Deutscher Fundraising Kongress 2012 – Online-Fundraising
Nachdem meine Kollegen Thilo, Jörg und Maik schon etwas über den Deutschen Fundraising Kongress 2012 geschrieben haben, hier nun Recap IV. Allerdings möchte ich ein einzelnes Thema herausgreifen.
Wie wichtig ist Online im Fundraising?
Viele Gespräche die ich auf dem Kongress geführt habe gingen um die Frage nach der Relevanz von Online im Fundraising. Von Sascha Lobos Worten begeisterte Menschen haben mich dabei ebenso angesprochen, wie genervte Fundraiser die mehr Zahlen sehen wollen und so lange Online nicht ernstnehmen, wie die Einnahmen noch keinen Großteil der Budgets ausmachen.
Im Programm des Kongresses ist Online-Fundraising dabei nicht mehr einer von vielen Trends, sondern hat schon länger eine eigene Programmschiene. Zusätzlich wurde das Thema dieses Jahr mit der Keynote “Friendraising – Online-Engagement zwischen Like-Button und Geld-Spende” aufgegriffen. Sogar die Fundraising Innovation des Jahres ging an die Onliner von Altruja, die Firmenspenden ins Netz bringen.
Nicht alle Workshops und Seminare haben sich dabei mit Fundraising im engeren Sinne befasst. Während mir als “Onliner” dieser breite Ansatz sehr zusagt, mag das den ein oder anderen Fundraiser befremden. Hat Sascha Lobo Fundraising überhaupt erwähnt? Sind die tollen Online-Kampagnen vom Workshop am Mittwoch wirklich zum Fundraising geeignet? Und was geht einen Fundraiser die Krisenkommunikation an, die Jörg vorgestellt hat?
Viele Online-Marketing-Menschen sehen sich mehr als Onliner denn als Fundraiser. Deshalb kommt vielleicht die Kernfrage etwas zu kurz: Warum sind all diese Online-Aktivitäten wichtig für NGOs und das Fundraising allgemein?
Online als Zukunft
Online ist die Zukunft des Fundraisings. Aber die Zukunft kommt nicht so schnell wie wir immer erwarten und sie löst die “alten Wahrheiten” nicht ab, sondern erweitert sie.
Noch immer sind Erträge, aber auch Investitionen im Online-Fundraising vergleichsweise gering. Es mag dabei einen Zusammenhang geben. Zwar wächst der prozentuale Anteil der Online erzielten Einnahmen in fast allen Organisationen, aber mit Großspenden, Mailings und Firmenkooperationen kann man sich meist noch nicht messen. Es gibt zwei Ausnahmen. 1. Kleine Organisationen, die erst gar kein klassisches Fundraising aufgebaut haben und gleich online starten. 2. Große, kreative Organisationen wie z.B. Oxfam oder Aktion Deutschland Hilft, die auch in diesem Bereich ernsthaft investieren. Ganz zu schweigen von Wikimedia bei denen nahezu alle Einnahmen aus dem Online-Fundraising kommen.
In fast allen Organisationen läuft Online-Fundraising aber noch nebenbei. Nur wenig Teilnehmer des Kongresses sind reine Online-Fundraiser. Hinzu kommt, dass Online oft gar nicht im Fundraising angesiedelt ist, sondern aus einer anderen Abteilung geführt wird. Es gibt vielleicht keinen Innovationsstau, aber definitiv einen Umsetzungsstau bei neuen Instrumenten. Es ist sehr schnell kompliziert geworden Online-Marketing professionell zu machen. Wer ist heute schon Experte im Suchmaschinenmarketing, Social Media, E-Mail-Marketing und Conversion-Optimierung?
Und wenn es Online-Fundraising einmal gibt, gilt es die verschiedenen Fundraising-Maßnahmen miteinander zu verknüpfen. Nur weil die erste Spende online war, bedeutet das nicht, dass der Spender keinen Wert auf persönlichen Kontakt legt und die klassischen Fundraising-Wahrheiten außer Kraft gesetzt werden.
Aus meiner Sicht sollten Organisationen deshalb jetzt investieren und ihren Online-Bereich ausbauen. Aber sie sollten dabei nicht vergessen, dass es sich um Investitionen in die Zukunft handelt, die sich nicht immer sofort rentieren. Das ist in anderen Fundraising-Bereichen ja auch schon angekommen.
Online als Basis
Der zweite wichtige Grund Online auch im Fundraising zu beachten ist der Online-Kontakt als Grundlage des Fundraising. Dies gilt insbesondere für soziale Medien die intensiven Kontakt bedeuten, direkt betrachtet aber häufig einen schlechten ROI haben.
Online-Maßnahmen bieten die Möglichkeit neue Menschen zu erreichen und sie langsam an die Organisation heranzuführen. Das kann die Hürde senken eine Organisation zu unterstützen. Viel zu häufig soll der Weg direkt vom Spendenaufruf zur Spende führen. Gibt es aber vorher noch keinen Kontakt zu Organisation und Thema ist dies schwierig. Online können wir diesen Kontakt aufbauen und den Spender erst von unserer Arbeit überzeugen, bevor die erste Spende eintrifft. Es gilt positives Karma aufzubauen.
Beim aktuellen Spender- und Mitgliederbestand der großen Organisationen wird Online noch lange nur einen kleinen Teil der Einnahmen ausmachen. Wie kommen aber neue Menschen in die bestehenden Pools? Hier wird Online schon bald die wichtigste Quelle für Neuspender sein.
Der GfK Charity-Scope hat gerade veröffentlicht, dass 53 % der Befragten unsicher sind, welchen Organisationen sie vertrauen können. Dieses Vertrauen gilt es aufzubauen und nirgendwo ist das leichter als in einer ständigen Kommunikation auf Augenhöhe im Internet. Nirgendwo können wir eine so hohe, persönliche Kontaktzahlen erreichen wie in sozialen Medien. Wenn wir es schaffen Vertrauen herzustellen, ist es egal auf welchem Wege die Konvertierung zur Spende anschließend geschieht.
Eine Session auf dem Kongress hieß “Design Fundraising Future 2025 ?!”. Ich wünsche mir, dass der Begriff Online-Fundraising bis 2025 ausgestorben ist. Online ist ein Medium, es macht langfristig keinen Sinn, Fundraising nach dem jeweiligen Medium zu unterteilen. Wir brauchen die technischen Mittel, aber wir müssen uns darauf konzentrieren was wir kommunizieren und wie wir um Hilfe bitten!
Willkommen auf sozialmarketing.de
Kategorien
Zukünftige Events
-
Jun13Do
-
Jul13Sa
-
Sep5Do
-
Sep19Do
-
Sep26Do


Zu Google hinzufügen


7 Kommentare auf Deutscher Fundraising Kongress 2012 – Online-Fundraising
Hallo Jona,
guter Artikel, stimme sehr zu. Glaube außerdem, dass die Notwendigkeit tatsächlich (!) zu kommunizieren, im Sinne eines Dialoges, und zwar one:one, die Organisationen vor eine ungewohnte Aufgabe stellt. Bisher sind viele FR-Tools dadurch gekennzeichnet, dass sie FR “at arms length” (wie die britischen Kollegen sagen) nicht nur zulassen sondern auch fördern. Also ein quasi technisches FR. Die Dialogbereitschaft, Offenheit und Verfügbarkeit, wie sie das Online-FR benötigt, fällt vielen Organisationen deshalb schwer, weil sie eben das Gegenteil der begrenzten technischen Kommunikation darstellt. Aus meienr Sicht ebenfalls ein Grund, warum das Online-FR sich noch nicht so durchgesetzt hat, wie wir uns das wünschen würden. Viele Grüße deine Spendenfee
Ich persönlich glaube, dass der digitale Graben das Fundraising erreicht hat. Wir versuchen, ein völlig neues Kommunikations- und Gesellschaftssystem mit alten Systemen zu erklären. Nur wer das Neue lebt, kann die Unterschiede verstehen. Und hier bekommen gerade alt gediente Fundraiser häufig die Blässe ins Gesicht, weil sie das Neue schlicht und einfach nicht verstehen. Somit wird’s auch weiterhin dauern, bis Online als echte und reale Wirklichkeitsverschiebung wahrgenommen wird. (Siehe auch dazu Kommentar von Florian Nöll auf seiner Seite).
Neues Kommunikationssystem: O.K.
Neues Gesellschaftssystem: ??? – das sehe ich noch nicht. Was sollte das auch sein?
Wenn ich mir eine normale Bevölkerungspyramide ansehe (http://www.pdwb.de/nd12-2.htm#zusang), dann ist die schöne neue digitale Welt noch für relativ wenige Menschen Teil der realen Wirklichkeit – wenngleich mit stark steigender Tendenz.
Wenn ich die geburtenstärksten Jahrgänge nehme (zähle auch noch dazu), dann sehe ich dort eine große Ambivalenz. Man nimmt fb, g+ & Co. wahr, meldet sich vielleicht auch an …. aber postet niemals selber etwas.
Spannend ist, welche Milieus stark online aktiv sind und ob sich diese Milieus mit den spendenaffinen Milieus decken.
Und dann ist es eine Frage der Abwägung, ob ich diese Schnittmenge NUR via social media erreiche, also separate Kanäle eröffnen muss, ob diese die Kanäle additiv benötigen, … Und: welcher Aufwand lohnt sich?
Jetzt schon aktiv zu sein, um später nichts zu verpassen kann ich als häufig genanntes Argument nicht so ganz unterschreiben. Dafür war die Dynamik, welche ich die letzten 16 Jahre mit und ums Internet erlebte, zu stark.
Was in 5 Jahren sein wird – wir wissen es alle nicht. Die Entwicklungssprünge sind gewaltig.
Ich war dieses Jahr auch sehr ersaunt über die Grundsatzdiskussion und vor allem darüber wie breit die Kluft zwischen Online und Offline immer noch ist. Viele beschäftigen sich gar nicht damit, wissen aber das es nichts bringt. Eigentlich hatte ich gehofft wir würden das langsam überwinden und über die Stratgien diskutieren die mit Online und Offline möglich sind.
Vielleicht ist ein Grund auch die Fixierung auf Geldspenden. Mit der Integration von Onlinefundraising werden die Grenzen zwischen den Arten von NGO-Kommunikation (d. h. ÖA, Kampagnen, Fundraising) aufgehoben. Momentan scheinen nur wenige NGOs dazu bereit zu sein. Und auch die Fundraisingszene hat das Thema noch nicht entdeckt. Wenn wir über die Zukunft des Fundraisings diskutieren, reden wir einerseits von Integration der Medien, andererseits davon, dass Fundraising in der NGO-Kommunikaiton aufgeht. Design the future heißt dann, dass es keine Fundraiser mehr gibt und auch keine Kampagner, sondern nur noch Kummunikatoren.
http://youtu.be/woA4R3KrACg
Hallo in die Runde,
ich hätte ehrlich gesagt so viel zu dem Thema zu schreiben, dass ich das hier gar nicht unterbringen kann!
Das Thema Online Fundraising wird meiner Meinung nach momentan viel zu theoretisch, technisch und ideologisch diskutiert. Aus irgendeinem Grund sind die Organisationen/NGOs, die ernsthaft, strategisch und erfolgreich Online kommunizieren und fundraisen in diesen Diskussionen kaum bis gar nicht vertreten. Da schließe ich mich/PETA mit ein!
Mein Aufruf in die Szene – und wieder schließe ich mich gewaltig mit ein! – ist deshalb folgender: Wir erfolgreich online fundraisenden NGOs müssen aus der Deckung kommen, unser Wissen teilen und den Rest mitnehmen. Denn ich denke, wir (siehe die Beispiele oben im Text) wissen, warum wir online erfolgreich sind!
Grüße
Matthias
“Wir erfolgreich online fundraisenden NGOs müssen aus der Deckung kommen, unser Wissen teilen und den Rest mitnehmen.”
Hallo Matthias,
danke für Deine Worte. Genau so ist es und genau aus diesem Grund möchten wir mit sozialmarketing.de eine Plattform für Wissen und zum Austausch schaffen. Lasst uns voneinander lernen, Wissen und Erfahrungen teilen.
Beste Grüße,
Jörg