11. Dezember: Katja Wiese

Katja Wiese ist Geschäftsführerin von Naturefund, einer gemeinnützigen Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Quadratmeter für Quadratmeter Land zu erwerben und somit die Natur zu schützen. Wir freuen uns, dass sie uns heute am 11. Dezember Einblicke in ihren Alltag als Fundraiserin gibt. Danke Katja!

Warum hast du dich für den Beruf Fundraiser entschieden?

Es war bei mir keine bewusste Entscheidung. Vielmehr hatte ich den Wunsch, etwas für die Natur zu tun und dafür braucht man eben Geld ebenso wie Unterstützung. Immer wenn ich mit Firmen oder Menschen rede und ihnen von unseren Projekten erzähle, habe ich das Gefühl, dass ich sie zu etwas Schönem einlade. Ich lade Sie ein, mitzumachen, sich zu beteiligen, aktiv zu werden und dabei selbst etwas an die Natur zurückzugeben, die uns so viel schenkt. Dabei ist Geld nur eine Form, ein Ausdruck dieses Mitmachens und Teilhabens. Ebenso wichtig sind die vielen kleinen und großen Gesten, die uns in unserer Arbeit begleiten. Zum Beispiel die Freude von den Menschen und ihre netten Kommentare auf Facebook, wenn wir wieder ein Projekt gesichert haben. Der langjährige Sponsor, der alle unsere Projekturkunden bei sich im Speisesaal aufgehängt hat. Oder ein Bauer in Madagaskar, dem wir die Anbaumethode dynamischer Agroforst zeigten und der auf die Frage, was er sich wünsche, strahlt und sagt, er wünsche sich, dass sich diese Methode in der ganzen Welt verbreite und dann übersprudelt, weil er so viele Ideen hat, wie das gehen könnte. Geld ist wichtig und ein wichtiger Motor, ohne Geld geht es nicht. Und doch ist es nur ein Teil der Arbeit als Fundraiserin.

Katja Wiese bei der Projektarbeit in Bolivien (Foto: Naturefund)
Katja Wiese bei der Projektarbeit in Bolivien (Foto: Naturefund)

Wie sah dein Werdegang aus?

Eine der ersten und wichtigsten Konstanten für meinen Weg im Fundraising war mein Besuch von Seaworld in Florida, als ich vier Jahre alt war. Meine Mutter berichtete, dass ich zu den Karussells gerannt bin, den Kartenkontrolleur strahlend angelacht habe und dann umsonst mitfahren konnte. Mein Gefühl damals war: Es gibt keine Grenzen und mit einem Lächeln schafft man vieles. Die zweite wichtige Etappe war meine Zeit als Brezelverkäuferin während meines Studiums in Hamburg. Pro Abendschicht hatte ich 100 bis 120 Brezeln, die ich in Kneipen, im Theater und auf der Straße verkaufte. Jeden Abend hatte ich mit etwa 2.000 Menschen Kontakt. Hier lernte ich, Emotionalität und Gedanken, was auf mich zukommen wird, beiseite zu schieben. Jeder Mensch, jede Situation ist anders. Nie konnte ich vorhersehen, was an dem Abend wirklich passiert. Was mir half, war freundlich sein, gelassen bleiben und vor allem mein Ziel nicht aus den Augen verlieren: Die Brezeln schnell zu verkaufen.

Wie sieht dein Alltag aus?

Ich bin kein Morgenmensch. Meisten fange ich gegen 9.30 Uhr an und trinke erst einmal Kaffee und esse ein Schokobrötchen. Oft schaue ich morgens zuerst, wie viele neuen Quadratmeter Land sind über Nacht geschützt und wie viele neuen Bäume gepflanzt worden. Ich glaube, das machen auch viele Patinnen und Paten morgens, denn zu dieser Zeit haben wir sehr viele Zugriffe auf die Projektseiten. Dann mache ich mich an die vielen Aufgaben, die auf meinem Schreibtisch liegen: Anträge schreiben, Fragen aus den Projekten beantworten, mit dem Team Marketingaktionen besprechen, so dies und das. Gegen 12.00 Uhr kocht immer jemand von uns und gegen 13 Uhr essen wir dann gemeinsam. Das ist sehr schön und interessant, denn wir reden über alles Mögliche und nur manchmal über die Arbeit. Dann, hmm, mache ich immer einen Mittagsschlaf. Im Sommer fahren wir an manchen Tagen nach dem Mittagessen eine Runde mit dem Fahrrad. Der Taunus liegt einfach um die Ecke und Fahrradfahren macht den Kopf frei. Nachmittags geht es dann weiter am Computer. Meistens ist dann auch die Zeit, wo ich mit Projektpartnern in Lateinamerika skype. Gegen 18.00/18.30 Uhr ist dann Feierabend. Jeder Tag ist anders.

Was ist das spannendste an deinem Job?

Da gibt es vieles. Sehr spannend sind die Besuche in den Projekten. Es berührt immer wieder mein Herz, wenn ich erleben kann, was wir als immer noch relativ kleine Organisation in Bewegung setzen, wie viele Bäume durch uns wachsen, welche Schutzgebiete entstehen und auch, dass ganze Familien auf uns bauen und uns vertrauen. Einmal hatte ich ein Skypegespräch mit 15 Bäuerinnen aus Nicaragua, denen wir auch die Methode dynamischer Agroforst gezeigt hatten. Eine Bäuerin sagte dann, dass sie den lieben Gott jeden Tag dankt, dass sie diese Methode kennenlernen konnte, denn seitdem erholt sich ihr Land, die Pflanzen sind gesund und sie hat so viel Ertrag wie noch nie zuvor. Vor allem jedoch, und das mache sie besonders glücklich, müssen ihre Kinder nicht mehr mithelfen, um über die Runden zu kommen, sondern können wieder in die Schule gehen. Das Skypegespräch war an einem Augustabend, es war warm, niemand war noch im Büro und ich hatte eine Gänsehaut. Und da wir ja beim Fundraising sind, ganz besonders schön sind auch unsere langjährigen Partnerschaften. Diese Partner sind wie unsere Verbündete, wir ziehen gemeinsam an einem Strang, um zusammen die natürliche Schönheit und Vielfalt auf diesem Planeten zu erhalten.

Wenn jemand den gleichen Weg wie du einschlagen möchte – was würdest du ihm empfehlen?

Gut ist es immer, eine Leidenschaft zu haben, etwas, was einen begeistert, wofür man brennt. Wer dann für diese Sache um Geld und Unterstützung wirbt, hat es meist leichter, dran zu bleiben, hartnäckig und erfinderisch zu sein. Ebenso hilft es mir, die Dinge nicht persönlich zu nehmen, z. B. wenn ich Absagen bekomme. Dann gilt es, einfach eine neue Richtung zu finden, jemanden anderen anzusprechen oder auch neu zu schauen, was brauche ich wirklich für dieses Projekt. Und … es gibt so viele Dinge auf der Welt, die unsere Aufmerksamkeit und Unterstützung brauchen.

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