehe ich zu einer Befristung? Stellen, die von vorne herein auf ein oder zwei Jahre befristet sind, machen zunächst aus Fundraisingaspekten kaum Sinn. Fundraising ist langfristig und nachhaltig angelegt. Sollte eine Fundraisingstelle eingerichtet werden, so vergehen mindestens (!) zwei Jahre für den ersten Aufbau. Erfolge werden naturgemäß in dieser Zeit sehr rar sein. Man benötigt ein Jahr, um sich umzuschauen und erste Weichen zu stellen und nach einem weiteren halben Jahr darf man sich bereits mit einer möglichen Neubewerbung oder der Planung der Fortführung der Stelle beschäftigen. Keine sinnvolle Lösung!
Soll es eine reine Fundraisingstelle sein oder darf/soll/muss sie auch andere Anteile haben? (zum Beispiel in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, als Assistenz der Geschäftsführung, …)
Liegt mir eine große Organisation mit höheren Hierarchien oder möchte ich lieber in einer kleineren Organisation mit vielleicht eher flachen Hierarchien arbeiten? Ist vielleicht auch eine Agentur etwas für mich?

Wo geht die Zukunft im Fundraising hin? Welche Tätigkeiten unterstützen möglicherweise die Weiterentwicklung und setzen auf Zukunftsthemen? Wie onlineaffin bin ich?

Hat man für sich diese und natürlich weitere persönliche Fragen geklärt, dann ist schon eine Menge geschehen. Und wo finde ich jetzt den passenden Fundraising Job? Einfach in unserer Stellenbörse schauen in der wir auch weitere Recherchemöglichkeiten auflisten.

Maik Meid
Ruhrgebietskind Jg. 1976, lebt in Hattingen, freiberuflicher Fundraising-Manager (FA). Seit >20 Jahren für Nonprofits tätig. Unterstützer und Lehrbeauftragter für Fundraising und digitale Kommunikation. Begleitet (auch) gemeinnützige Organisationen im Fundraising und durch den digitalen Dschungel.