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Fundraising Trends 2013

Der erste Monat des neuen Jahrs ist schon fast rum. Was fehlt?
Ein Ausblick auf das, was im Fundraising kommen könnte. Das sozialmarketing.de Teams hat da so seine eigene Meinung. Hier also der sehr persönliche Einblick von den Kolleginnen und Kollegen.

Jörg Eisfeld-Reschke denkt an zwei Themen.

Katja Prescher und Katrin Kiefer

Katja Prescher und Katrin Kiefer blicken in die Zukunft.

“Thema 1: Relaunch des Online-Fundraisings. Ich freue mich im Jahr 2013 darauf, dass viele Organisationen ihre Online-Präsenz neu konzipieren werden. Der Leidensdruck von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit schlecht gestalteten und statischen Internetseiten ist hoch. Das ist mittlerweile ebenfalls den Entscheidungsträgern klar und so kommt Bewegung in die Sache. Dies wird Anlass dafür sein, dass das Online-Fundraising vieler Organisationen neue aufgestellt wird. Endlich werden Unterstützungsmöglichkeiten sichtbarer, werden die Grundlagen von Transparenz bis zum Spendenformular verbessert und findet ein medienübergreifendes Storytelling statt.

Thema 2: Demokratisierung von Förderprogrammen. Entscheidungen in Förderprogrammen von Stiftungen oder der öffentlichen Hand basieren in der Regel auf der Auswahl durch eine Jury. Eingereichte Projektkonzepte werden bewertet und gegebenenfalls in mehreren Runden aussortiert. Die Selektion findet üblicherweise nicht-öffentlich und nur mit Beteiligung der eingesetzten Jury statt. Die gelebte Transparenz von Social Media hält mit Crowdfunding Einzug in die traditionellen Fördersysteme. Wir werden in diesem Jahr Experimente erleben, wie die Öffentlichkeit stärker in Entscheidungssysteme einbezogen wird.”

Eine Vision für 2013 hat Katrin Kiefer.

“Die Bandbreite der Online-Fundraising Instrumente wird zur alltäglichen Routine für Fundraiserinnen und Fundraiser werden. Stattdessen ist es Aufgabe von gemeinnützigen Organisationen, die für ihre Stakeholder relevanten Social Media Kanäle auszuwählen und adäquat zu bedienen. Vor allem mobile Nutzung von NGO-Webseiten und Anwendungen werden kontinuierlich zunehmen und erfordern sowohl technische als auch inhaltliche Anpassungen an die Besonderheiten der Smartphone und Tablet-PC Nutzung.

Vor dem Hintergrund der Vielfalt verschiedenster Kommunikationskanäle ist eine enge Verzahnung eben dieser Kommunikationswege wünschenswert. Statt einer Trennung von Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations, Marketing und Fundraising sollten die verschiedenen Kommunikationsziele gemeinsam gedacht und umgesetzt werden. Vor allem aber ist es an der Zeit, die durch soziale Medien verstärkten Werte der Transparenz, Mitsprache und Dialogbereitschaft nicht nur nach außen, sondern auch nach innen in die Organisation zu leben und eine Kultur der Offenheit, Teilhabe und Mitgestaltung aufzubauen.”

Katja Prescher – kurz und knapp:

“Aus meiner Sicht wird in 2013 folgendes zum Thema im Fundraising in Deutschland: Erstens SEPA, zweitens Online und Mobile Fundraising. Das heißt, eine Webseite für alle Endgeräte, Verzahnung von Social und Suche, Search Retargeting, Display Targeting.”

Jona Hölderle sagt, was sich 2013 nicht durchsetzen wird.

Jona Hölderle weissagt 2013.

Jona Hölderle weissagt 2013.

“Bill Gates hatte recht. Auch 2013 wird sich das Internet nicht durchsetzen. Während sich in den meisten Lebensbereichen das Internet als integraler Bestandteil etabliert hat wird es sich auch 2013 im Fundraising nicht durchsetzen. Das Geld wird einfach woanders gemacht. Fast alle Organisationen nehmen lediglich einen niedrigen einstelligen Prozentbereich ihrer Spenden ‘online’ ein. Mailing und Face-to-Face bringen es einfach mehr. Sie schrecken ein unnützes Drittel der Zielgruppe für immer ab und bringen sonst das was sie sollen: Einfach berechenbare Einnahmen. Genauso wie Presse- und Projektarbeit ist das Internet für’s Fundraising nicht zu gebrauchen.
Das heißt, eine Chance sehe ich da noch für 2013. Wenn Internet und soziale Medien als normaler Bestandteil einer ‘integrierten Kommunikation’ verstanden werden in der auch das Fundraising immer mitgedacht wird. Wenn zum Beispiel als Maßzahl nicht der Prozentsatz genommen wird, den dieses ‘Online’ direkt zu den Gesamteinnahmen beiträgt, sondern der Anteil der Neuspender die ihren ersten Kontakt mit der Organisation über einen der Online-Kanäle hatten. Wenn wir auch für das Online-Fundraising verstanden haben, dass es im Fundraising um Beziehungen geht. 2013? Vielleicht in der ein oder anderen Organisation. Ich setze darauf!”

Maik Meids Thesen wirken ein wenig düster.

Maik Meid, Jörg Eisfeld-Reschke

Maik Meid und Jörg Eisfeld-Reschke mit unterschiedlicher Aussage

Es wird sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel tun. Die Schere zwischen innovativen Marketing- und Technologieansätzen und -entwicklungen aus der Profitwelt und der Nonprofit-Welt wird weiter auseinander gehen. Dies betrifft besonders den Bereich der mobile-readiness. Bereitschaft, alte CMS auf aktuelle Anforderungen zu überprüfen und möglicherweise sogar auszutauschen, wird flächendeckend an dem nicht vorhandenen Verständnis scheitern. Komplexe Organisationssysteme werden starr bleiben und Videokonferenzen oder Hangouts immer noch nicht Teil des Alltags vieler Fundraiserinnen und Fundraiser. Der Social Media Ausbau wird weniger intensiv weitergehen. Das Thema wird zwar weiterhin auf dem Tableau fast aller Organisationen bleiben, aber es werden sich nicht zahlenmäßig mehr Organisationen auf den Markt der sozialen Netzwerke begeben. Auch hier wird der digitale Graben deutlich spürbarer. Und außerdem glaube ich, dass wir merken werden, wie sich langsam der Markt der Online-Fundraising Anbieter bereinigen wird. Und zuletzt glaube ich, dass immer mehr Quereinsteiger aus dem klassischen Marketing und der Profitwelt den Weg ins Fundraising finden werden. Auch, wenn das alles vielleicht düster klingt, so meine ich es nicht. Fundraising bleibt auch 2013 einer der spannendsten Berufe überhaupt!”

Last but not least: Thilo Reichenbach

Thilo Reichenbach, Spendensiegel Forum 2012Gute Gedanken. Einiges möchte ich zumindest differenzieren.
Vieles von dem, was die Kollegen schrieben, gilt vor allem für NPOs, die es sich leisten können Onliner zu beschäftigen - bzw. bewusst die strategische Entscheidung hierzu getroffen haben und es als Investition in die Zukunftssfähigkeit der NPO sehen. Nur Organisationen, die bereit sind auch personell in digitales Fundraising zu investieren, werden ihre statischen Seiten weiterentwickeln, Partizipationsmöglichkeiten schaffen, mobil optimierte Seiten realisieren und Fundraising integriert denken. Denn hierzu braucht es a) Geld bzw. Bereitschaft und b) Know How (!).

Florian wies vor einem Dreivierteljahr, in seinem immer noch lesenswerten Artikel auf den Online- Innovations- und Investitionsstau hin, dass sich hier viel verändert hätte, kann ich nicht erkennen. Daher ist meine Prognose eher gemischt: Mir scheint, dass sich durch die rasant zunehmende Komplexität des Online-Marketings nicht nur, wie von Maik erwähnt, der digitale Graben zwischen Profit- und Non-Profit-Sektor vergrößert, sondern insbesondere auch sektorintern zunimmt. Also zwischen NPOs, die die entsprechenden Ressourcen zum Ausbau des Digitalen Fundraisings bereitstellen und solchen die das nicht tun. NPOs, wie die SOS-Kinderdörfer, die sich kürzlich öffentlich zum Ziel setzten, binnen 10 Jahren 60% der Spendengelder online erwirtschaften zu wollen, werden wohl eher zu den Gewinnern der Entwicklungen auf dem Fundraisingmarkt zählen. Für andere hingegen werden ‘Verzahnung von Social und Suche,  Retargeting, e-Commerce Tracking etc. und wohl leider auch das integrierte Fundraising’ Fremdworte bleiben – zumindest in diesem Jahr.

Ansonsten: Direct Mail bleibt wichtigstes Fundraising-Instrument, SEPA und mobile werden drängender und Jona wird mir erklären, warum  Pressearbeit für das Fundraising nichts taugt und wie er die Metrik “Anteil der Neuspender, die ihren ersten Kontakt  über einen der Online-Kanäle hatten” erhebt ; )

Wie auch immer es wird, in 11 Monaten werden wir wissen, ob die Prognosen stimmten.
Und? Was denkt ihr? Was sind eure Trends und Voraussagen für das mittlerweile nicht mehr ganz so neue Jahr?

6 Kommentare

  1. @Jona: Genau. Ich stimme Dir zu, dass sich das Internet aus Sicht der direkten Einnahmen via Online-Kanälen auch in 2013 nicht durchsetzen wird. Das Ganze wird durch die Verunsicherung durch SEPA eher noch verlangsamt. Aus Sicht des Fundraisings (als Relationsship Fundraising) hat es sich aber längst durchgesetzt, denn es ist zu einem der wichtigsten (dem wichtigsten? Ich hab gerade die aktuellen Zahlen nicht parat.) Informationskanäle für UnterstützerInnen geworden. Und Social Media werden als Bindungsinstrumente wichtiger werden. Und das ist fast noch wichtiger, denn wir wissen ja, wie viel teurer ein Neuspender ist.

  2. Ich finde das eine spannende Diskussion, alle sprechen über Online/Mobile Fundraising aber niemand glaubt das es 2013 den Durchbruch schafft (oder das es überhaupt jemals passiert).

    Meine (Hypo)Thesen dazu:
    Langfristig
    - Die Digitalisierung wird vor keinem Bereich des Lebens halt machen, auch vor der Arbeit gemeinnütziger Organisationen nicht.
    - Veränderung entsteht nicht durch etablierte Player sondern durch Herausforderer. Alteingesessen Organisationen werden ihre Art zu Arbeiten erst wesentlich verändern, wenn andere Organisationen den Erfolg vor machen.
    - in 10 Jahren hängen wir die Briefkästen ab, da es dann keine gedruckte Zeitung mehr gibt und Behörden ihre Bescheide (endlich) per Email verschicken. Unsere Kinder werden Briefkästen angucken wie die heute 25jährigen (Generation Y) Musikcassetten, Videorecorder oder Disketten.

    Für 2013
    Digital Fundraising wird das Tal der Enttäuschung verlassen und den Pfad der Erleuchtung beschreiten aber auch der realistischen Erwartungen. Auch im Internet gibt es Neuspender nicht kostenlos.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Hype-Zyklus
    Das Campaigning zeigt die Entwicklungen aber auf. Wieviele Unterschriften hat der WWF Offline gegen Überfischung gesammelt?

    Der Markt für Online Spendendienstleister wird sich nicht bereinigen in dem Sinne das es weniger Anbieter gibt, ich glaube eher es treten mehr neue Wettbewerber ein als Alte aus. Einige aus den USA aber vielleicht kommt ja auch justgiving nach Deutschland.

    SEPA wird lange ein Thema bleiben, weil die Lastschrift ein wichtiges Bezahlverfahren ist. Ich denke die Lastschrift wird in Zukunft keine Rolle mehr spielen, Bezahlverfahren die ähnlich sind wie Sofortüberweisung oder GiroPay werden die Lastschrift beim Online Spenden ablösen.
    Am Ende werden das auch alle lieben, endlich gibt es keine Rücklastschriften mehr.

  3. Hi Sascha!

    Ja, definitiv. Der digitale Graben tut sein übriges. Wer nicht verändern will, der wird verändert. Mit einer Welle, die die meisten NGOs noch nicht absehen. Man kann nur immer wieder aufklären aufklären aufklären. Aber die Message muss auch das Herz erreichen und nicht nur die Köpfe. Der Rest des Markts wird vom Tisch gefegt, schneller als sie ‘bops’ sagen können.
    Zur Marktbereinigung: Ich kann mir einfach nicht vorstellen, wie solch viele Dienstleister auf dem noch knappen Markt in Deutschland mit dem vorhandenen Businessmodell ohne Business-Angel existieren können. Da bin ich gespannt drauf.
    Was mich aber wirklich nervt, das sind die ständig immer wieder aufpoppenden neuen Affiliate-Anbieter, die eine teilweise wirklich nervige Akquisemasche draufhaben. Und alle versuchen, ausgerechnet ihr Modell als selig machendes zu verkaufen, obwohl jeder halbwegs fitte Fundraiser diese Systeme mittlerweile in und auswendig kennen sollte. Auch hier kann ich mir nicht vorstellen, dass alle als tragendes System durchhalten werden.
    Ansonsten stimme ich Dir zu ;-).
    Schönen Abend.

  4. Zur Dienstleisterdebatte: Ob sich der Markt bzgl. Dienstleistern konsolidiert, bezweifel ich ebenfalls, sicher werden einige, die das Potential des Marktes überschätzt haben, verschwinden, auf der anderen Seite beobachte ich auch, dass mehr und mehr Dienstleister aus dem Profit-Bereich den dritten Sektor gerade erst als Markt entdecken. Konsoldierung entsteht meist auf gesättigten Märkten, der Markt des digitalen Fundraisings ist davon hoffentlich noch entfernt, bisher zumindest stehen alle Zeichen auf Digitaisierung und somit Wachstum….
    LG Thilo

    • Moin moin Thilo, im ersten Absatz war der Ironie-Button noch gedrückt. Presse- und Projektarbeit ist meines Erachtend natürlich die unverzichtbare Basis für jedes Fundraising. Aber es gibt noch viele Öffentlichkeitsarbeiter die das nicht einsehen.

      Ansonsten danke noch einmal für deine Meinung zur sektorinternen Kluft. Das sehe ich leider genauso. Positiv gesehen werden hier die Organisationen belohnt, die sich früh aufgemacht haben und nicht erst mal abwarten ob sich das durchsetzt. Aber das hat natürlich auch viele negative Seiten.

      Beste Grüße
      Jona

      PS: Tja, die Datenerhebung ist so ein Problem. Aber auch bei der klassischen Erhebung nach letztem Kontakt, bzw. Ort an dem ein Formular ausgefüllt wird, finde ich eine reine Betrachtung der Erstspender für eine Organisation besonders spannend.

    • Maik Meid sagt:

      Noch ein kleiner Nachtrag zur Konsolidierung. Ja, das mit dem gesättigten Markt verstehe ich. Aber ich persönlich behaupte, dass der aktuelle (!) Markt für zu viele digitale Dienstleister noch viel zu klein und ist gar nicht so schnell wachsen kann, wie die Finanzierungsrunden der Dienstleister halten. Von der Sättigung sind wir weit entfernt. Siehe wieder den Vergleich mit dem digitalen Graben. Lasse mich aber sehr gerne jederzeit durch Zahlen überzeugen.

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