Fundraising-Trends 2012

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Das Jahr ist noch jung und viele sind damit beschäftigt die Erfahrungen des vergangenen Jahres auszuwerten. Zugleich sollte der Blick aber auch in die Zukunft gerichtet sein. Und so wunderte sich Petra Borrmann bereits am 3. Januar darüber, dass in den einschlägigen Blogs noch keine Trendvorhersagen für Nonprofit-Organisationen im Allgemeinen und Fundraising im Besonderen veröffentlicht wurden:

 

Das Team von sozialmarketing.de hat den Ruf gehört und ist in sich gegangen. Herausgekommen sind unsere sechs Trends und Voraussagen für Sozialmarketing und Fundraising sozialer Organisationen im Jahr 2012.

Katrin KieferSocial Media und Personalmarketing

Soziale Medien werden im Jahr 2012 zunehmend zu einem alltäglichen Bestandteil für den Stakeholderdialog und das Fundraising werden. Gleichzeitig wird die Arbeit mit Facebook, YouTube und Co. auch stetig in das Personalmanagement von NPOs einziehen. Der steigende Bedarf an qualifizierten Fachkräften, die Aussetzung des Wehr- und Zivildienstes sowie die wachsenden Bedürfnisse von Arbeitnehmern zwingen Personalabteilungen dazu, sich mit den Herausforderungen von Social Media für das Rekrutierungsmanagement auseinanderzusetzen.

Vor allem soziale Organisationen gehen zunehmend ins Netz, um dort direkt Jugendliche anzusprechen und über die sozialen Ausbildungsberufe zu informieren. So startete der Diakonische Bundesverband im Dezember 2011 die Kampagne „Soziale Berufe“. Andere NGOs wie Oxfam Deutschland, UNICEF Deutschland oder Brot für die Welt nutzen seit längerem Business-Profile auf XING oder twittern vakante Stellen direkt in den digitalen Äther. Dabei lassen sich soziale Medien keinesfalls nur für Positionen im Kommunikations- und Fundraisingbereich nutzen. Stattdessen kann Social Media Recruiting helfen, Bewerbungsprozesse transparenter zu gestalten sowie eine nachhaltige Beziehung zu Bewerbern, potentiellen Jobinteressenten und ehemaligen Mitarbeitern aufzubauen.

Thilo Reichenbach: Der Online-Kanal wird relevanter

Der Kanal Online wird weiterhin an Relevanz gewinnen, da die Vorteile des Webs: Schnelligkeit, Messbarkeit und die Möglichkeiten der emotionalen Ansprache bestechend sind. Leider wird es nicht unbedingt einfacher, da Online-Fundraising mittlerweile aus vielen in sich komplexen Subdisziplinen besteht und es sich höchstens die umsatzstärksten NPOs leisten können, Spezialisten für die jeweiligen Disziplinen einzustellen. Vor dem Hintergrund, dass Social Media Empfehlungen mittlerweile auch in den Suchmaschinenergebnissen auftauchen und Rankingkriterium sind, finde ich das Zusammenwachsen von Social Media und Suchmaschinen spannend und einer weiteren Beobachtung wert. Meine persönlichen drei Herausforderungen für 2012 sind:

  1. das Suchmaschinen-Marketing noch strategischer als bislang anzugehen,
  2. Prozessabläufe zu verbessern und die verschiedenen im Einsatz befindlichen Tools (z.B. durch die Schaffung von Schnittstellen) zu harmonisieren und
  3. die Marke durch integrierte Marketing-Maßnahmen weiter zu stärken.

Katja PrescherMobiles Fundraising – die Zukunft wird mobil

Wir nutzen unser internetfähiges Handy häufiger und es wird bedeutender für unseren Alltag. Ob mobile Webseiten oder mobile Anwendungen, sie werden in Zukunft einen wichtigen Beitrag für Fundraising und Sozialmarketing leisten. Schnellere Übertragungswege lassen neue und bestehende Zielgruppen erreichen – jung und alt:

Die Zahl der Apps steigt unaufhaltsam und es wird eine Herausforderung, die Orientierung zu behalten und mit einer App erfolgreich zu sein. Innovative Browserlösungen werden kostengünstiger sein als die Erstellung und Vermarktung einer App. Beim Responsive Webdesign z.B. passt sich die Seite in ihrer Darstellung automatisch dem Endgerät an. Es braucht keine mobile Version der Website entwickelt werden, wie die WWF– oder Barack Obama-Seite zeigt (verkleinern oder vergrößern Sie das Browserfenster). Die SMS feiert in diesem Jahr ihren zwanzigsten Geburtstag und ist so beliebt wie noch nie.

Jona HölderleWeniger von Online-Fundraising reden

Wir werden kurzfristig mehr, dann aber weniger von Online-Fundraising reden. Langfristig wird sich zeigen, dass es kein alleinstehendes Online-Fundraising gibt, sondern Online-Elemente in alle Bereiche des Fundraising integriert werden. Egal ob Direktmarketing, Erbschaftsfundraising, Unternehmenskooperationen oder Spenderservice. Eine Unterteilung nach Medium verlieren, Inhalte und Ziele gewinnen an Bedeutung.

Das bedeutet auch, dass Fundraising-Software sich darauf einstellt On- und Offline-Kontakte gemeinsam, sinvoll zu verwalten. Immer mehr Informationen über die Interessen von Mitgliedern und Spendern werden aus dem Online-Bereich kommen, aber im gesamten Marketing genutzt werden. Bei der zunehmenden Datenbasis wird es dabei darauf ankommen, dass Spender und Mitglieder selber Zugriff auf ihre Daten haben und diese ändern können.

Maik MeidSocial Media wird normal

Aus meiner Sicht wird 2012 das Thema Social Media in den meisten NGOs endgültig angekommen sein. Es wird sich als normaler Kanal der Kommunikation etablieren und hoffentlich auch als „Social Media“ ausgewiesen. Idealerweise wird gerade im Fundraising das Thema ROI als langfristiger „Return on Influence“ verstanden und nicht direkt in Euro gemessen. Aber das ist vielleicht auch nur ein Wunschdenken.

Jörg Eisfeld-Reschke: Der Rechtfertigungsdruck steigt

Der Rechtfertigungsdruck auf soziale Organisationen steigt. Wenn Kommunikations-Mitarbeiter von an Skandalen orientierten Akteuren unter Generalverdacht gestellt werden, dann zeugt das von einer erhöhten Aufmerksamkeit in Medien und Gesellschaft. Falsches Verhalten wird geahndet, und das ist gut. Es besteht jedoch die Gefahr, dass übertriebene Pauschalisierungen zu neuen Hemmnissen in der Außenkommunikation führen. Spendenfinanzierte Organisationen stehen nicht nur in einer Kommunikationsschuld gegenüber den Leistungsempfängern, sondern auch gegenüber den Finanzierern und Mitgliedern. Es darf nicht vergessen werden, dass Kommunikation über die Projekte und deren Hintergründe ein elementarer Bestandteil der Kernarbeit sind.

Wir können davon ausgehen, dass auch in diesem Jahr wieder Forderungen nach möglichst geringen Verwaltungskosten erhoben werden. Es scheint, als wären manchen Kritikern keine Werbe- und Verwaltungskosten am liebsten. Doch das wäre fatal – Hilfe soll schließlich koordiniert, Finanzströme geprüft und alle Stakeholder einbezogen werden. Partizipation und Transparenz wird erwartet, doch auch hierfür werden Ressourcen benötigt. Und so steigen die Erwartungshaltungen an Effektivität, Effizienz und Professionalisierung der Arbeit sozialer Organisationen. Die öffentliche Diskussion darüber bleibt uns erhalten und lässt Fundraiserinnen und Fundraiser allerorten ihr Selbstverständnis hinterfragen.

via Björn Lampe: 100 Things to watch in 2012

Und wem unsere sechs Trendsvorhersagen noch nicht genug sind, dem empfehlen wir die folgende Präsentation von JWTIntelligence:

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