Rückblick auf die re:campaign – die besten Kampagnen im Netz

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    Die „besten Kampagnen im Netz“ versprach die re:campaing am 6. & 7. Mai in Berlin. Zwei Tage konnte man diskutieren und erfahren, wie politische und gesellschaftliche Ziele mit Online-Kampagnen erreicht werden können. Das Programm ist vielfältig, von Mobilisierung per Handy bis E-Partizipation, von Content-Strategie bis zur effektiven Nutzung von YouTube. Der zweite Tag ist als Barcamp organisiert, d. h. das Programm wird erst morgens gemeinsam festgelegt. Jeder kann seine Themen, aber auch Fragen einbringen. Rund 20-30 Vorträge und Diskussionsrunden kamen so zu Stande.

    Lohnt es sich als Fundraiser dort hinzugehen? Was können Fundraiser lernen?
    Sehr viel, auch wenn es nicht direkt um Spendenwerbung geht. Die erste Keynote –Sprecherin war Betsy Hoover, Direktorin des Online-Wahlkampfs von Barack Obama. Während ihres Vortrages erklärt Sie die „Leiter des Engagements“ und damit eher nebenbei, warum so viele Online-Fundraising-Aktionen scheitern. Sie zielen direkt auf Spenden und überspringen damit die ersten beiden Stufen des Beziehungsaufbaus. Als erster Schritt wäre es wichtig jemanden von den eigenen Inhalten soweit zu überzeugen, dass er der Kampagne auf einem sozialen Netzwerk folgt oder sich für den Newsletter anmeldet. Der zweite Schritt wäre, das er Inhalte mit seinen Freunden und Bekannten teilt. Daran kann man dann anschließen und um weitere Unterstützung durch eine Spende bitten.

    Der zweite Key-Note-Sprecher war Ben Scott. Er betont einen Punkt der auch für Fundraiser zentral ist. Im sozialen Netz ist „Sprechen“ nur die dritte Wahl für Organisationen. „Zuhören“ und vor allem „Beteiligen“ sind wesentlich wichtiger: „People want to be heard. They want to interact.“ Die klassische Kommunikation existiert in sozialen Netzwerken nicht. Es geht nicht darum zu sagen, „Das ist meine Botschaft“, sondern um „Das sind meine Überlegung, bitte interpretiert sie.“ Ein kompletter Wechsel der Perspektive. Als Maß für den Erfolg einer NGO sieht Scott zukünftig wie schnell sie sich einem Wandel anpassen kann. Während er spricht wird deutlich vor welch großen Herausforderungen NGOs zukünftig stehen, wenn die technischen Möglichkeiten, wie z. B. Smartphones, sich in der Breite durchgesetzt haben.

    Am Nachmittag erklärt Hannes Jähnert sehr fundiert, wie man mit neuen Formen der ehrenamtlichen Arbeit Freiwillige gewinnt. Besonders Augenmerk liegt dabei auf Milieus und Gruppen, die mit traditionellen NGO-Strukturen nichts anfangen können und bisher nicht erreicht werden konnten. Da die Präsentation sehr gut, aber einigen Zuhören etwas zu theoretisch war, legt er am BarCamp-Tag nach und erläutert sein „New Volunteer Management“ an Hand von Praxisbeispielen.

     

     

     

     

     

    Hennes Jakobsen von YouTube erklärt, wie NGOs mit Videos erfolgreich sein können. Erkenntnis für mich ist aber viel mehr, dass YouTube keine Videoplattform mehr ist, sondern ein soziales Netzwerk und eine der meist-genutzten Suchmaschinen. Wer gefunden werden möchte, sollte über einen YouTube-Kanal nachdenken. Dazu muss nicht jede Woche ein Video online gehen, die Lücken zwischen Videos können mit Kommentaren oder Playlists sinnvoll gefüllt werden (Informationen für NGOs auf YouTube gibt es hier).

    Brigitte-Alice Radl führt in einem zu Recht völlig überfüllten Raum in die Content-Strategy ein. Dabei warnt sei eindrücklich für Schnellschüssen oder einfachen Rezepten. „Content Strategy ist ein Set von Methoden um Inhalte zu planen und interne Strukturen zu gestalten.“

    Das Programm ist insgesamt sehr gut, neben den exzellenten Key-Note-Sprechern gibt es (fast nur) gute bis sehr gute Referenten und dazu optimale Vernetzungs- und Beteiligungsmöglichkeiten am Barcamp-Tag. Bei so vielen guten Sessions ist es schade, dass man immer nur eine gleichzeitig besuchen kann. Bei Felix KolbJona Hölderle und Katrin Voss scheine ich etwas verpasst zu haben. Gut, dass dokumentiert wurde und es reichlich Audiomitschnitte gibt.

    Einziges Manko: Der Ort war für eine Veranstaltung dieser Art und Größe wenig geeignet, vor allem aus akustischen Gründen. Organisation, Auswahl der Referenten und Moderation waren im Übrigen großartig und ich kann nur empfehlen die re:campaign 2014 zu besuchen.

    Kurzfassung für eilige Leser:

    Wo Kampagne draufsteht, ist Kommunikation drin. Daher ist die re:campaign eine Top-Veranstaltung für alle Fundraiser, die wissen wollen wie man online kommuniziert.

    Link zu den Dokumentationen
    Link zu den Audiomittschnitten

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