Recap: 10. Mitteldeutscher Fundraisingtag 2013 in Jena

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    Jubiläum in Jena. Am 12. März 2013 fand der Mitteldeutsche Fundraisingtag in Jena zum 10. Mal statt. Eine runde Sache also, was die Veranstaltung an sich ebenso bewies. Nach Angaben der Organisatorin und Kollegin Doris Voll kamen 140 Menschen in die Ernst-Abbe-Fachhochschule in Jena. Einen ganzen Tag lang lag erneut Fundraising in der Luft, veranstaltet vom Fundraising-Forum e.V., der Diakonie und der Ev. Kirche Mitteldeutschland.

    Fundraising gestern – heute – morgen

    Doris VollZiel war es, einen Spagat zu machen zwischen dem, was in Ostdeutschland und dem Rest der Republik vor zehn Jahren im Fundraising war und was bei einem Blick in die Kristallkugel in zehn Jahren sein könnte.

    Marita Haibach und Lothar Schulz, Pioniere des deutschen Fundraisings eröffneten daher auch den Tag mit den Erlebnissen aus den Anfangstagen des Fundraisings in Deutschland. Schulz kritisierte dabei, dass der Fundraisingaufbau aus seiner Sicht zu schnell ging, zumindest was die Fixierung auf das reine Instrumentendenken anging. Es ginge immmer noch zu häufig um das reine Spenden sammeln als denn um strategisches Fundraising. Es sei eben nicht gelungen, den Boden zu bereiten und Fundraising als gesellschaftsentwickelndes Werkzeug zu vermitteln.

    Thomas Kreuzer, Leiter der Fundraising Akademie unterstrich, dass gerade aktuell die deutsche Fundraisingszene es nicht schaffe, benachbarte Disziplinen und „Welten“ kennen zu lernen. Besonders wies er auf die Entwicklungen bei Social Business, CSR, Social Entrepreneurship und die Annäherung zwischen den Profit- und Nonprofit-Definitionen hin, die teilweise völlig an den Zielen und Ansätzen im deutschen Fundraising vorbei liefen.

    Hugo Pettendrup erwähnte besonders die Entwicklung im Bereich CSR (Corporate Social Responsibility) und die enormen Dimensionen von Veränderungen, die eine Weiterentwicklung und Dynamisierung dieses Bereichs mit sich bringt. Sein Beispiel: Es sei schon fast normal, wenn eine Autofirma ein Kinderhospiz unterstützt. Sinnvoller wäre es jedoch, wenn eine Autofirma beispielsweise Fahrsicherheitstrainings unterstützen und finanzieren würde. Dies sei zumindest schon mal näher am eigentlichen Auftrag. Wenn es aber dann gelänge, eine NGO zu finden, die gemeinsam mit der Autofirma dafür sorge, dass der Wasserverbrauch und die -verschmutzung beim Lackieren langfristig abnehmen würde, dann wäre der erste bessere Schritt hin zu Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung getan.

    Ralf-Uwe Beck von der Ev. Kirche Mitteldeutschland betonte, sich nicht von „von gegelten Yuppies besuchten“ Veranstaltungen wie dem Deutschen Fundraising Kongress blenden zu lassen sondern einfach zu starten und „mit der Sammeldose in der Hand loszuziehen“.

    Und sonst?

    Der Mitteldeutsche Fundraisingpreis wurde an Günther Ramthor aus Apolda verliehen, der seit Jahren mit Hilfe seiner Stiftung für Stipendien sorgt.

    Besonders zu benennen ist noch die von Prof. Lakemann vorgestellte Studie über den aktuellen Stand der Forschung zu Geldspenden in Deutschland, die hier zu finden ist. Sicherlich eine Lektüre wert.

    Persönliches Fazit

    Der Mitteldeutsche Fundraisingtag war und ist eine Reise nach Jena wert, nicht zuletzt auch als sehr preisgünstige Alternative zu weiteren Fachtagen. Perfekt (mit)organisiert durch die Mithilfe der Jenaer Studentinnen und Studenten machte es Freude, vor Ort zu sein. Dennoch kam mir der inhaltlich gewollte Spagat an einigen Stellen doch zu akademisch vor. Es ist richtig, strategisches Fundraising stockt in Deutschland und die echte Innovations- und Lobbykraft fehlt.
    Gründe genug, sich damit zu befassen. Die Gespräche, die ich persönlich mit Teilnehmenden geführt habe und die ich beim „Flurfunk“ gehört habe, gingen in die völlig andere und bekannte Richtung: Wie bekomme ich Spenden? – und damit war leider nicht der langfristige und systemische Ansatz gemeint. Und viele der zurück- und vorausschauenden Aussagen über die Zukunft waren vor einigen Jahren identisch mit denen in Jena.

    Disclaimer

    Ich selbst war als Referent vor Ort und durfte meine Einschätzung über die Zukunft des Fundraisings abgeben, diese in einer weiteren Veranstaltung verteidigen und zuletzt noch eine Einführungsveranstaltung zum Thema Online-Fundraising durchführen. Durch die Wetterlage konnte ich leider nicht mehr beim anschließenden Sektempfang sowie dem Podiumsgespräch u.a. mit dem Thüringer Finanzminister teilnehmen. Hierüber müssen dann andere Menschen etwas schreiben ;-).

    2 KOMMENTARE

    1. Danke für den schönen Bericht, Maik. Wie aber Ralf-Uwe Beck zu seiner Einschätzung von den “von gegelten Yuppies besuchten” Veranstaltungen wie dem Deutschen Fundraising Kongress“ kam und statt dessen die gute alte Spendendose als Ideal pries – das pure Gegenteil von nachhaltigem Fundraising, das erschließt sich mir nicht. Von 600 Teilnehmenden des DFRK fielen mir nicht mehr als eine handvoll Personen ein, auf welche diese Einschätzung annähernd passen würde. Ich frage mich, welchen Frust er da gerade hatte …

      • Lieber Kai.
        Erst mal auch über diesen Kanal ganz herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag!
        Deine Kritik teile ich und habe vor Ort bei meinem Statement auch interveniert. Frust war sicherlich im Spiel. Er sagte, dass er früher auch häufig vor Ort gewesen sei, aber jetzt nichts mehr draus ziehen könnte.
        Vielleicht liest er es ja und äußert sich dazu?!

        Viele Grüße,
        Maik

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