Neue Ethikregeln für Organisationen und Dienstleister im Fundraising

    Im vergangenen Jahr führte der Deutsche Fundraising Verband eine neue Mitglieder- und Beitragsstruktur ein: Seitdem können auch Organisationen und Dienstleister als juristische Personen Mitglied werden. Dies hatte zur Folge, dass auch die Ethikregeln für die Anwendung auf juristische Personen angepasst beziehungsweise ergänzt werden muss.

    Der Ethikausschuss des Deutschen Fundraisinverbandes legt zur Mitgliederversammlung in der kommenden Woche einen Entwurf zur Diskussion und Abstimmung vor. Wir können den Entwurf bereits jetzt online diskutieren.

    • Was haltet ihr von dem Entwurf?
    • Welche Regelungen sind besonders gut gelungen?
    • Mit welchen Vorschlägen seid ihr nicht einverstanden?

    Die neuen Ethikregeln sollen einen breiten Konsens und Akzeptanz erreichen.
    Der Ethikausschuss steht daher für eine Diskussion auch hier im Blog zur Verfügung. Anregungen, Kommentare, Lob, Kritik und eine anregende Diskussion sind ausdrücklich erwünscht.

    4 KOMMENTARE

    1. Ich frage mich, warum Organisationen nur zu ihren Spendern und zu anderen NGOs fair sein müssen, aber nicht zu Dienstleistern? Und warum müssen Dienstleister nur fair zu ihren Kunden und anderen Dienstleistern sein, nicht aber zu allen NGOs und auch nicht zu Spendern?

      Weit wichtiger ist mir als Dienstleister aber, dass die Regelung zur Integrität klarer formuliert wird. Es reicht nicht, das wir unsere Kunden nur entspechend beraten. Wir sind genauso wie alle Fundraiser verpflichtet auf unlautere Methoden zu verzichten. Wir dürfen uns auf keinen Fall hinter unseren Kunden verstecken, sondern müssen im Zweifel den Auftrag ablehnen und die Zusammenarbeit beenden. Das kommt mir nicht klar genung heraus. Ich schließe bei den unlauteren Methoden insbesondere die übermäßige Emotionalisierung mit ein.

      Ich vestehe auch nicht warum bei Punkt 8, die Überschrift geändert wurde, von”Freie Entscheidung” auf “Dienstleistung”. Soll das bedeuten, dass wir Dienstleister uns nicht auf das Recht der Unterstützer zur freien Entscheidung verpflichten? Das wäre völlig unakzeptabel.

    2. Die Charta der Spenderrechte findet im aktuellen Entwurf nicht bei den Einzelpersonen Erwähnung, sondern nur bei Organisationen und Dienstleister.

      Als unscharf empfinde ich die Formulierung zu Punkt 4. Verpflichtung zu ethischem Handeln. Dort ist die Rede von “entsprechenden Rahmen” für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Ob sich dies auf strukturelle, prozessuale oder kulturelle Rahmenbedingungen bezieht ist nicht klar. An dieser Stelle würde ich mir eine Kommentierung o.ä. wünschen.

      In Punkt 6. Transparenz wird die Veröffentlichung von Jahresberichten drei Einzelinformationen herausgehoben. Wäre es an dieser Stelle nicht sinnvoll gleich die “Zehn Punkte für die Öffentlichkeit” der Initiative Transparente Zivilgesellschaft aufzugreifen?

      Sollte der Punkt 15. Selbstbestimmung nicht auch für Einzelpersonen gelten? Auch Fundraiser können sich in unzulässigerweise (wenn nicht in transparenter Weise) an Dienstleister binden und damit Verpflichtungen eingehen, die ihr Handeln in unangemessener Weise determinieren.

    3. Ich schließe mich dem ersten Kommentar voll an. Außerdem finde ich die vorgeschlagenen Änderungen zum Datenschutz nicht glücklich. Die Formulierung “Einhaltung der gesetzlichen Datenschutzbestimmungen” lässt m. E. ein Hintertürchen offen (denn wer weiß, wie sich die gesetzlichen Bestimmungen ändern), da finde ich die bisherige Formulierung weit eindeutiger.

    4. Es stimmt, die Ethikregeln sollten einmal grundsätzlich überarbeitet werden. Auch die bestehenden für „Privatpersonen“. Allerdings schlagen wir vor, dies erst in einem nächsten Schritt zu tun. Uns war es zunächst wichtig, die 19 ethischen Grundregeln für Organisationen und Dienstleisteranzupassen. Denn nicht in allen Punkten haben die bisherigen Regeln gepasst. So ist z.B. der Punkt 4. Berufsstand für Organisationen und Dienstleiter ganz gestrichen oder bei Punkt 6. Transparenz für Organisationen ergänzt und dadurch konkretisiert worden.
      Diese (neuen) Regeln sollen dann in einem nächsten Schritt (nach Verabschiedung) auch in den bestehenden „Best Practice Katalog“ einfließen. Hier kann dann konkretisiert werden, was genau die Rahmen sind, die eine Organisation schaffen muss, damit ihre MitarbeiterInnen genügend Sicherheit und Unterstützung bekommen, wenn es darum geht, ob man etwas tut oder besser unterlässt.
      So war es uns bei Punkt 5. Integrität für Dienstleiter nur wichtig zu ergänzen, dass dieses integre Verhalten nicht nur bei der Umsetzung von Maßnahmen sondern auch schon bei der Beratung berücksichtigt werden muss. Es sollte also auf keinen Fall dazu dienen, sich „hinter Kunden verstecken“ zu können.
      Und ja, es stimmt; wir haben nur einzelne (für uns besonders wichtige) Aspekte bei Punkt 6. Transparenz hervorgehoben. Wir wollten die Ethikregeln einfach nicht zu ausführlich werden lassen. Ein Verweis auf andere Regeln anderer Verbände haben wir bewusst nicht getan, da sich diese ja auch ändern können und wir verhindern wollten, dass man (gerade wenn man sich offline befindet) einfach weiterverwiesen wird.
      Zu der Änderung der Überschrift 8. Dienstleistung habe ich leider in meinen Notizen nichts gefunden. Wir hatten dies bereits im November 2012 geändert und bisher hat sich auch noch niemand daran gestoßen, obwohl wir ja im Vorfeld schon alle möglichen Verbände (DZI,VENRO,Spendenrat,DDV etc.) und Mitglieder (Müllerleile, Fischer, Dörfner, Osterhaus etc.) Wir nehmen die Anregungen gern auf, nochmals darüber nachzudenken. Danke für die Beiträge

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