Hochschul-Fundraising in Deutschland vor dem Take-Off?

0
Marita Haibach
Dr. Marita Haibach, seit vielen Jahren als Beraterin im Fundraising-Bereich tätig. Autorin des Buchs „Hochschul-Fundraising“

Vom 19. bis 21. März 2012 fand die 6. Tagung „Fundraising für Hochschulen“ an der Evangelischen Akademie Bad Boll statt. Die Veranstaltung, die seit 2002 im Zweijahresrhythmus durchgeführt wird, wurde von knapp 100 Hochschul-Fundraiser/innen und solchen, die es werden wollen (sowie einigen wenigen Professoren und Rektoren) aus ganz Deutschland sowie Einzelne aus Österreich und der Schweiz besucht. Die Tagungsleitung liegt von Anfang an bei Dr. Irmgard Ehlers (Ev. Akademie Bad Boll), der Hochschulrektorenkonferenz (Brigitte Göbbels-Dreyling) sowie Dr. Marita Haibach. 2012 neu hinzugekommen sind alumni-clubs.net sowie der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft.

Spitzenreiter im US-Fundraising – noch immer Schlusslicht hierzulande

In den USA nimmt das Hochschul-Fundraising in mehrfacher Hinsicht eine Spitzenreiter-Funktion ein: beim Anteil am privaten Fördervolumen (abgesehen von Religion), bei den Megaspenden (im mehrstelligen Millionenbereich), bei den Größenordnungen der Fundraising-Abteilungen sowie bei der Bezahlung von Fundraisern und Fundraiserinnen.

In Deutschland ebenso wie in Österreich und der Schweiz aber steckt das Hochschul-Fundraising noch immer in den Kinderschuhen – und dies trotz der Tatsache, dass schon seit mehr als einem Jahrzehnt da und dort Anläufe zum Durchstarten unternommen wurden. Hochschulen erhalten auch ohne Fundraiser/innen immer wieder private Fördermittel, seien es Stiftungsgelder, Testamentspenden, Sponsorenleistungen und Spenden, allerdings nicht kontinuierlich. Insbesondere Stiftungsprofessuren wurden in den 2000er Jahren vielerorts zu einem populären Förderzweck. Aktuelle Zahlen zum Hochschul-Fundraising insgesamt, wie die Höhe der privaten Fördereinnahmen insgesamt, deren Quellen, die Zahl der Fundraiser/innen und anderes mehr – gibt es allerdings bislang nicht. Das CHE (Centrum für Hochschulentwicklung) in Gütersloh startete zwar Mitte der 2000er eine Initiative in dieser Richtung, die aber bedauerlicherweise nicht fortgeführt wurde.

Von der Neugierphase zur Machphase

Pioniere im Hochschul-Fundraising in Deutschland waren die private Universität Witten-Herdecke sowie unter den öffentlichen Hochschulen die Technische Universität München (TUM) und die Universität Mannheim. Letzteren konnten bereits in den späten 1990er und frühen 2000er Jahren durch groß angelegte Fundraising-Kampagnen Millionenbeträge einwerben. Auch Institutionen mit aktiven Universitätspräsidenten wie die Universität Hamburg oder die Goethe-Universität Frankfurt am Main und andere mehr gelang es in den vergangenen beiden Jahrzehnten, in größerem Maßstab private Förderer für ihre Institutionen zu mobilisieren – und dies ohne Fundraising-Mitarbeiter/innen. In Frankfurt ging dies Hand in Hand mit der neu erblühten Freundesgesellschaft der Universität unter der ehrenamtlichen Leitung des früheren Deutsche-Bank-Chefs Hilmar Kopper. Das Interesse an der erste Hochschul-Fundraising-Tagung in Bad Boll 2002 war groß: Viele kamen, waren neugierig, wollten wissen, was zu tun ist.

Besonders Megaspenden ab Mitte der 2000er Jahre wie die 200 Millionen Euro von dem inzwischen verstorbenen Klaus Jacobs an die International University Bremen (via seiner Stiftung), die inzwischen den Namen Jacobs University trägt, die Millionenbeträge des SAP-Gründers Hasso Plattner für das HPI an der Universität Potsdam und andere mehr haben viele Hochschulen aufhorchen lassen.

Im Laufe der 2000er Jahre erkannten  Hochschulen zwar zunehmend die Bedeutung der Systematisierung und Professionalisierung des Fundraisings, doch relativ wenige machten sich tatsächlich auf den Weg und richteten Fundraising-Stabsstellen bzw. ein Fundraising-Büros ein. Oft scheiterten die zaghaften Gehversuche daran, dass Hochschulgremien keine Mittel für Stellen und Investitionen ins Fundraising bewilligten.

Frischer Wind durch das Deutschland-Stipendium

Die Einführung der Deutschland-Stipendiums 2011 führte zu einer Aufbruchsstimmung in Sachen Fundraising an deutschen Hochschulen. Die Zahl der Hochschulen, die Fundraiser/innen beauftragten, stieg, oft handelte es sich um Personen, die ohnehin bereits an der Institution tätig waren, doch  zum Teil gab es auch Neueinstellungen. Vor dem Hintergrund des von der Bundesregierung eingeführten Matching-Programmes (diese legt pro Studium die Hälfte = 1.800 Euro jährlich drauf) beteiligten sich drei Viertel aller 388 Hochschule in ganz Deutschland und gewannen private Stipendien-Förderer. Allerdings wurde die Höchstförderquote von Stipendien für 1 Prozent aller Studierenden nicht erreicht, sondern lediglich 0,45 Prozent. Mittelfristig wird sogar eine Höchstförderquote von 8 Prozent angestrebt. Bei den Geldgebern handelte es sich fast ausschließlich um Unternehmen. Etwa 2.100 Förderer stellten insgesamt rund 10 Mio. Euro zur Verfügung.

Perspektiven

Viele Hochschulen kümmern sich bislang lediglich nebenbei und halbherzig um die Gewinnung privater Förderern. Trotz des frischen Winds in Sachen Hochschul-Fundraising durch das Deutschland-Stipendiums sind die Fundraising-Büros, wenn es überhaupt welche gibt, mit meist höchstens einer oder zwei Personalstellen ausgestattet (abgesehen von Stanford University FundraisingAusnahmen wie der TU München). In den USA hingegen haben selbst öffentliche Hochschulen oft Development Offices mit 50 bis 100 und noch mehr Mitarbeitenden, große Privatuniversitäten meist sogar 200 und mehr.

Der Gedanke, dass Investitionen in das Fundraising Investitionen in die Zukunft einer Hochschule sind, hat sich hierzulande noch nicht durchgesetzt. Die 7% Akquisekostenpauschale, die das Bundesbildungsministerium beim Deutschland-Stipendien-Programm beisteuert, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es gilt, nachhaltige Fundraising-Strukturen aufzubauen. Hinzu kommt der Mangel an erfahrenen Hochschul-Fundraisern. Es gibt eine ganze Reihe von Beispielen dafür, dass der Aufbau des Hochschul-Fundraisings an den hierarchischen Strukturen von Hochschulen, überhöhten Erwartungen zu Anfang oder den Partikularinteressen einzelner Professoren, Fachbereiche und Institute scheiterten. Ein anderes Gebiet, auf dem noch viel Entwicklungsbedarf besteht, ist die Alumniarbeit und das Alumni-Fundraising.

Immerhin hat das Deutschland-Stipendium – trotz vieler kritischer Aspekte – dem Hochschul-Fundraising Legitimation und zugleich Auftrieb verliehen. Es wurde damit der Beweis angetreten: Wenn es attraktive Förderprojekte gibt und private Förderer noch dazu angesprochen werden sich zu engagieren, haben Hochschulen gute Chancen. Als meist überwiegend öffentlich finanzierte Institutionen müssen sie deutlich herausarbeiten, was der jeweilige Case for Support ist, also warum sich private Förderer engagieren sollen. Ein breit aufgestelltes Förderprojektportfolio ist ebenso wichtig wie eine Diversifizierung der privaten Fördererzielgruppen und der Fundraising-Kanäle.

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here