Face2Face-Fundraising zwischen schwarzen Schafen und Profis III

Wer kennt es nicht? Junge Menschen stehen in der städtischen Fußgängerzone und sprechen erwartungsvoll vorbeieilende Passanten an, um sie zu einer Spende oder Unterschrift zu überreden. Samstagmorgens klingeln Spendensammler mit einer kleinen Box an der Haustür, um auf die aktuelle Notstandssituation eines Zirkus aufmerksam zu machen. Alles für die gute Sache natürlich.

In dieser kleinen Artikelserie beschäftigen wir uns eingehender mit dem Face-2-Face-Fundraising:

Die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile des Face2Face-Fundraisings lässt erkennen, dass trotz der überwiegend guten Ergebnisse, das Instrument einer Weiterentwicklung bedarf. Dazu gehört auch, gegen die bestehenden negativen Vorurteile anzugehen und neue Lösungen zu schaffen.

Agentur einsetzen oder selber machen

Das wohl wichtigste und einflussreichste Argument, um dem Face2Face-Fundraising ein konstant positives Image zu geben, sind die Mitarbeiter. Nur motivierte und gut geschultes Personal besitzen die Kompetenzen, um Vereinswerte und -ziele menschlich und überzeugend zu vermitteln und dabei gleichzeitig ein Gespür für die Erwartungen, Ängste und Bedürfnisse des potentiellen Spenders zu haben.

Dabei scheint der Trend Agenturen für die Kampagnen einzusetzen wieder rückläufig zu sein (Vgl. Habeler. 2010. S. 25). Immer mehr Face2Face-Kampagnen werden von der Organisation selbst entworfen und organisiert. Dies hat mehrere Vorteile. Zum einen zeigen die eigenen Vereinsmitarbeiter meistens die größte Motivation. Sie identifizieren sich hundertprozentig mit der Vereinsarbeit und wissen, worauf es bei der Spendergewinnung ankommt.

Agenturen arbeiten zwar professionell, doch die Gefahr von unmotivierten, schlecht bezahlten und wenig informierten Mitarbeitern, die halbherzig einen Infostand betreuen, ist um einiges höher. Die Mitarbeitermotiviation ist grundverschieden. Zum anderen wirkt die Spendenwerbung wesentlich authentischer. So konnte Greenpeace CEE eine Steigerung der Jahresspende in Österreich verzeichnen, nachdem sie sich wieder selbst um ihre Kampagnen kümmerten (Vgl. Habeler. 2010. S. 24).

Elke Wagner, spricht aus Erfahrung, wenn sie sagt: „Nur besonders motivierte und bestens geschulte Mitarbeiter stellen erfolgreiches Werben sicher“ (Werner. 2011. S. 45). Arbeiten Fundraiser mit Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit, so bestechen sie mit überzeugenden Qualitätsmerkmalen. Es sollte dabei nicht vergessen werden, dass die Mitarbeiter stellvertretend für die gesamte Organisation gesehen werden und damit das Bild über die Organisation mit nur einer Kontaktaufnahme stehen oder fallen kann. Eine angemessene Bezahlung sollte dabei nicht zu viel verlangt sein.

Wie sich das Face-2-Face-Fundraising verändern muss

Es braucht Qualitätsstandards für das Face-2-Face-Fundraising, die verbindlich sind für Organisationen und Dienstleister. Der Qualitätszirkel Face-2-Face-Fundraising sollte in diese Richtung gehen, doch ist seit Gründung im Jahr 2011 nichts Wesentliches in diese Richtung zu hören.

Die Fundraising-Branche braucht mehr Engagement in der Selbstregulierung. Wir Fundraiser dürfen Infoständen nicht aus dem Weg gehen. Stattdessen sollten wir zu denjenigen gehören, die aktiv und kritisch Fragen stellen.

Die eingesetzten Arbeitsmittel an den Informationsständen sollten überdacht werden. Zwar bewirken Bilder, Plakate und Flyer immer noch einen gewissen Effekt, jedoch könnten mit Hilfe von Tablets auch Multimedia-Inhalte dargestellt werden. Werden sie effektiv eingesetzt, können sie viele Themen inhaltlich und in ihrer Darstellung bereichern. Dies bietet die Chance Gespräche tiefgehender zu gestalten und an inhaltlicher Qualität zu gewinnen. So könnten dem potentiellem Spender beispielsweise Grafiken und Diagramme zur Veranschaulichung gezeigt werden – und zwar zu den Themenbereichen und Aspekten, die in dem Moment interessieren.

Face-2-Face-Fundraising ist kein Instrument, dass losgelöst und einzeln eingesetzt werden sollte. Stattdessen gilt es sie in Kampagnen einzubetten, also mit Plakaten, pressewirksamen Aktionen, Online-Kommunikation und Mailings zu verbinden. Dabei geht es nicht um bundesweite Kampagnen sondern um die lokale und mehrtägige Multi-Channel-Kommunikation.

3 COMMENTS

  1. Ich halte eine Mischung von professionellen Honorarkräften und “echten” Mitarbeitern an Stand am effektivsten. Gerade weil es bei beiden Gruppen Vor- und Nachteile gibt, kann man gemeinsam voneinander lernen. Den Einsatz von Tablets an Ständen sehe ich kritisch. Zu einem kann man durch die Lichtverhältnisse draußen, häufig nur schwer etwas erkennen zum anderen wirkt eine hochwertige IT-Ausstattung wenig “bedürftig”. Wichtig finde ich noch einen guten Eyecatcher am Stand, evtl. verbunden mit einer “Mitmachaktion”.

    • Hallo Philipp,

      die Darstellung von Bedürftigkeit finde ich ein interessantes Anliegen. Warum sollten wir in der Ansprache potentieller Unterstützer nicht die selbe (authentische) Professionalität an den Tag legen und sichtbar machen, wie wir sie auch in der Projektarbeit verwenden?

      Die Mischung von “echten” MitarbeiterInnen und Honorarkräften ist ein sehr guter Vorschlag, insbesondere wenn dies einen Anlass zur Wertevermittlung bzw. Weiterbildung für beide Seiten darstellt.

      • Hi Jörg,
        ich weiß es ist die alte Nummer, dass eine professionelle Ausstattung die Organisation auch effizienter arbeiten lässt. Was ich im Übrigen auch so sehe. Ich denke nur, dass es im Face2Face Fundraising problematisch sein kann, da es eben immer noch Menschen gibt, die nach dem Motto “Warum soll ich denen Geld geben, wenn die sich sogar Tablets leisten können” handeln. Wenn man es schafft, mit diesen Menschen ins Gespräch zu kommen, kann man ja versuchen diese zu überzeugen, dass eine professionelle Ausstattung für eine professionelle Projektdurchführung notwendig ist und es ohne Overhead nun mal nicht funktioniert. Aber beim Face2Face Fundraising zählt eben auch viel der erste Eindruck …
        Viele Grüße.
        Philipp

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