Recap: die ConSozial 2015 mit Fundraisingbrille

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    Ach, die ConSozial. Seit 20 Jahren bin ich im kirchlich-diakonischen Umfeld tätig und seit zehn Jahren Fundraiser. Davor in der Sozialarbeit unterwegs. Und bislang habe ich es noch nie geschafft, nach Nürnberg zu kommen. Wollen wollte ich immer, hat aber nie gepasst. Aber dieses Jahr war es anders.

    Was ist die ConSozial?

    Die ConSozial ist die nach eigenen Angaben größte „KongressMesse“ der Sozialwirtschaft. Es treffen sich kleine und große Player aus dem dritten Sektor, um vor Ort die Fachlichkeit zu steigern, sich auszutauschen, zu netzwerken und die Trends der Zukunft nicht zu verschlafen. Parallel fand dazu ein KiTa-Kongress statt, was auch an den recht hohen Zahlen der Erzieherinnen und Erziehern erkennbar war. Um mal ein Klischee zu bedienen, so waren sie durchaus unter den anderen Besucherinnen und Besuchern erkennbar. Übrigens ebenfalls wie die vielen Studierenden der Sozialen Arbeit. (War selber mal einer, ich darf das sagen ;-).)

    Das Vortragsprogramm selbst ist sehr vielfältig aufgestellt, viele Referentinnen und Referenten bieten auf zwei Tagen Einblicke in Pflegethemen, Datenschutzdebatten, neue Softwareprodukte, rechtliche Veränderungen und vieles mehr. Auf der Messe präsentieren sich jährlich kleine und große Mitspieler auf der Wiese der Sozialwirtschaft: Vom Bayerischen Sozialministerium über diakonische Komplexanbieter, Aktion Mensch und Co. bis zu kleineren Initiativen, Beratungsunternehmen und Softwareschneidereien.

    Aber schauen wir mal mit der Fundraising Brille auf die ConSozial. Die ist nämlich im Jahr 2015 eher noch eine Sonnenbrille mit starker Tönung.

    Blick auf den Kongressbereich der ConSozial 2015.
    Blick auf den Kongressbereich der ConSozial 2015.

    Wie ist das denn mit dem Fundraising da?

    Über den Deutschen Fundraising Verband kam die Anfrage, ob das persönlich besetzte Thema Monitoring nicht gut für einen Vortrag sei. Nach kurzem Hin und Her wurde dies dann auch Teil des Programms, so dass ich als Referent vor Ort war und Angst vor dem „Shitstorm“ nehmen sollte, da dieser sich nachweislich und in vielen Fällen vorher ankündigt. Das war auch trotz des ungünstigsten Slots (letzter Zeitrahmen auf dem Kongress, danach war Schluss) sehr schön, wenn ich mich auch als Exot gefühlt habe, obwohl die Sozialwirtschaft zum täglichen Brot eines Fundraisers gehört.

    Betrachtet man das Programm, so waren da kaum Fundraising- und echte Digitalthemen zu finden. Matthias Daberstiel und Bettina Charlotte Hoffmann präsentierten in jeweils einer Stunde Grundsatzthemen zum Fundraising. Während ich Matthias nur ein paar Sekunden im Abrauschen zum Taxi sprechen konnte, so schaute ich mir den Vortrag der sehr geschätzten und gemochten Kollegin von Brot für die Welt an. Und im Anschluss beim Kaffee waren wir beide sehr verblüfft. Denn in der kurzen Zeit packte Charlotte wirklich nur das kleine Besteck im Fundraising aus. Echte Basics zur Spenderbindung. Keine Raketentechnologie und auch nichts Neues. Und die Menschen im Saal, so um die 30 Personen, hingen ihr an den Lippen. Sie sogen das auf, wie ein Wüstenschwamm das Wasser.
    Ein weiteres Zeichen dafür, dass Fundraising im zumeist durch subsidiäre Dienstleistungen finanzierten Sozialgewerbe ein nur geringbedeutendes Thema ist. Aber allein die 30 Menschen im Workshop sind ein Zeichen. Aber ansonsten war es wie schon erwähnt mau mit Fundraising Themen.

    Keine Agentur, kein Berater, kein Softwarehaus.

    Auf der Messe mit Ausnahme der Kolleginnen von der Fundraising Akademie kein einziger Stand, der sich mit Fundraising befasste. Vertraut man Arne Peper, der als Geschäftsführer des DFRV vor Ort war, so wird sich das in den kommenden Jahren ändern. Denn in einer Facebook Diskussion brachte er ein, dass Fundraising in den kommenden Jahren auf der ConSozial eine größere Rolle spielen wird. Das glaube ich auch. Denn die Player sind da, die Messe wächst und Fundraising bekommt insgesamt eine andere Bedeutung.

    Weitere Eindrücke

    SOS-Kinderdorf war mit einem auffälligen Stand sehr präsent vor Ort. Allerdings nicht zur Spendenwerbung ;-), sondern um sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen. Diesen Ansatz fuhren mehrere Aussteller. Das Thema Fachkräftemangel spielte also eine größere Rolle, ebenfalls auch das Positionieren von Bewerberinnen und Bewerbern und das Schickmachen für den Arbeitsmarkt.

    Der Abend der Begegnung am Ende des ersten Tages war mein Start in die ConSozial, da ich vorher noch anders zu tun hatte. Dieser kostete 38,- €, es gab lecker Essen, aber Messeraum bleibt eben Messeraum. Somit kam und sollte aber wohl auch keine echte Stimmung aufkommen. Vielleicht liegt es an meiner Vorstellung, ein Konferenzabend dieser Art müsste immer so spät und lustig enden wie der auf dem Deutschen Fundraising Kongress. Aber dem ist nicht so. Kein DJ, aber immerhin eine Ansprache. Ich hab mich gegen 21.00 Uhr auf den Weg ins Hotel gemacht (Dieses Mal hatte ich übrigens Glück.), und die Vertriebsmenschen vor Ort weiter Vertrieb machen lassen. Das war schon sehr extrem zu bemerken.

    Und sonst?

    Selten eine so großartige Messeanlage gesehen. Modern und durchdigitalisiert. Und wo hat man schon mal Messehallen, wo durch zwei von vier Seiten Tageslicht herrscht? Allerdings vermute ich, dass da Seehofers Bengel Söder das ein oder andere finanziell kompensiert. Aber das sind unbewiesene Behauptungen, die hier von mir nicht auf Wahrheit überprüft wurden.

    Die ConSozial bleibt bei mir auf dem Schirm, wenn sie wohl auch schon nach Aussagen langjähriger Besucher bessere Zeiten erlebt hat. Ich fand’s gut und wünsche, dass Arne Recht bekommt und Fundraising noch einen Zahn zulegen kann.

    Die kommende ConSozial findet übrigens vom 26.-27. Oktober 2016 wieder in Nürnberg statt.

    1 KOMMENTAR

    1. Interessanter Beitrag, lieber Maik! Man kann es gar nicht glauben, dass Fundraising für Viele immer noch nahezu unbekannt ist und wir Fundraiser rosigen Zeiten entgegengehen müßten …
      Schöne Grüße aus Hannover
      Elisabeth

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