Recap: die ConSozial 2016

    „Sei lieb zu uns“. Das waren die letzten Worte nach der Verabschiedung einer verantwortlichen Mitarbeiterin der ConSozial. Hatte doch dieses Recap im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass eine kleine Veränderung eingetreten ist.

    Aber dazu später. Und vorweg, natürlich bin ich lieb.

    (Wer das hier lieber nachhören möchte, statt zu lesen: Im Fundraising Radio haben Tobias Dunkel und ich auf dem Rückweg alles mal durchgesprochen.)

    Heute vor einer Woche öffneten sich die Türen für die jährlich stattfindende und zwei Tage dauernde ConSozial. Sie bezeichnet sich selbst als die Fachmesse und den Fachkongress der Sozialwirtschaft. Begleitet wird sie durch das angeflanschte Management-Symposium sowie den Kita-Kongress am Donnerstag.

    Zwei Messehallen sind voll mit Anbietern von sozialen Dienstleistungen sowie weiteren Dienstleistern, die eben diesen Anbietern in Form von Software, Beratung, Waschmaschinen (sic!) oder Büchern Unterstützung bieten.

    Letztes Jahr war ich als Referent an Bord, dieses Jahr nicht. Gemeinsam mit der caretelligence GmbH, der Agentur Eulenblick und nonprofitmedia.de waren wir Aussteller im Messebereich. Ein Gemeinschaftsstand zeigte Besucherinnen und Besuchern, welche Kommunikations- und Fundraisinglösungen im Netzwerk möglich sind. Darüber hinaus durfte ich als Mitglied der Programmkommission (Danke Arne Peper für die Mitnahme!) die Inhalte des Bereichs Kommunikation und Fundraising ein klein wenig mit auswählen.

    Déja vu: Die ConSozial und das Fundraising

    Mit Arne Peper hat dieses Jahr als Novum ein Fundraiser die Koordination dieses inhaltlichen Programmbereichs übernommen. Daran erkennbar, dass schon mehr Themen dieser Art im Programm präsent waren. Luft nach oben ist natürlich immer. Und wenn ich die Fragen durch Besucherinnen und Besucher bei uns am Stand Revue passieren lasse, so ist dies auch dringend notwendig: Mächtig viele Gespräche, was „Foundrising“ eigentlich ist. Man habe das schon mal irgendwo gehört. Und leider nicht nur von den zahlreich vorbeischauenden Studierenden der Sozialen Arbeit oder des Sozialmanagements. Vielleicht steckt die Sozialwirtschaft tatsächlich hier immer noch in den Kinderschuhen. Sehr wahrscheinlich sogar. Der massiv zunehmende Wettbewerbsdruck bei den sozialen und subsidiär tätigen Dienstleistern wird aber meiner Einschätzung nach dazu führen, dass Fundraising im Kern verstanden wird. Wenn auch nur sehr zögerlich. Die ConSozial wird dies erkannt haben und da bin ich zuversichtlich.

    Kongressbereich ConSozial
    Die ConSozial findet im Messezentrum Nürnberg statt.

    Unausgeschriebenes Kernthema: Recruiting

    Der offizielle Titel der ConSozial 2016 war „Soziale Marktwirtschaft 4.0“. Da ich selbst nur ein Seminar besuchen konnte – siehe Messestand – hat sich mir nicht erschlossen, was “4.0” nun ist. Macht aber auch nichts. Denn das aus meiner Sicht unausgeschriebene Kernthema der Messe 2016 stand gar nicht drauf: Nimm mich! Während der Besucherfluss am Mittwoch in den Messehallen noch recht mau war, so änderte sich dies am Donnerstag massiv. Und alleine bei uns hatten wir zig Gespräche hinsichtlich Praktikumsstellen, erste Stellen nach dem Ende des Studiums und vereinzelt auch für die berufliche Umorientierung. SOS Kinderdorf war in einer Halle mit einem riesigen Stand vertreten, um auf offene Stellen in Deutschland sowie im Feld hinzuweisen. Die kostenlosen Crèpes dort katalysierten den Effekt des vollen Messestands. Aber kaum ein weiterer Stand, der nicht auf der Suche nach neuen Menschen war. Manchmal versteckt, manchmal ganz offen und im Fokus.

    Vertraut man dieser Momentaufnahme, so scheint der Soziale Sektor auch mittel- bis langfristig gute Arbeitsperspektiven zu bieten. Und meiner Einschätzung nach: Praktika gehen immer.

    Ist die ConSozial wirklich DIE Fachmesse?

    Diese Frage stellten wir uns am Stand bereits während der Messe als auch zum Ende. Und das Ergebnis ist zwiegespalten. Mangels Alternative ist sie dies. Mir ist keine andere KongressMesse bekannt, die eine derzeit hohe Anzahl an Teilnehmenden als auch an Ausstellern vereint. Aber: Die ConSozial wird vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration mitveranstaltet. (Ministerin Müller besuchte uns übrigens bei ihrem Presserundgang am Stand. Dazu mehr im Podcast.) Die Messe selbst findet stets in Nürnberg statt. Somit liegt der Anteil der bayerischen Aussteller bei gefühlten 75%. Kaum ein sozialer Dienstleister nördlich von Aschaffenburg, der sich auf das Messeparkett traut. Die Diakonie Bayern ist vor Ort, nicht jedoch der Bundesverband. Gleiches bei Lebenshilfe, Paritätern und Caritas. Kein großer Anbieter der Eingliederungshilfe außerhalb Bayerns vor Ort.

    Dies führte zu solchen Blüten, dass eine nicht wegzuredende Anzahl an Menschen bei uns am Stand nach Betrachtung der Firmenstandorte auf den Visitenkarten (-> NRW) diese mit einem freundlichen Lächeln wieder wegsteckten. Begründung: Man suche bayerische, teilweise sogar noch regionalere Dienstleister. Diese Erfahrung war für uns komplett neu, denn diese Reaktion kannten wir bislang nicht von vergleichbaren Veranstaltungen. Mag sein, dass die bayerische Seele anders tickt. Mag sein, dass es Eigenarten in der Beratung oder Produktion für bayerische Anbieter gibt. Das hat aber zwei Seiten: Entweder gibt es hier noch einen massiven Markt für neue bayerische Kolleginnen und Kollegen, Agenturen und Dienstleister. Oder aber diese Einstellung wird sich seitens der potentiellen Kunden in den kommenden Jahren massiv ändern (müssen).

    Resumee als Aussteller:

    Die Preise für Aussteller sind okay. Für zwei Tage bekommt man eine gute Präsentationsmöglichkeit im Messebereich. Sowohl vor Ort als auch im digitalen Vorfeld, auf Website und Veröffentlichungen. Ein wenig mehr Entscheider vor Ort wären gut. Denn – bei allem Respekt – Erzieherinnen einer Kita können nicht über den Einsatz neuer digitaler Tools entscheiden.
    Die Kommunikation mit der Messe und den Veranstaltern ist sehr kollegial, freundlich und kompetent. Es gab zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten oder Missverständnisse. Die Tages- und Dauertickets für Teilnehmende sind auch bezahlbar. Zumal es im Vorfeld viele Möglichkeiten gibt, Vergünstigungen zu erhalten.

    Ob wir es nochmal tun werden?

    Weiß ich noch nicht. Teilnehmen sicher. Und sicherlich auch als Einreicher von Themen für einen Vortrag. Ob als Aussteller, das wird sich in der Nachbetrachtung zeigen. Hier gehen die Meinungen der Verantwortlichen „unseres“ Stands noch etwas auseinander. Wenn Fundraising als Thema für Ausstellende, Teilnehmende sowie im Programm noch präsenter werden würde, dann vielleicht.

    Anekdote zum Schluss

    Es ist oben bereits angeklungen: Anscheinend werden Recaps doch gelesen. Beim letzten Mal gab es einen freundlichen Hinweis auf den aus meiner bescheidenen Sicht doch sehr dröge geratenen Abend der Begegnung. Dieser wurde 2016 nun anders gestaltet. Hier war schon viel Schönes dabei. Aber leider sorgte die akustische Logistik dafür, dass nahezu kaum ein Teilnehmer irgendwas vom Bühnenprogramm mitbekommen hat. Schade. Um mich herum wurde viel gemotzt, auch zu viel. Ich fand den Ansatz des neuen Orts (auch Messehalle) und der Atmo weitaus besser als in 2015. Das Essen war wirklich gut, aber auch dieses Jahr war ich gegen 21.30 Uhr wieder im Hotel. Der Tag auf einer Messe ist einfach lang.

    Aber irgendwas ist ja immer.

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