Interview: Gerhard Wallmeyer

“Wie kann ich ein Inhalt so darstellen, das er die Menschen erreicht und überzeugt.” Mit dieser Motivation hat Gerhard Wallmeyer über 35 Jahre das Fundraising von Greenpeace Deutschland aufgebaut und geprägt. Seine großartigen Ideen und Erkenntnisse fanden weit über die Organisationsgrenzen hinaus Anklang und prägten die Entwicklung des Fundraising in Deutschland. Zum Ende seiner beruflichen Karriere bei Greenpeace sprachen wir mit Gerhard Wallmeyer über seine Erfahrungen und sagen: Thank you Wally!

Gerhard Wallmeyer
Gerhard Wallmeyer

Warum hast du dich für den Beruf Fundraiserin entschieden?

Ich habe ja die Gründungsphase von Greenpeace in Deutschland erlebt. Da hat jeder gerade das gemacht, was in dem Moment zu tun war. Später war ich dann zuständig für die Kampagnen zum Schutz der Robben und Wale. Und dabei habe ich gemerkt, dass wenn ich wirklich viele Menschen erreichen will, es am effektivsten ist, wenn ich die Informationen mit Fundraising verbinde. So refinanzieren sich die Informationskosten und es bleibt auch noch was für die eigentliche Kampagne übrig, für die ich ja dringend Geld brauchte. Und ein zweiter Aspekt hat mich dann richtig begeistert: Ich habe mir ja etwas ausgedacht, ein Flugblatt, eine Broschüre, ein Plakat oder was es auch gewesen sei. In dem Moment, wo ich das mit einem Fundraisingaufruf verbinde, erfahre ich innerhalb kurzer Zeit, wie gut diese Information überzeugt hat oder nicht, denn ich sehe es am Kontostand in den Tagen danach. Für mich war das ein enormer Ansporn besser zu werden und immer noch besser zu werden. Wie kann ich ein Inhalt so darstellen, das er die Menschen erreicht und überzeugt. Ich finde das einfach unglaublich spannend und das mich schließlich bewogen mich voll und ganz auf das Fundraising zu konzentrieren. Für mich ist jeder neu entwickelte Brief, jede neue Message wie ein kleines Lern-Abenteur.

Wie sah dein Werdegang aus?

Ich bin eigentlich Diplom-Pädadgoge für Erwachsenenbildung und war nach meinem Studium zunächst als Bildungsreferent in einem CVJM tätig. Im Nachhinein betrachtet waren das gute Lernjahre für das spätere Fundraising.

Wie sieht dein Alltag aus?

In den letzten Jahren waren das hauptsächlich Meetings, Videokonferenzen, Reisen zu Meetings, Papers verfassen, etc. Wenn man ein großes Team leitet, bleiben hauptsächlich die Planungs- und Personalführungsaufgaben an einem hängen. Es sind bei einer Projektentwicklung hauptsächlich die Abstimmungsarbeiten zwischen MitarbeiterInnen, Steuerberater, Betriebsrat, Geschäftsführung, Aufsichtsrat, anderen Niederlassungen, etc, welche die meiste Zeit in Anspruch nehmen.

Was ist das spannendste an deinem Job?

Wie oben schon angedeutet: Man hat eine Ahnung, eine Idee – daraus entwickelt man ein Projekt, macht Tests, es gibt Widerstände, man macht eine Evaluation, hat eine weiterführende Idee, wieder Tests, man hat erste gute Ergebnisse, die Zahlen überzeugen, Gremienentscheidungen herbeiführen, man fängt real mit was Neuem an, es tauchen neue Probleme auf, dafür werden neue Ideen gebraucht, neue Brainstorming Sessions, neue Lösungen werden entwickelt, – und schließlich hat man tatsächlich etwas Neues, anders als ursprünglich gedacht, aber trotzdem gut und man hat wieder eine Menge gelernt, aus dem gleich wieder eine neue Idee geboren wird. Die Ideen fallen nicht vom Himmel – sie werden entwickelt. Es ist ein ständiger Lernprozess in dem es darauf ankommt, in einer systematisierten Art und Weise Erkenntnisse und Erfahrungen zu sammeln.

Wenn jemand den gleichen Weg wie du einschlagen möchte – was würdest du ihm empfehlen?

Möglichst viel Allgemeinwissen aus Gesellschaft, Politik und speziell Psychologie und Meinungsforschung aufsaugen. Sich für alles ohne Scheuklappen zu interessieren. Und auf dieser Basis sich in einer Organisationen der eigenen Wahl zu engagieren, sich einbringen und mitreden. Und dann eine Ausbildung zum Fundraiser, zur Fundraiserin machen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass man dann ein guter Fundraiser wird.

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