Hunden helfen via Facebook

Wenn die Like-Liste die „Hausliste” der Unterstützerinnen ist.

Parenas-Pfotenhilfe ist eine Tierschutz-Initiative, die in erster Linien Hunden und Katzen in Spanien hilft. Gegründet vor rund drei Jahren von zwei Schweizern, die ausgewandert sind, um am Brennpunkt zu helfen. Fast alles in der Organisation baut auf dem Ehrenamt auf. Die knapp 17.000-starke-Facebook-Like-Liste ist ein entscheidender Erfolgsfaktor in der Fundraising-Arbeit von Parenas-Pfotenhilfe. Die Like-Liste ist die „Hausliste” der Unterstützerinnen und Unterstützer.

Facebook als Kommunikationskanal zur Unterstützerbasis

„Das wichtigste Tool bei uns ist Facebook” sagt René Bruggmann, bei Parenas-Pfotenhilfe für Fundraising zuständig. „Alle Menschen, die uns liken, folgen oder in einer Gruppe sind, werden regelmässig informiert” – gepostet wird teilweise im Stundentakt. Die Posts sind Beiträge über Neuankömmlinge im Tierheim oder Infos dazu, welches Tier mit welchem Befund zum Arzt muss, wie teuer der Arztbesuch war – und ein Foto der Quittung ist auch gleich dabei. Hunde erzählen in Ich-Form ihre Geschichte und im Adventskalender sind Fotos von Hunden mit Lametta um den Hals und Nikolausmützen auf dem Kopf. Die Fans & Follower schreiben den Tieren Nachrichten, tauschen sich mit anderen Gruppenmitgliedern aus und teilen öffentlich, für welches Tier sie gerne eine Patenschaft übernehmen möchten. Auf Zielgruppenfremde kann das alles etwas befremdend wirken – die Zielgruppe aber liebt es. Kaum kommt ein Hund im Tierheim an, wird die Nachricht gepostet und schon findet sich unter den 17.000 Frauen und Männern eine Person, die die Startpatenschaft von einmalig 100 Schweizer Franken oder die Tierpatenschaft für 73 Schweizer Franken im Monat übernimmt. Zack. So funktioniert auch Facebook Fundraising!

Erfolgsfaktoren: Zielgruppe, Authentizität, Storytelling – und Spendenbitten

Wie ist so ein Erfolg möglich? Große Anteile daran haben in diesem Fall die sehr klar definierte Zielgruppe, die richtigen Kommunikations-Instrumente, Authentizität, Storytelling sowie konkrete Aufrufe und Bitten um Mithilfe. Zwei, die eine entscheidende Rolle in diesem Erfolg haben, sind die Gründer von Parenas-Pfotenhilfe, Carmen Krauer-Vidal und Roman Krauer. Sie lieben Tiere und haben es zu ihrer Lebensaufgabe gemacht, Not leidenden Tieren zu helfen. Zunächst unterstützten sie ein Tierheim in Spanien, halfen bei der Vermittlung von Hunden. Dann wurden es immer mehr und sie merkten, dass sie direkt vor Ort helfen wollten. Gesagt, getan: im Januar 2014 gaben sie ihr Leben in der Schweiz auf, packten ihre Sachen und wanderten nach Spanien aus. Dort leben sie heute auf einem 2000m² -Gelände mit über hundert Hunden und etwa 40 Katzen. Zwei Esel die im vergangenen Jahr gerettet wurden und ein paar andere Kleintiere gehören auch noch dazu. Alleine das sind viele Einzelschicksale, die es zu erzählen lohnt. Erfolgsgeschichten werden geteilt und rührende Momente „gemeinsam” erlebt – alles via Facebook. Unterstützt werden Carmen und Roman vor Ort von zwei einheimischen Mitarbeitenden. Doch zu ihrer Parenas-Pfotenhilfe gehören viele weitere Menschen – die sich alle ehrenamtlich engagieren.

Facebook auch als internes Kommunikationstool

Über 30 junge Frauen und Männer in der Schweiz verteilen sich auf acht Teams und erledigen die Arbeit: von Team Hund über Team Fundraising, Events & Shop hin zu Team Transporte & Pflegestellen oder Team Vor-/Nachkontrollen. Natürlich gibt es auch ein eigenes Team Facebook. Die Zuckerberg-Plattform dient übrigens neben der Außen-Kommunikation auch der internen Kommunikation der Teams mit eigenen Chat-Räumen für die einzelnen Teams. „Alle sollen immer alles wissen” – das ist René Bruggmann und dem gesamten Team enorm wichtig: Transparenz. Auch darum wird sehr vieles, bis hin zur Arztrechnung, auf Facebook gepostet. Zwar gibt es noch keinen offiziellen Jahresbericht oder weitere Informationen über Zahlungsein- und ausgänge auf der Webseite. Interessierte und Spender/innen können aber fast live und direkt mit dabei sein, wenn etwas in Spanien passiert – dank Facebook. Darüber hinaus ist die kleine und noch junge Organisation sehr interessiert daran, weitere Ehrenamtliche zu gewinnen. In den Teams gibt es freie Plätze und auch eine Mitarbeit vor Ort ist möglich. Sehr detailliert wird darüber informiert, wie Interessierte im Tierheim in Spanien mit anpacken können und auf einer Liste von Daten ist zu sehen, wann noch mitgeholfen werden kann – einige Daten sind schon ausgebucht! Natürlich ist das auch eine Art von Transparenz.

Parenas-Pfotenhilfe ist eine junge Initiative, die eigentlich noch unbekannt ist aber mit der richtigen Zielgruppe eine enorme Unterstützerbasis via Facebook aufgebaut hat. Die Tier-Liebhaberinnen und -Liebhaber werden in ihrer Sprache mit vielen Informationen versorgt, konkret um Spenden gebeten und über ehrenamtliche Job-Angebote involviert. Parenas-Pfotenhilfe macht sehr viel sehr richtig – bleibt ihnen zu wünschen, dass sie – wie vorgenommen – bald die nächsten Stufen der Professionalisierung gehen und noch mehr in Transparenz – auch offline – und Fundraising investieren.

Hier zur Parenas-Pfotenhilfe Facebook-Page

Hier zur Parenas-Pfotenhilfe Webseite


Dieser Artikel ist in Ausgabe 1/2016 Fundraiser Magazin erschienen und wurde für sozialmarketing.de aktualisiert. 

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