Ein Mindest(!)standard für Online-Fundraising?

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Dem aktuellen DZI-Spendenalmanach 2015 habe ich einen Beitrag zugefügt, in dem ich meine Einschätzung zum aktuellen Zustand des Online-Fundraising in Deutschland wiedergebe. Und nicht alles ist positiv – Deutschland ist weiterhin ein Online-Fundraising-Entwicklungsland.

Im Rahmen des Artikels habe ich auch meinen Mindest(!)standard für Online-Fundraising beschrieben:

Der Anfang im Online-Fundraising ist nicht schwer. Es sind kleine Maßnahmen, mit denen jeder noch so kleine Verein und jede Organisation beginnen kann. Sie benötigen kaum zeitlichen und finanziellen Aufwand und bilden zusammen den Mindeststandard für Online-Fundraising:

  1. Die Angabe des Spendenkontos auf der Startseite erleichtert potentiellen Spendern die Suche. Sie können diese handschriftlich auf einem Überweisungsträger eintragen oder in das entsprechende Formular ihres Online-Bankings kopieren. Letzteres setzt allerdings voraus, dass die Kontonummer tatsächlich als Text eingebunden ist und nicht aus vermeintlichen Sicherheitsbedenken als Grafik.
  2. Professionelle und sichere Spendenformulare werden von Banken und zahlreichen Dienstleistern angeboten. Sie müssen lediglich in die Webseite integriert werden und ermöglichen nachfolgend allen Unterstützern direkt über die Webseite der Organisation eine Spende zu veranlassen. Je nach Ausgestaltung können mehr oder weniger Informationen der Spender gespeichert und zwischen einer einmaligen und einer regelmäßigen Spende unterschieden werden.
  3. Auf Spendenplattformen wie Betterplace (www.betterplace.org) und HelpDirect (www.helpdirect.de) erstellen gemeinnützige Einrichtungen ein Profil und können Spenden von Zufallspendern (Besucher der Plattform) erhalten oder indem sie eigene Unterstützer zur Transaktion dorthin leiten.

Nun interessiert mich, was ihr denkt. Teilt ihr die Einschätzung, dass diese drei Aktivitäten das Mindestmaß an Online-Fundraising ist, dass man wirklich von jeder spendensammelnden Organisation erwarten darf?!

PS: Der DZI-Spenden-Almanach 2015 ist für 12,80€ inkl. MwSt. zzgl. Porto/Versand beim Deutschen Zentralinstitut für Soziale Fragen erhältlich.

6 KOMMENTARE

  1. Hallo Jörg,
    guter Aufschlag, den ich so unterschreiben würde.
    Was ich allerdings noch hinzufügen würde ist das Thema Sicherheitsstandards. Wir erleben leider immer noch öfter, dass Organisationen Spender- und Zahlungsdaten ungesichert übertragen. z.B. über selbstgebaute Webformulare oder dann per Email.

    Dann lässt man aus unserer Sicht lieber die Finger davon, denn der Schaden wäre echt zu hoch! Oder man lässt sich eben helfen.

    Ein weiterer Standard, der nichts kostet, ist ein simpler „Jetzt Spenden“ Button. Wenn ich als Organistaion auf meiner Seite Spenden sammeln möchte, dann muss ich das auch SAGEN! 🙂
    Und dann aufs Formular verlinken oder wenns sein muss auf die Kontonummer. Das macht es potentiellen Spenden viel leichter!

    Gruß vom Altruja Team
    Nico

  2. Sicherheitsstandards – auf jeden Fall. Das habe ich bei „professionellen und sicheren Spendenformularen“ auch gedacht bzw. gemeint. Und die Tools, die von Banken und Dienstleistern angeboten werden, da sollte das gewährleistet sein…

    Und Spenden-Button auf der Startseite, ja, das könnte gut die vierte Mindestanfoderung sein!

  3. Eine kleine, aber feine Liste. Wenn die Einschränkung auf aktiv spendensammelnde Organisationen reduziert wird, dann würde ich Punkt eins und zwei blind unterschreiben: Denn, wer hat [und zeigt], dem wird [vermutlich] auch gegeben (sorry Matthaeus, passte hier gerade irgendwie). Zieht man den Bogen weiter auf spendenbedürftige Organisationen, die es insgesamt mit dem kontinuierlichen Spendensammeln noch nicht so hinbekommen, sieht das etwas anders aus. Auch für den Online-Spenden-Rahmen würde ich hier erst einmal eine gewisse Institutional Readiness abprüfen. Das Beste an solchen Short-List-Veröffentlichung ist, dass sie den Verantwortlichen in Organisationen mal wieder Argumentations-Futter gegenüber Kritikern geben, die alles Neue und „Unangenehme“ schon im Keime ersticken.
    Man muss sich mal den persönlichen Druck auf die Verantwortlichen vorstellen, den so ein Spenden-Aufruf, Button o.ä. auf der Startseite einer Organisation ausüben kann. Große Diskussionen – bringt es etwas, oder bringt es nix? Schadet es vielleicht sogar? Das geht sogar so weit, dass hier von verantwortlicher Seite über Familien- und Freundes-Kreise eifrig online gespendet wird, nur um ein persönliches Scheitern zu verhindern. Kommt zwar auch Geld zusammen, ist aber sicher nur eine Verschiebung in den Eingangskanälen.
    Und auf Deine Frage gezielt – ich würde die Liste erweitern um den Punkt der Darstellung von: Was mache ich tolles mit dem Geld, das hier eingesammelt werden soll.
    Ich freue mich auf weitere spannende Themen
    Ralph von SPENENMUS.DE

  4. Zu Punkt 3:
    Von Help Direct würde ich aktuell abraten. Auch wenn man auf die Organisationsseiten geht ist groß und deutlich der Spendenbutton und die Bankverbindung von Help Direkt zu sehen. Die Spendenmöglichkeit der Organisation ist extrem hinter einem Wust von Buttons versteckt. Ich schätze, dass hier mindestens 90 % der Spenden, die vom Spender für die Organisationen gedacht sind, über den auffälligen Button ungewollt an den Help Direkt e.V. gespendet werden und nicht bei den Organisationen ankommen.

    Betterplace hat für Organisationen, die tatsächlich in Kommunikation zu ihren Spendern treten wollen, auch problematisch, da die Spender bei Betterplace landen. Die Spende wird zuverlässig weitergegeben. Die Spender bekommt man zur weiteren Kommunikation nur, wenn die Spender dies aktiv im Formular angehakt haben. Auch hier problematisch, wenn über Betterplace gespendet wird und die Spender bei der Organisation nach der Bescheinigung fragen. Für kleine Organisationen oder Aktionen aber ein sehr interessantes Tool.

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