Von der inneren Haltung gemeinnütziger Organisationen – Institutional Readiness für erfolgreiches Fundraising

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Für erfolgreiches Fundraising braucht es nicht nur gute Strategien und Werkzeuge, sondern vor allem eine gemeinsame innere Haltung – die Institutional Readiness. Hinter dem Zauberwort verbirgt sich die Bereitschaft gemeinütziger Organisationen, sich vom Angestellten bis zum Vorstand nachhaltig und gemeinsam für die Fundraisingarbeit einzusetzen. Es braucht die Haltung und Wertschätzung der ganzen Organisation, damit gute Fundraisingideen getragen und verwirklicht werden können.

Doch wie lässt sich eine starke Institutional Readiness etablieren? Welche Schritte können NPOs gehen? Diese und viele andere Fragen werden am 4. und 5. Mai 2017 auf dem Deutschen Fundraising Kongress diskutiert. Wir konnten es nicht abwarten, und haben im Vorfeld mit Klaus Struve gesprochen. Der Pastor und Fundraising-Manager setzt sich ein für die Implementierung nachhaltiger Fundraisingstrukturen in kirchlichen Organisationen:

Klaus Struve, Pastor und Fundraising-Manager
Klaus Struve

Was meint „Institutional Readiness“?

Kurz und knapp: die Organisation ist als ganze bereit für ein nachhaltiges und auf Dauer angelegtes erfolgreiches Fundraising.

Warum ist das Thema für gemeinnützige Organisationen so wichtig?

Wenn die Institutional Readiness fehlt, verliert sich das Fundraising schnell in Aktionismus („Projekteritis“). Und die Kollegen müssen die erwartbaren Misserfolge ausbaden, weil die Verantwortungsträger und Entscheider in der NGO sich distanzieren können.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten Hürden für erfolgreiches Fundraising?

Das muss man meines Erachtens differenziert betrachten. In kleineren Einheiten mag das Thema Institutional Readiness oft im stressigen Tagesgeschäft untergehen. In größeren, institutionell und hierarchisch verfassten Organisationen fällt es den Fundraisern oft schwer, die nötige inhaltliche Überzeugungsarbeit auf die internen Entscheidungsebenen zu transportieren, denn es geht ja dabei um eine Haltung. In dem Maße, in dem in einer NPO das Fundraising vor allem bzw. ausschließlich unter dem Aspekt der Geldbeschaffung gesehen wird, mangelt es an dem Bewusstsein, dass man auf Dauer nur dann ein verlässliches Unterstützerpotential erschließen kann, wenn man das Fundraising durchgängig als selbstverständliches Wesensmerkmal wie alle anderen Aktivitäten anerkennt.

Welche ersten Schritte können NPOs helfen, eine gemeinsame, positive Haltung gegenüber Fundraising aufzubauen?

Da nenne ich drei: Zum einen geht es um eine klare IST-Analyse. Wer in der Organisation hat welche Haltung und Bilder zu/von Fundraising? Wer will in der NPO Fundraising und wer nicht? Was steckt dahinter? Zum zweiten heißt es dann sich anzuschauen, was Fundraising im Sinne gelingender, erfolgsorientierter Kommunikation für die Organisation leisten kann. Und drittens zu erkennen, dass Fundraisingaufbau oder -einbau oder -optimierung auch Organisationsentwicklung bedeutet. Denn für ein glaubhaftes nachhaltiges Fundraising müssen alle Ebenen der Organisation „mitmachen“.

Neben einem Workshop am Kongress-Mittwoch sind am Donnerstagvormittag alle Kongressteilnehmer eingeladen, sich über ihre persönlichen Erfahrungen auszutauschen. Wie genau funktioniert das?

Wir, also Susanne Reuter, Thomas Theis und ich, geben den Teilnehmenden die Chance, sich angeleitet mit methodischer Hilfe der Fishbowl-Diskussion zu den eigenen Erfahrungen, guten wie schlechten, miteinander auszutauschen. Jede und jeder im Fundraisinggeschäft ist da Experte in eigener Sache und kann mit seiner/ihrer Beteiligung an der Diskussion Akzente setzen und von den Reaktionen und Meinungen der anderen profitieren.

Und zum Schluss, welches ist Ihr persönliches Programm-Highlight auf dem diesjährigen Deutschen Fundraising Kongress?

Ich freue mich sehr auf die ethisch anspruchsvolle Diskussion am Mittwochabend über die Möglichkeiten und Grenzen emotionaler Berichterstattung und Bildwelten in den Medien und der Spendenwerbung. Hier werden meines Erachtens ganz zentrale Inhalte verhandelt, die jede NGO herausfordern.

 

Wir danken Klaus Struve für das Interview und wünschen allen Kongressteilnehmern eine spannende und inspirierende Zeit in Kassel. Wir sehen uns. #dfk17

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