Was geht 2015? – Teil 2

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Google Glass - sozialmarketing.de
Teil zwei des Blicks in die digitale Zukunft 2015 (CC BY-SA Maik Meid)

Gestern blickten Jörg und Katja in die nahe Zukunft, heute folgen Jan Uekermann, Katrin Kiefer und Maik Meid.

Sag mal Jan, 2015? Was passiert da so aus Deiner Sicht?

Jan Uekermann: „Wir haben also von 24 Kolleg(inn)en gehört, womit wir uns in 2015 unbedingt beschäftigen sollten – und jetzt setzen wir noch ein paar drauf. Na klar, wir haben ja auch sonst nix zu tun! Man könnte eine komplette Abteilung damit beschäftigen, die Dinge zu bearbeiten, zu denen hier aufgerufen wurde/wird — Aber was waren das jetzt nochmal für Themen im Adventskalender?
Dazu müsste man hier ja auch mal einen eigenen Artikel kreieren, der alle Themen auflistet, eine Übersicht oder so… und man müsste dieses verflixte, unpersönliche, distanzierte „man“ endlich verbannen…

Jan Uekermann
Jan Uekermann – uekfactory.com

OK, also versprochen. Da kommt noch ein Nachgang zum Adventskalender 2014. Zwar nicht von man. Aber von mir. Zurück zur Vorhersage: 2015 – womit wir uns beschäftigen müssen?

Weiterhin definitiv mit dem Grossspenden-Fundraising – und vor allem mit allen Themen, die es ausmachen:

  • Spenderin und Spender in den Mittelpunkt unserer Gedanken und unseres Handelns stellen
  • die Spenderbindung verbessern, natürlich auch durch
  • ordentliche, richtig gute Stewardship-Programme – damit Spender/innen auch richtig viel Spass und Freude daran haben, einer Organisation etwas zu spenden.
  • u.s.w.

Ebenfalls müssen auf der Fundraising-Agenda 2015 die Online- und Digital-Themen stehen. Verdammt. Diese Entwicklung rast einfach nur so dahin und irgendwann wird es – wenn es bleibt wie es ist – in vielen Organisationen ordentlich krachen, weil die Leute dann in erster Linie online und digital mit ihnen kommunizieren und spenden wollen.

Um in Online- und Digital-Fundraising wichtigste Unterthemen zu benennen, habe ich die viel besser wissenden Kolleg(inn)en bei getunik/RaiseNow gefragt.

Disclaimer: Denn ja, klar, ich bin natürlich „befangen“. Zum einen grundsätzlich was diese Agentur in Zürich (getunik) und ihre Plattform für Online-Fundraising (RaiseNow) betrifft und zum anderen thematisch, also mit meiner Auswahl dieser must-dos 2015. Ich habe mich dafür entschieden, die Themen Grossspenden-Fundraising und Online-/Digital-Fundraising zu Schwerpunkten meines Handelns zu stellen – mit dem Major Giving Institute und mit RaiseNow, wo ich seit kurzem ebenfalls arbeite – daher diese Auswahl.

Zurück zur Vorhersage: Womit müssen wir uns also im Digital-Fundraising beschäftigen? Hiermit:

  • Kommunikationskanal mobile Endgeräte
  • A/B-Testing von Spendenformularen
  • der Weg vom Spendenbrief zum Onlineformular
  • Vorausgefüllte Formulare via E-mail
  • E-mail-Marketing, insbesondere: Automatisierung, Retargeting und Testing.
  • Ebenso der automatisierte Datenabgleich zwischen dem E-Mail-Marketing-System und dem CRM.
  • Relevante Inhalte, die zum Kerngeschäft der Organisation passen
  • Verbesserung der Möglichkeiten zum digitalen Spenden, idealerweise nicht via Einzahlung via online-Banking, sondern schneller und einfacher
  • Regelmässige Updates an Spender, damit sie wissen, was mit ihrem Geld gemacht wird
  • Medienbruchfreie Kommunikation / Spendemöglichkeit
  • Responsive Website
  • Employee Giving Lösungen für Corporates

Scheint alles viel zu sein? Ja. Ist es. Aber zum Glück sind wir nicht alleine, die das alles umsetzen müssen – und darum setze ich auf meine Agenda 2015 auch noch netzwerken, kooperieren und einfach(er) machen. Alles Gute für 2015!

Und was meinst du, Katrin Kiefer?

Katrin: „Jörg, Katja und Jan haben es bereits betont: Im Jahr 2015 kann und sollte das Überdenken und Optimieren bestehender Fundraising-Instrumente (E-Mailings statt Briefmailings, Ausbau des Online-Fundraising) eine wesentliche Rolle einnehmen. Hinzu kommt die weitere Optimierung der Webseiten für mobile Zugriffe (Responsive Webdesign).

Katrin Kiefer  – netzwerkpr.de
Katrin Kiefer – netzwerkpr.de

Wie steht es aber generell um die Wertstellung des Fundraising in deutschen Nonprofit-Organisationen? Im Jahr 2015 sollte das Fundraising stärker als bislang als Querschnittsaufgabe gelebt und gedacht werden. Vielen zivilgesellschaftlichen Organisationen fällt es schwer, einen organisationalen Wandel zuzulassen und tradierte Mauern zu sprengen (Dass es auch anders geht, zeigen die Entwicklungen der Caritas Deutschland auf dem Weg zur Caritas 2.0). Spenderinnen und Spender denken nicht in Strukturen und Abteilungen, sondern in Themen und Aktionen. Ich wünsche mir daher für dieses Jahr neben einer weiteren Professionalisierung des Fundraising vor allem eine kontinuierliche Aufwertung des Fundraising als elementares Beziehungsmanagement für gemeinnützige Organisationen. Dieser Sinneswandel lässt sich verständlicherweise nicht innerhalb eines Jahres umsetzen, wohl aber kann ein erster Stein ins Rollen gebracht werden. Für diesen Weg viel Mut und Kraft!“

Last not least, Maik Meid.

Maik: „Boah, starke Vorlagen. Eigentlich dachte ich immer, ich sei der Mensch für die Anglizismen. Aber sowohl Katja als auch Jan kann man nicht mehr toppen. Respekt! Wo stehen wir also im Dezember, wo wir heute noch nicht sind? Eigentlich würde ich viel lieber zunächst einmal schauen, ob unsere bisherigen Trends und Vorhersagen aus den vergangenen Jahren eingetreten sind.

Maik Meid - sozialmarketing.de
Maik Meid – fundraisingnetz.de

Ich traue mich aber nicht und fürchte, dass dies nicht so ist. Vermutlich stehen wir in vielen Dingen immer noch dort wo wir vor drei bis fünf Jahren waren. Aus meiner Sicht wird der Spagat immer größer zwischen denen, die gerade im digitalen Bereich an Kompetenzen gewonnen haben und investieren und denen, deren Website immer noch so aussieht wie 1989. Wir werden also 2015 in den meisten Fällen der breiten Masse (nicht der digitalen Avantgarde) immer noch genau dort stehen, wo wir heute sind. Dennoch geht es voran.

Daher denke ich, dass hier ein Trend liegen wird: im Aufräumen. Entweder um wirklich digital durchzustarten, das Fundraising zu analysieren und besonders im digitalen Außenauftritt zu verbessern. Oder im Aufräumen der letzten Büroräume, weil man nicht mehr ernst genommen wird und der Laden langsam dicht gemacht werden darf.

Und ja, ich bin müde. Ich bin müde, Organisationen darauf hinzuweisen und Kärrnerarbeit zu leisten, dass a) Online-Fundraising kein Selbstläufer ist und
b) die eigene Website nicht nur aus Google-soll-mich-lieb-haben-Gründen endlich mal responsive sein sollte (Struktur schaffen wäre ja schon mal ein erster Schritt) und
c) Soziale Medien in der Regel nicht nicht die Weltherrschaft anstreben.

Wenn Jan schon aus der Befangenheit heraus schreibt, dann tue ich das auch. Ich hoffe und wünsche mir für Ende 2015 die Erkenntnis in Nonprofit Organisationen, dass ein gewisses Mindesmaß an Kenntnissen über die Kommunikation der eigenen Themen selbstverständlich sein sollte. Stichwort Medienbeobachtung und Monitoring. Auch da erlebe ich eine zwiegespaltene Szene. Die einen, die sofort eine Sensorik aufbauen und im kleinsten Fall einer herannahenden Krise ihre technischen Agenten und Systeme umstellen, darauf ausrichten und beobachten (lassen) und die anderen, denen Meinungen und Kommunikationen außerhalb ihrer Einrichtung schlichtweg völlig egal sind. Hier wird sich was tun. Ganz bestimmt. Aus Pragmatismus, Not oder – besser – dem in 2015 völlig neu entwickelten Verständnis bei Verantwortlichen. 2016 werden wir darüber berichten ;-).

Ach ja, und ich glaube, dass das in 2015 neu erscheinende Handbuch Fundraising der Fundraising Akademie wertvolle neue Impulse für die fundraisingtheoretische Diskussion hier im Land geben wird und Grundsatzdebatten entfachen könnte. Da freue ich mich drauf.“

That’s it. Und wie seht Ihr das?

Stimmt das, was die Menschen so geschrieben haben? Her mit euren Meinungen und Kommentaren.

3 KOMMENTARE

  1. Organisationsentwicklung, Changemanagement und interne Beteiligungsmodelle für den strategischen Wandel – das unabdingbare Begleitprogramm, wenn alle hier ausgesprochenen Desiderate Wirklichkeit werden sollen: also mutig die Organisationsrealität in den Blick nehmen, bewusst methodisch damit und daran arbeiten, statt den Mangel an diesem oder jenem in der Institutional Readiness zu beklagen (nach dem Motto: Wenn das doch mal so oder so wäre, wenn die doch nur mal…) – ja dann könnten alle Tools und Maßnahmen so erfolgreich sein…) 😉

  2. Hallo zusammen,

    einen kleinen Kommentar zu Katrins Aussage kann ich mir nicht verkneifen: E-Mailings statt Briefmailings kann ich nicht empfehlen! Besser eine sinnvolle und gut geplante Integration von E- und Briefmailings. Dass dann das ein oder andere Briefmailing entfällt – okay. Aber einfach umswitchen würde ich nicht. Wir haben die besten Erfolge, wenn wir die Kanäle integrieren und versuchen, Spender/innen über mehr als nur einen Kanal anzusprechen 😉

    • Hallo Matthias, ich danke Dir für Dein Feedback. E-Mailings sollen Briefmailings selbstverständlich nicht vollständig ersetzen, sie werden aber nach und nach an Bedeutung gewinnen. Von daher gebe ich Dir vollstes Verständnis, dass beide Instrumente ihre Berechtigung haben. Schließlich sind Pauschalaussagen auch nie möglich, da jede NPO eine eigene Spenderschaft besitzt und die Kommunikationskanäle an diesen Stakeholdergruppen ausgerichtet werden müssen.

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