Medicins sans frontiers – Ärzte ohne Grenzen (MSF) leistet seit 40 Jahren unabhängige Hilfe für Menschen in Not. Dies nimmt die Organisation zum Anlass neue Fans zu generieren und eine Spendenaktion mit dem Einsatz sozialer Medien zu starten. Ziel ist es anlässlich des Jubiläums die Anzahl von 40.000 Fans auf Facebook zu erreichen. Anfang Dezember waren es noch knapp 35.000 Fans – heute sind es schon mehr als 50.000 (Verlauf im Pluragraph betrachten). Die Spendenaktion hingegen zielt nicht auf das Geld der Unterstützer ab, sondern auf ihre persönliche Reichweite. Unterstützer sollen auf www.mein-profil-fuer-msf.net ihr Profil spenden und damit der Organisation die Möglichkeit geben Statusmeldungen im Namen des Unterstützers an sein Netzwerk zu senden. Unsere Autoren Katja Prescher und Jörg Eisfeld-Reschke sind geteilter Meinung über diese Aktion.
 Jörg
“Es ist klasse, dass Ärzte ohne Grenzen auch an anderen Ressourcen neben Geld interessiert ist und die persönliche Reichweite ihrer Unterstützer im Auge hat. Aber ich bezweifle, dass sich viele Menschen bereit finden ihr persönliches digitales Netzwerk an eine Organisation zu schenken. Den Zugang über eine Applikation zu ermöglichen und anschließend keine Kontrolle darüber zu haben, welche Nachricht mit dem eigenen Namen kommuniziert wird, dass ist ein Kontrollverlust über das eigene Profil.”
|
 Katja
“Ich selbst habe bei der Aktion mitgemacht und auch Freunde und Bekannte befragt, was sie von der Aktion www.mein-profil-fuer-msf.net halten.’Ich habe vor der Organisation Respekt und vertraue ihr’, sagte eine Bekannte. Eine andere Meinung war: ‘Ärzte ohne Grenzen ist mir ein Begriff, und ich habe das immer als sehr seriös eingeschätzt. Mit oder ohne dieser Aktion’. Als ich persönlich bei der Aktion mitmachte, nutzte ich die Möglichkeit, diese spezifische Option abzuschalten, so dass nun keine Nachrichten in meinem Profil ohne mein Wissen gepostet werden. Ich behalte also weiterhin Kontrolle über mein eigenes Profil.”
|
 Jörg
“Das ein Nutzer die Einstellungen überprüft und auf die eigenen Bedürfnisse anpasst, das ist leider nicht die Regel. Hier sollten die Einstellungsmöglichkeiten sehr viel deutlicher herausgestellt werden. Aber wir sprechen hier immerhin von Empfehlungsmarketing. Wie viel ist eine automatisch generierte Empfehlung auf Deinem Profil wert – egal ob sie einzeln freigeschaltet oder direkt veröffentlicht werden? Sie hat nicht Deinen üblichen Stil und passt womöglich nicht in das Themenspektrum, zu dem Du sonst schreibst. Davon soll sich der persönliche Freundes- und Bekanntenkreis angesprochen fühlen?”
|
 Katja
“Ja das stimmt Jörg, bei den Einstellungen gibt es ein Opt-Out und kein Opt-In. Doch es ist eindeutig klar, worin ich wem gegenüber was zustimme. Ob es sich um einen automatisch generierten Post handelt oder nicht, ist für meine Freunde nicht ersichtlich. Die Posts haben meinen Stil, zuvor habe ich dem (mein Profil zu spenden) immerhin zugestimmt. Meine Freunde teilen ähnliche Werte, darum werden einige interessiert sein. Folgende Zahlen sprechen für sich: Ärzte ohne Grenzen gewann innerhalb einer Woche mehr als 5.000 FB-Fans hinzu. Bei Bekanntgabe auf Facebook (FB) liken über 1.000 Fans diese Erfolgsmeldung. Gewöhnlich reagieren etwa 100 Fans auf einen FB-Post von MSF.”
|
 Jörg
“Es bleibt letztlich eine Frage von Quantität oder Qualität. Auf der quantitativen Ebene ist die Aktion erfolgreich – das zeigt auch der Verlauf im Pluragraph. Wenn wir die Aktion auf Facebook betrachten, dann sollten wir den Edgerank nicht außer Acht lassen. Der Edgerank-Algorithmus entscheidet über die Sichtbarkeit von Meldungen in dem Newsfeed der Fans. Dieser ergibt sich unter anderem aus dem Verhältnis von allgemeiner und persönlicher Interaktionsrate mit der Gesamtzahl der Unterstützer. Das kann dazu führen, dass eine Seite mit einer sehr hohen Unterstützerzahl aber geringer Interaktionsrate letztlich weniger Menschen im Newsfeed sichtbar ist, als eine Seite mit weniger Unterstützern aber deutlich intensiverer Diskussion einzelner Beiträge. Um den Erfolg auf der qualitativen Ebene einschätzen zu können, sollten wir den Verlauf der Interaktionsrate länger beobachten. Fällt es wieder auf die gewöhnlichen 100 Interaktionen zurück, dann könnte die Aktion mittelfristig der Sichtbarkeit auf Facebook geschadet haben.”
|
 Katja
“Genau Jörg, der qualitative Erfolg MSF-Kampagne auf Facebook, wie z.B. aktuelle Informationen über die Hilfe für Menschen in Not weiterzutragen, wird langfristig auch vom Edgerank abhängig sein. Doch Ärzte ohne Grenzen wird hierfür sicherlich entsprechende Aktionen planen, die die Interaktion der Fans auf ihrer FB-Seite steigert. Erfahrungswerte anderer sagen bereits voraus, dass die Interaktionsrate bei steigender Fan-Anzahl sinken kann. Dieser Herausforderung müssen wir uns in Zukunft stellen. Bei der Kampagnenplanung steht demnach die Frage, welche Aktion mit welcher Zielsetzung verknüpft wird – zum einen mit dem Ziel der steigenden Fan-Anzahl und zum anderen mit dem Ziel der steigenden Fan-Aktivitäten innerhalb der eigenen Fanseite, um einen besseren Edgerank und damit eine bessere Sichtbarkeit im Netzwerk der Freunde zu erzielen.
Jörg, im oberen Kommentar schrieb ich etwas zum Opt-In. Es gab sowohl ein Opt-Out als auch ein Opt-In bei der Online-Kampagne “Spende mein Profil”. Das Opt-In galt für die Einwilligung, dass maximal drei Nachrichten in dem Namen des Unterstützers gepostet wurden.” Screenshot vom Opt-In >>
|
Ärzte ohne Grenzen hat das Kampagnen-Ziel bereits nach einer Woche erreicht: 40.000 Fans. Mehrere tausend Unterstützer folgten dem Aufruf und spendeten ihr Profil. Sie gaben damit der Organisation die Möglichkeit Statusmeldungen ihn ihrem Namen an das Netzwerk des Unterstützers zu posten.
Helfen Sie interessierten Fundraisern ihre Neugierde zu stillen!
Bitte wählen Sie einen Punkt aus der Liste unter der Frage und klicken Sie ihn an. Ihre Antwort wird nach der Eingabe direkt ausgewertet und das Ergebnis angezeigt.
Wir stellten fünf Fragen an Ärzte ohne Grenzen zur Online-Kampagne zum 40-jährigen Jubiläum – “40 Jahre – 40.000 Fans”. Zum Interview mit Gaby Frank, Online-Redakteurin und Hauke Altmann, Web Developer, Abteilung Medien- und Öffentlichkeitsarbeit bei Ärzte ohne Grenzen e.V. / Médecins Sans Frontières geht es hier >>
Ein Kommentar auf Streitgespräch: Dein Profil für MSF
Auf http://justcoz.org gibt es ein ähnliches Projekt, frei für alle NGOs, aber auf Twitter beschränkt. Beispielsweise von Greenpeace Schweiz: http://justcoz.org/Greenpeace_ch