Von Mittwoch bis Freitag fand in Berlin der 19. Deutsche Fundraising Kongress statt. Erstmals wurde Berlin als Standort gewählt – vermutlich als Probelauf für das 20jährige Bestehen im kommenden Jahr. Einen ersten Eindruck hat Thilo Reichenbach schon formuliert. Dem möchte ich mich anschließen:
Vorab: Das Gesamterlebnis #DFRK stimmte – die Stimmung war gut. Im Rahmen des “Branchentreffen für die Kultur des Gebens” kamen mehr als 750 Fundraiserinnen und Fundraiser aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen um zu Netzwerken und zum Fortbilden.
Den Einstieg ins Programm bildete eine herzlich-amüsante Begrüßung durch den Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky. Mit seiner humorvollen Art brachte er den Saal zum Lachen und leistete ein gutes Vorprogramm zur Keynote “Friendraising” von Sascha Lobo.
Deutschlands bekanntester Blogger mit der markanten Frisur stellte seine Perspektive auf Online-Engagement zwischen Like-Button und Geld-Spende dar. Gewohnt provokativ sorgte er für Raunen, Erstaunen, Widerspruch und Kopfnicken. Einigen blieben seine Aussagen unverstanden. Hinter mir äußerten sich zwei ältere Herren leicht verächtlich über ein Blog-Beispiel, in dem täglich ein Plastikstuhl-Motiv abgebildet wird. Dass es nicht um das Motiv, sondern um die Leidenschaft und Motivation ging, das verstanden sie nicht. Würden diese beiden Herren bloggen, so würden sie sich vermutlich an einem täglichen Bibelvers erfreuen. Genau wie sie schienen noch mehr Teilnehmer den Vortrag nicht ganz verstanden zu haben – es ging um die veränderte Kultur und Haltung, nicht um die Inhalte.
Das diesjährige Programm zeichnete die große Breite aus. Ich hatte den Eindruck, dass alle Fundraising-Nischen abgedeckt wurden. Schade, dass in diesem Zuge wenige klassische Fundraisingthemen und Grundlagen-Workshops angeboten wurden.
Neben den Keynotes hatte ich nur dreimal die Möglichkeit mir Vorträge anderer Referenten anzuhören. Sehr gut gefiel mir Oliver Basu Mallicks Input über Ethik im Fundraising und Sponsoring. Herrlich unaufgeregt und gut strukturiert berichtete er über restriktive Spendenannahme und Hintergrundrecherche, wie sie bei Ärzte ohne Grenzen durchgeführt wird. Als absolut motivierend empfand ich die Präsentation “What´s hot, what´s new?” von Jan Uekermann. Dieses Präsentationstalent hat für das kommende Jahr eine Keynote verdient!
Sehr motiviert haben mich der große Zuspruch zu meinem Vortrag “Shitstorm – Krisenkommunikation im Social Web”, den beiden Table-Sessions zu “Crowdfunding als Chance für NPO’s” und den vielen positiven Rückmeldungen. Vielen Dank.
Nicht alles lief in diesem Jahr rund. Und so gab es ein paar kleine und mittlere Mängel, die kurz benannt sein sollen:
- Im Vergleich zum Essensangebot in Fulda war das Buffet im andel’s mit weniger Vielfalt zusammengestellt. Ein fast reines Nudelbuffet am Abend ist nicht jedermanns Geschmack.
- Kaffee – eigentlich ein Muss, dass man zu jeder Zeit Kaffee trinken kann. Da wurde leider an der falschen Stelle gespart – und in diesem Jahr konnte kein Aussteller mit Kaffeeservice am Infostand aufwarten.
- Von der Moderatorin hätte man erwarten können, dass sie aus Fehlern des vorangegangenen Jahres lernt. Stattdessen reihte sich Fehler an Fehler, klappten die Übergänge nicht und wurde die Preisverleihung teils zur Comedy-Einlage mit hohem Fremdschämpotential.
- Reinhold Messner passte mit seiner Lebensgeschichte gut ins Programm – das nächste Mal sollte für einen Promivortrag allerdings von Anfang an ein größerer Raum eingeplant werden.
- Die Aussteller waren unerwartet konservativ in ihrer Präsentation. Das es heute noch Ausstellungen gibt, die komplett ohne Bewegtbild auskommen, hätte ich beim Deutschen Fundraising Kongress nicht erwartet.
Im kommenden Jahr feiern der Deutsche Fundraising Verband und der Deutsche Fundraising Kongress das 20jährige Jubiläum. Damit der Kongress ein Erlebnis wird und das Potential von Teilnehmern, Referenten und Location noch besser genutzt wird, schlage ich folgendes vor:
- Wenn bereits in der Kongresseröffnung ein Hashtag eingeführt und zum Twittern aufgerufen wird, dann sollte bitte auch an mehreren Standorten eine Twitterwall die aktuelle Diskussion dargestellt werden. Immerhin 44 aktive Twitterer gab es auf dem Kongress – mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr.
- Für das Abendprogramm im Plenum wünsche ich mir eine intensivere Ausnutzung der technischen Möglichkeiten. Für eine richtige Festgala und Show mit Unterhaltungscharakter kann man da noch deutlich mehr machen. Mindestens der Einsatz von Musik und Tonelementen muss zum Standard gehören.
- Schön wäre ein Keynote-Format, in welchem Redner kurze Präsentationen von höchstens zwanzig Minuten einbringen. Man könnte einen ganzen Slot mit kurzweiligen und auf Infotainment/Motivation ausgerichteten Keynotes gestalten – oder im Abendprogramm mehrere kurze Keynotes vorsehen. Vielleicht wäre ja auch ein Voting im Vorfeld des Kongresses denkbar, bei dem die Teilnehmer aus mehreren Vorschlägen auswählen?
Aufruf: Wenn ein Nonliner über Online-Fundraising spricht und Banner für eine geeignete Werbeform hält, wenn Referenten einen zehnminütigen Werbemonolog halten bevor sie zu den Inhalten kommen oder wenn Titel und Thema eines Vortrags sich zunehmend voneinander entfernen – dann sind wir als verantwortungsbewußte Teilnehmer gefordert. Zuhören und über sich ergehen lassen ist keine Lösung: Aufstehen müssen wir, gehen oder widersprechen! Denn der Deutsche Fundraising Kongress ist was wir daraus machen.

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3 Kommentare auf Deutscher Fundraisingkongress 2012 – Recap II
recap Teil 3: http://sozialmarketing.de/deutscher-fundraising-kongress-2012-recap-iii/
Und recap 4 zum Thema Online-Fundraising: http://sozialmarketing.de/deutscher-fundraising-kongress-2012-recap-4-online/ ist auch online. Ich weiß ja nicht, wie ihr das alle gemacht habt. Ich brauchte erst mal einen Tag Ruhe dazwischen
Preisgala: Ob der ein oder andere Nominierte Kunde des Sponsors war…? Und die Promis+Moderatorin haben seit Jahren den gleichen Sprachfehler: Es heißt FUNDraising, nicht FOUNDraising, vielleicht vorher mal mit dem Coach üben… oder eben doch Jan Uekermann.