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Interview: Katja Wiese von Naturefund

Katja Wiese hat zunächst beim WWF im Fundraisingbereich gearbeitet. 2003 gründete Katja ihre eigene Naturschutzorganisation Naturefund und kauft seitdem mithilfe ihrer Unterstützenden Land für die Natur.

Fundraising bedeutet, Geduld zu haben und Schritt für Schritt zu gehen. (Foto: Sylvie Tricot)
Katja Wiese: Fundraising bedeutet, Geduld zu haben und Schritt für Schritt zu gehen. (Foto: Sylvie Tricot)

Katja, wie bist Du ins Fundraising gekommen?

Irgendwie war das bei mir schon immer so: Wenn ich Ideen und Projekte gut fand, habe ich Andere motiviert, mitzumachen, sei es nun tatkräftig mit den eigenen Händen oder mit einer finanziellen Unterstützung. Diese Momente, wo wir dann etwas zusammen verwirklicht haben, zum Beispiel zusammen Bäume gepflanzt oder genug Geld für ein Naturschutzgebiet gesammelt haben, machten mir riesig viel Spaß. Da war der Weg nicht weit, dies auch professionell zu machen. Zuerst habe ich beim WWF im Fundraising gearbeitet und dort viel gelernt. Seit 2003 mache ich dies für Naturefund, meinem Kindheitstraum. Ich wollte immer schon Land für die Natur kaufen. Jetzt sammele ich Geld und Unterstützung und tue genau das: Schutzräume für die Natur schaffen – mit Anderen zusammen.

Was war Dein größter Fundraisingerfolg und warum war er erfolgreich?

Mein größter Fundraisingerfolg war und ist, dass die Idee von Naturefund funktioniert. Wir kaufen Land für die Natur und sobald wir sie gekauft haben, lassen wir die Natur dort in Ruhe. Wir schaffen sozusagen Schutzräume, in denen die Natur machen kann, was sie will. Immer wieder ist es für mich atemberaubend, wie schnell sich in diesen Schutzgebieten die natürliche Vielfalt wieder herstellt und ausbreitet. Da wir immer ständig neue Projekte haben, die wir kaufen und schützen, ist dies ein immer wieder kehrender Erfolg für mich.

Das ist der eine Erfolg. Der zweite Erfolg ist für mich, dass unsere Grundidee, Projekte transparent darzustellen und jedem Spender, jeder Spenderin die Möglichkeit zu geben, sich schon mit kleinen Beträgen an Schutzprojekten zu beteiligen, aufgeht. Wir haben eine Projektkarte im Internet, auf der alle tagesaktuell sehen können, wie viel Land bereits geschützt oder wie viele Bäume schon gepflanzt wurden. Ich schaue jeden Tag nach und das machen viele. Jeder neue Quadratmeter, den wir für die Natur kaufen, und jeder neue Baum, den wir pflanzen können, sind ein Erfolg für mich.

Aus welchem Misserfolg hast Du am meisten gelernt?

Misserfolg ist für mich eher in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Naturefund ist gestartet nur aus einer Idee heraus, ohne Geld, ohne Promis, ohne einen großen Sponsor im Hintergrund. Wir haben also kein großes Marketingbudget und auch kein großes Team, das uns dabei hilft, bekannt zu werden. Daher sind wir trotz der tollen Idee und unserer Erfolge noch nicht so bekannt. Was ich daraus am meisten lerne ist, Geduld zu haben und dran zu bleiben. Wir müssen eben Schritt für Schritt gehen. Vielleicht ist das auch gut, denke ich manchmal, so wachsen wir wirklich von innen heraus und aus eigener Kraft. Manchmal wünsche ich mir natürlich auch, dass es schneller geht. Wir haben so viele tolle Projekte, wenn wir die besser unterstützen könnten, wäre das wunderbar. Doch ich erkenne … es geht immer Schritt für Schritt.

Was würdest Du Fundraising-Einsteigern empfehlen?

Hmm, das ist gar nicht so leicht. Ich glaube, Begeisterung für eine Sache ist sehr wichtig und ebenso, authentisch zu bleiben. Schließlich möchte man jemanden für eine Idee oder für ein Projekt begeistern und zum Mitmachen motivieren. Wenn man von der Sache selbst nicht überzeugt und begeistert ist, kommt das rüber. Auch sollten Absagen nicht persönlich genommen werden. Manchmal klappt es und manchmal eben nicht. Eine gute Frage ist immer, was kann ich daraus lernen. Manches  kann ich beeinflussen, doch in vielen Fällen auch nicht. Auch da hilft es, von der Aufgabe und dem Projekt selbst überzeugt zu sein.

Katrin Kiefer
Autor Katrin Kiefer

Katrin Kiefer ist Kommunikationsberaterin für Corporate Communications, Social Media sowie Online-Fundraising und auf die Zusammenarbeit mit Nonprofit-Organisationen spezialisiert. Zudem teilt die studierte Medienmanagerin ihre Erfahrungen als Referentin und Lehrbeauftragte.

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