Interview: Dein Profil für MSF


Fünf Fragen an Ärzte ohne Grenzen zur Online-Kampagne zum 40-jährigen Jubiläum – “40 Jahre – 40.000 Fans”:

Liebe Frau Frank, Lieber Herr Altmann, zum 40. Jubiläum von Ärzte ohne Grenzen (MSF) launchten Sie die Facebook-Aktion www.mein-profil-fuer-msf.net, über die Unterstützer ihr Profil für 24 Stunden spenden konnten. Damit geben sie Ihnen die Möglichkeit Statusmeldungen in ihren Namen an ihre Facebook-Pinnwand zu posten. Ziel der Ärzte ohne Grenzen-Kampagne ist es, anlässlich des Jubiläums 40.000 Fans auf Facebook zu erreichen.

Dieses Ziel haben Sie bereits nach einer Woche erreicht. Wir sind neugierig und möchten gerne einen Blick hinter die Kulissen wagen und Ihnen ein paar Fragen zur Kampagne stellen.

Warum haben Sie sich für eine Facebook-App entschieden, die Ihnen den Zugang zur Nutzer-Pinnwand gewährt, so dass Sie in seinem Namen auf seine Pinnwand MSF-Meldungen posten können?

Wir hatten das Gefühl, dass wir damit der Tatsache gerecht werden, dass unsere Arbeit für Menschen in Not nur Dank der Aktionen und Spenden von Unterstützern und Unterstützerinnen möglich wird. Ohne die Mitarbeiter, die für unsere Organisation die Projekte vor Ort durchführen, ohne Menschen, die z.B. im privaten Freundeskreis eine Sammlung für uns starten oder uns weiterempfehlen, gäbe es unsere Hilfsprogramme nicht. Dazu gehört eben auch, dass unsere Fans auf Facebook unsere Nachrichten mit ihren Freunden teilen und so mehr Menschen auf unsere Arbeit aufmerksam machen. Diese aktive Unterstützung ermöglichte die Aktion.

Vor Kampagnenstart gilt es, auch die Herausforderungen zu bedenken, die auf die Organisation zukommen und die der Kampagnenverlauf mit sich bringen kann.
Welche Bedenken hatten Sie vor Kampagnen-Launch?

Mit unserem deutschsprachigen Facebook-Auftritt hatten wir den Vorteil, dass wir „Mein Profil für MSF“ nicht als erste im Netzwerk von Médecins Sans Frontières /Ärzte ohne Grenzen durchgeführt haben. Kollegen hatten die Aktion bereits auf Facebook-Sites in anderen Regionen gestartet und waren damit sehr erfolgreich – wir haben die Kampagne dann mit Anpassungen adaptiert. Wichtig war für uns vor allem, gut aufbereitete Informationen zum Thema Datenschutz bereit zu stellen, da wir aus Erfahrung wussten, dass die deutsche Öffentlichkeit hier wesentlich sensibler reagiert als die in anderen Ländern.

Welches Feedback haben Sie von Ihren Unterstützern zur Kampagne bisher erhalten?

Wir haben insgesamt ein sehr gutes Feedback erhalten. Nach dem Ende der Aktion gab es sogar Kommentare, in denen sich Fans wünschten, dass die Aktion weitergehen solle oder sie zumindest jederzeit gerne Ihr Profil wieder für uns spenden würden. Tatsächlich gab es auch ein paar kritische Reaktionen von Menschen, die die Facebook-Nutzung generell aus datenschutzpolitischen Gründen schwierig finden. Solche Kritik an Facebook können wir auch nachvollziehen, aber da sind wir natürlich nicht der richtige Ansprechpartner.

Die Kampagne ist nun abgeschlossen. Wenn Sie die Uhr um drei Monate zurückstellen könnten, was würden Sie besser machen?

Nachdem klar war, dass die Aktion auch bei uns so gut läuft, haben wir zwischendurch gedacht, dass es eigentlich schade ist, dass wir sie nur für einen recht kurzen Zeitraum geplant hatten. Da sie mit dem entsprechenden Slogan bei uns aber an das Jubiläum zu unserem 40-jährigen Bestehen im Dezember des vergangenen Jahres gekoppelt war, haben wir sie auch nicht verlängert.

Das Ziel 40.000 Fans bei Facebook zu erreichen, haben Sie geschafft. Was sind Ihre Pläne, um den Erwartungen der neuen Fans gerecht zu bleiben? Was sehen wir in Zukunft von Ärzte ohne Grenzen?

Wir können uns vorstellen „Mein Profil für MSF“ oder ähnliche Kampagnen in der Zukunft nochmals aufzunehmen und/oder sie auf andere Social Media-Kanäle auszudehnen. Ansonsten hoffen wir, dass unsere Videos, Fotoreportagen und andere Berichte über die Situation der Menschen vor Ort, unsere Fans auch weiterhin interessieren und davon überzeugen, wie wichtig unsere Arbeit in Kriegsgebieten oder bei Naturkatastrophen ist. Durch unsere Postings erhalten die Fans Informationen aus Ländern, in denen nicht selten große Krisen herrschen, die aber in der klassischen Medienberichterstattung oft wenig vorkommen. Social Media Kanäle wie Facebook ermöglichen es uns, auf das Schicksal der vielen Menschen, die in Ländern mit „vergessenen Krisen“ wie z.B. in Somalia leben, aufmerksam zu machen. Außerdem laden wir die Fans regelmäßig dazu ein, uns bei Veranstaltungen vor Ort zu treffen und uns auch mal ganz persönlich und offline kennenzulernen.

Wir danken herzlich Gaby Frank, Online-Redakteurin und Hauke Altmann, Web Developer,  Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bei Ärzte ohne Grenzen e.V. / Médecins Sans Frontières für ihre Antworten.

Das Interview führten Jörg Eisfeld-Reschke und Katja Prescher von sozialmarketing.de.

Unsere Autoren Katja Prescher und Jörg Eisfeld-Reschke sind geteilter Meinung über die Online-Aktion. Hier geht es zum Streitgespräch zur Online-Kampagne “Dein Profil für MSF/Ärzte ohne Grenzen” >>

 

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