Virtual Fundraising Reality: Next big thing?

In ein paar Tagen wird es bei uns an der Haustür klingeln. (Okay, passiert häufiger mal.) Ein Paketbote wird eine für mich eher untypische Lieferung bringen. Es gibt Post von Tchibo. Bislang nicht bekannt als nerdiger Tech-Versand.

Im Paket wird ein „Bausatz“ für eine ganz einfache aus Pappe und Schaumstoff gestrickte Virtual Reality-Brille drin sein. Kollege Gerhard Schröder hat’s im Netz entdeckt und mobilegeeks hat’s aufgenommen.

Virtual Reality vom Kaffeevertrieb

Vor einigen Tagen machte ein Bild die Runde, auf dem Mark Zuckerberg durch eine Menge an Menschen ging, die alle eine professionellere Version einer VR-Brille auf dem Kopf haben. Samsung wird eine solche Brille, ohne Pappe und mit mehr Schnickischnack standardmäßig einigen neuen Geräten beilegen. Es ist also davon auszugehen, dass in wenigen Jahren eine größere Verbreitung und Bekanntheit dieser noch eher fremd wirkenden Teile vorhanden sein wird.

Oculus Rift
Sieht ganz einfach aus: Brille auf und weg in unendliche Weiten.

Kommt da was Großes?

Brillen und Daten. Erinnert Ihr euch noch an die Google-Brille und die mediale Aufmerksamkeit? Von der Unendlichkeit der Anwendungsmöglichkeiten bis zum Untergang des Abendlands war alles an Kritiken dabei. Meine erste Begegnung mit dem Ding auf der Nase war zwiegespalten. Fasziniert von den Möglichkeiten und der Technik auf der einen Seite, eher beunruhigend auf der anderen Seite. Einige wenige Jahre später spricht kaum noch jemand von Google Glass. Wobei fest davon auszugehen ist, dass auch hier noch was kommen wird.

Wie es der Zufall will, las ich dann vor ein paar Tagen einen Artikel über die Tierschutzorganisation Animal Equality. Dort wird Virtual Reality bereits eingesetzt, um Spendern einen 360° Blick auf Zustände in Schweineställen zu ermöglichen. Keine leichte Kost für Augen, Ohren und limbisches System.

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Emotion galore!

Im Fundraising reden neuerdings alle von Storytelling und noch mehr Emotionen. Diese Brillen ermöglichen das direkte Beobachten des Alltags gemeinnütziger Organisationen. Ein komplettes Eintauchen soll möglich sein. Vor ein paar Jahren konnte ich auf der CeBit einen Vorgänger einer solchen Brille aufsetzen. Faszinierend, aber noch nicht ausgereift. Das ändert sich gerade, siehe Samsung und Tchibo. Und es wird sich weiter verbreiten, wenn die Aufnahme von Medien durch 360°-Kameras ähnlich wie bei Actioncams wie GoPro und Co. deutlich im Preis gesenkt und dadurch Massenprodukt werden.
Nikon hat eine solche Kamera für den Massenmarkt gerade angekündigt, Facebook und Youtube haben 360° Videos bereits integriert.

Was bedeutet das für’s Fundraising?

Kurzfristig zunächst erst mal gar nichts. Wir werden aber immer mal wieder Versuche erleben, VR-Instrumente einzusetzen. Aber bei einer weiteren Verbreitung innerhalb der Gesellschaft wird es vielleicht doch interessant und massentauglicher.

Ich denke da zum Beispiel an:

  • Face to Face Aktionen in der Fußgängerzone
  • Spielerische Ansätze, zum Beispiel im Einsatz auf Messeständen
  • virtueller Besuch von Projekten im Ausland, Nothilfesituationen können besser erlebt werden
  • Wege durch noch nicht realisierte Bauprojekte, Schulgebäude, Kindertagesstätten
  • Ausflüge in die Welt unterhalb der Wasseroberfläche
  • Erdbebenrettungsübungen hautnah erleben
  • neben Wildtieren durch den Urwald reiten

Aktuell ist die Energiehürde bestimmt noch zu hoch, sich auf der Fußgängerzone für ein virtuelles Eintauchen die Brille aufzusetzen. Interessant ist dabei auch eine aktuelle Beobachtung, dass sich bei einer 360° Welt das Verhalten des Nutzers verändert. Das weit verbreitete und nicht für Gewaltarmut bekannte Spiel GTA V wirkt bei ersten Tests in einer VR-Atmosphäre auf Nutzer verstörend. Auch knallharte Spieler des Spiels schießen anscheinend in einer Rundum-Szenerie nicht auf Menschen, weil sie zu real wirkt.  Anscheinend werden dort unterschiedliche Gehirnareale zusammen gebracht und Grenzbereiche aktiviert, was auf dem Monitor nicht geschieht. Aus einem Ballerspiel wird ein Nachdenkspiel.

Dies kann für das Fundraising von Vorteil und Nachteil sein. Einfacher wird es nicht sein, Menschen emotional zu triggern. Allerdings ist die Realität dann doch grausamer, Stichwort Schweinestall oben, als es dem potentiellen Spender lieb ist. Tchibos Version wird einen einfachen Einstieg bieten. Mal ganz einfach Google Street View ausprobieren, 360° Videos anschauen. Und schauen, was es mit einem macht.

tl;dr: Was denn jetzt?

Geschichten müssen tatsächlich immer spannender werden und die technische Hürde dafür wird sinken. Die energetische Hürde, sich Brillen aufzusetzen, wird höher. Je weiter sich VR-Brillen durchsetzen, desto abgestumpfter wird der Nutzer. Dies kann für’s Fundraising genau so vorteilhaft wie nachteilig sein. Machen wir was draus!

Kennt Ihr weitere Einsätze von Virtual Reality bei Nonprofits? Wir freuen uns über Beispiele. Immer her damit. Wie schätzt Ihr das ein? Kommt da was Neues? Oder ist es eher eine Eintagsfliege?

(Bild: “2013 young boy wearing the Oculus Rift” – Creative Commons BY-SA 3.0, Skydeas via Wikimedia Commons – Link)

4 COMMENTS

  1. Hallo Maik,

    die Schweizer Agentur Corris experimentiert beteits mit einer Datenbrille im Face-to-Face- Bereich. Ist das nächste Hauptthema im Fundraiser-Magazin.

    Viele Grüße

    Matthias Daberstiel

    • Hallo Stefanie,
      Super, Danke für den Link. Denn genau dieser Artikel war die Grundlage für den Blogtext. Hab genau das in der Horizont gelesen. Daher schließt sich der Kreis.

      Beste Grüße,

      Maik

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