Recap #1: Fundraising Kongress 2016

    Flughafen Tegel, Freitag Abend.
    Rückreise vom Fundraising Kongress. Es ist so voll, wie ich den Flughafen noch nie gesehen habe. Oben auf der Empore vom Starbucks ist noch ein Platz frei. Zeit für eine Belohnung: ein fettes Stück Chocolate Fudge und einen Kaffee, damit ich nicht noch vor dem Flieger einschlafe. Links von mir wird französisch telefoniert, rechts von mir polnisch. Zeit für Kopfhörer und für die letzte Folge Schnitt des Fundraising-Radios. Unten stehen anscheinend Marco und Jürg von raisenow vor einem ähnlichen Problem: Entweder „woher Kaffee bekommen?“ oder „Wo ist das Gate?“. Man hat wirklich eine schöne Aussicht von hier oben… Rechner raus, Podcast schneiden und auf die Couch zu Hause freuen.

    Der Deutsche Fundraising Kongress 2016 ist Geschichte.

    Drei Tage (+1 Vorlauf) Deutscher Fundraising Kongress sind vorbei. Jedes Jahr ist diese Zeit intensiv und anders. Sowohl zeitlich und auch inhaltlich. Das war mein 9. Kongress. Der Kalender war gefüllt. Mittwoch einen Ganztagesworkshop mit Tobias Dunkel unter dem nonprofitmedia.de Label, Donnerstag eine leicht anarchistisch wirkende 😉 Session mit dem sozialmarketing.de Team. Dazwischen tägliche Podcasts für das Fundraising-Radio und zwischendurch noch Video O-Töne sammeln für den Alumniverein der Fundraising Akademie.

    Fundraising Radio Podcasting aus dem Foyer des andels
    Fundraising Radio Podcasting aus dem Foyer des andels

    Workshop

    Also, mal von Anfang an: Mittwoch entschieden sich acht Kolleginnen und Kollegen aus völlig unterschiedlichen Bereichen, sich von uns 5:30 Stunden brutto durch Digitales Storytelling bereichern zu lassen. Nach dem Tag gingen alle glücklich in den Kongress. Besonders schön war der Input einer Teilnehmerin, die sich ganz am Ende outete, sie habe etwas völlig anderes erwartet. Das Erlebte sei aber noch viel besser gewesen. So soll es sein.

    Mitgliederversammlung

    Nach einigen Jahren Pause nahm ich zum ersten Mal wieder an einer Mitgliederversammlung des Deutschen Fundraising Kongresses teil. In diesem Raum fand auch „damals“ meine letzte statt. So spektakulär damals die Veranstaltung bei meinem Austritt aus dem Verband war, desto harmonischer war sie dieses Mal. Nix zu meckern. Fast schon zu harmonisch. Glückwunsch an die neuen Beirats-Mitglieder.

    Die Eröffnung und die vielen kleinen Christenkinder

    Schade, ein Tiefpunkt bereits am Anfang. Um es kurz zu machen: Eine Podiumsdiskussion sollte inhaltlich polarisieren und den Kongress eröffnen. Wer hilft in der aktuellen Situation in Deutschland den Flüchtlingen besser? Profis oder Ehrenamtliche? Das Podium war bunt zusammengesetzt. Man diskutierte, meist einvernehmlich und bereits zu Beginn war klar, dass es keine echte Diskussion geben wird. Ich war schon aus dem Raum raus – wie viele Kolleginnen und Kollegen auch – als der Knaller kam: Der in aus meiner persönlichen Sicht mit nicht mehr zeitgemäßer grauer Malteser-Uniform vertretene ehrenamtliche Präsident der Malteser in Deutschland, Dr. Constantin von Brandenstein-Zeppelin hoffte in seinem Schlusssatz (!), es sei auf Grund der hohen Geburtenrate muslimischer Mitbürger nun Zeit, dass in Deutschland wieder mehr christliche Kinder geboren würden.

    Mit diesem letzten Statement wurde eigentlich die ganze Diskussion wieder ad absurdum geführt und die Diskussion auf Twitter war entbrannt. Danke Susanne Wohmann, die in einer unaufgeregten und reflektierten Weise in der Facebook-Gruppe des DFRV einen Konter setzte. Highlight des Tages dazu war der Kommentar der Kollegin Tatjana Rhode: „Ich wollte gerade ein christliches Baby machen, da mußte der maltesische Dr. dazwischen quasseln!“ #großartig

    Der Abend endete in den Empfängen der Sponsoren. Naturgemäß hier der Empfang der Fundraising Akademie genannt. Unspektakulär, unaufgeregt und einfach gut. Wasser und Wein. Und für Eingeweihte auch Fritz Cola und Mate-Zeugs.

    Donnerstag ist Big Session Tag

    Zum ersten Mal war das sozialmarketing.de Team gemeinsam auf der Bühne: Das neue Format der „Big Sessions“ erlaubte dies. Sechs mal fünf Minuten für völlig unterschiedliche Inputs. Ich behaupte, darüber werden die Kolleginnen und Kollegen noch berichten, daher hier nur soviel: Mehr Foo Fighters zum Warmup bitte :-). Das war eine schöne Show, die Rückmeldungen waren entsprechend gut. Vielen Dank dafür. Jungs und Mädels, beim nächsten Mal vielleicht etwas weniger Pathos, dann wäre alles noch besser geworden. Nachzuschauen auf der sozialmarketing.de Facebook-Seite.

    YouTube

    By loading the video, you agree to YouTube's privacy policy.
    Learn more

    Load video

    Was müssen wir heute tun, um 2030 erfolgreich zu sein?

    Das war ein richtig guter Input von Tom Neukirchen und Paul Dalby, wobei ich aus Zeitgründen nur Tom hören könnte.
    Lösungen für die Zukunft des Fundraisings liegen in den Schnittmengen zu anderen Bereichen. Dazu gehören Investment, Nachhaltigkeit, Ökologie, Energie. Nichts Neues eigentlich, aber endlich auch mal qualifiziert erfasst und ausgewertet. Die großen Organisationen bleiben, genau sowie die Kleinen. Die in der Mitte werden Schwierigkeiten bekommen. Beruhigend: Die Aufgaben und Lösungsansätze bleiben, denn sie werden von anderen, neuen Organisationen übernommen. Auch steht die Gründung von „Beibooten“ an Organisationen (Zitat Jona) möglicherweise im Fokus. Dass Online wichtiger wird, brauche ich hier nicht erwähnen.

    Nicht alle, aber ein Teil vom sozialmarketing.de Team vor der Big Session
    Nicht alle, aber ein Teil vom sozialmarketing.de Team vor der Big Session

    Der Rest vom Donnerstag: Mist, den Software Slam verpasst. Wer Uhrzeiten lesen kann ist klar im Vorteil. Das muss gut gewesen sein, leider ohne mich. Wieder ein Podcast und dann die Gala.

    #Galagate

    Ja, es gab wieder eine Gala. Genug Stoff für einen eigenen Recap. Jörg hat’s im Fundraising-Radio bereits beschrieben. Und auch Tobi hat auch was dazu geschrieben. Mehr schreib ich nicht. Vielleicht nur: gelierte Gurkensuppe und Lamm-Karré zum Gala-Abendessen sind mutig. Und das war noch das Beste.

    Skybar andels Bar
    Klassiker: Im Anschluss an “alles” noch mal in die 14. Etage des andel’s.

    Kein Kater am Freitag

    Gemeinsam gegen 0:30 Uhr verließen wir, ein paar wenige Kolleginnen und Kollegen, die 14. Etage des andel’s und jeder ging in sein eigenes Bettchen. Dies führte zu keinem Kater am Freitag morgen. Sehr gut. Somit blieb Zeit für die sehr guten Inputs zum Beispiel von der sehr geschätzten Kollegin Doris Kunstdorff zum herannahenden neuen Zahlungs-GAU, dem „Instant Payment“, oder auch „The Ressurection of the QR-Code“. Solltet Ihr auch mal mit beschäftigen, um mitreden zu können.

    Im Anschluss gab Andreas „Datengott“ Berg sein Bestes zur Verhinderung des Optimierungs-Selbstmords. Bislang dachte ich, ich hätte grundsätzliche Checke von Kennzahlen, deren Entwicklung und Einordnung. Nach 90min Andreas wurde dies komplett zunichte gemacht. Man darf sogar die Theorie aufstellen, dass nahezu 90plus% der Kolleginnen und Kollegen (mich eingeschlossen), sobald sie von Kennzahlen sprechen, reines Bullshit-Bingo spielen. Im Kongress Magazin stehen kluge Sätze dazu von Andreas. Lesen!

    Gysi zum Abschluss

    „Aber nun zum eigentlichen Thema. Hör’n se mal, ich bin Politiker. Wir antworten nicht auf das, wonach wir gefragt werden. Wir erzählen das, was wir wollen.“

    Ein rhetorischer Leckerbissen zum Ende: Gregor Gysi sprach zu Verteilung und Gerechtigkeit in Deutschland. Für ihn inhaltlich und geographisch ein Heimspiel. Und auch die noch zahlreich anwesenden Kolleginnen und Kollegen waren ein zahmes Publikum. Im Vorfeld wurden vereinzelt Anfragen wahrgenommen, warum denn ein linker Politiker den Kongress beenden müsse. Aus meiner Sicht war Gysi der völlig runde Abschluss. Da war fast so viel Stimmung wie beim Uekermann

    Und sonst?

    Die üblichen Massagesessel von Altruja sind weiterhin ein Must-Have für gestresste Kongress-Rücken und -Seelen. Das Abbauen der Veranstalter vor dem Ende des Kongresses halte ich weiterhin für blöd. Mehrfach genannt, dennoch erneut erwähnt: Bitte erstattet den Referentinnen und Referenten zumindest wieder die Fahrtkosten. Das wäre ein gutes Signal und ist und bleibt einfach branchenüblich.

    Dr. Gregor Gysi auf dem Fundraising Kongress 2016
    Kleiner Mann, große Rhetorik. Gregor Gysis Abschluss-Keynote.

    Eines noch: Bye bye andel’s.

    Viele haben gemotzt, irgendwas stimmte anscheinend nie. Ich habe mich da nie eingereiht. Wie auch 2015 schon beschrieben, waren die regelmäßigen Tage vor Ort mein jährliches Highlight. Ich hab mich immer wohl gefühlt. Jetzt also Kassel. Gut, vom Ruhrgebiet aus ist’s näher. Aber es wird anders werden. Veränderung ist gut, allgemein und so. Bin sehr gespannt.

    Wohnzimmer Hattingen, Sonntag Morgen.
    Der Chocolate Fudge lag schwer im Magen, der Flieger war verspätet und mit der Bahn wäre es wie immer innerdeutsch schneller gewesen. Aber es gab genug Zeit für einen kurzen Rückblick. Die Ergebnisse daraus konntet Ihr jetzt lesen. Nach dem Kongress ist vor dem Kongress. Die Vorbereitungen beginnen. Aber bis dahin:
    Vielen Dank für einen gelungenen Kongress 2016. Luft nach oben für Kassel gibt’s. Es gab aber auch schon massiv schlechtere.

    2 COMMENTS

    1. Ich fand den Malteser-Baron auch too much. Wer ganze Programme in Talkrunden reinquetscht, lässt den anderen definitiv zu wenig Raum. Aber korrekt zitieren darf man ihn schon. Und er sagte sowas wie: “Und wer sich beschwert, dass hier zu viele Muslime geboren werden, soll halt erstmal ein paar christliche Kinder in die Welt setzen…” Ein bisschen Drama rausnehmen tut dem gut…

      • Hallo Charlotte. Danke für den Hinweis. Wie beschrieben war ich leider bei der Aussage selbst nicht im Raum. Das relativiert ein wenig, aber auch nicht alles :-). Grüße, Maik

    LEAVE A REPLY

    Please enter your comment!
    Please enter your name here

    *