Eine Tasse Kaffee mit Bill Gates

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Morgens so richtig früh aufstehen und sich ein paar Stunden in die Stahlröhre ICE zu stecken macht man nur, wenn etwas wirklich Außergewöhnliches ansteht.
So auch heute.

Vor ein paar Wochen twitterten der @schedding und der @joergeisfeld, ich solle mir doch mal ein neues Portal anschauen. In Sachen Communitybuilding sei das wirklich nett und vielleicht könne man ja was dort raus ziehen. Gesagt, getan, angemeldet. Ein paar Kanäle freigegeben, wie man das eben so macht. Angeschaut und wieder vergessen.

Bill Gates im Base Camp
Bill Gates im Base Camp

Zeitsprung

Und dann saß ich eben ein paar Wochen später in eben jenem ICE auf dem Weg nach Berlin, um eine Tasse Kaffee mit Bill Gates zu trinken. Naja, also eher symbolisch. Wir, Jörg und Robert und zum Beispiel auch Tim Wellmanns von elefunds tranken Kaffee und „er“ saß drei Meter vor uns und ohne Kaffee. Denn an „den Bill“ kam man tatsächlich nicht wirklich ran. Aber dazu später mehr.

Die Bill und Melinda Gates Foundation startete mit dem oben genannten Community-Tool den Start der „Impatient Optimists“ in Deutschland.
Impatient Optimists sind eine Gruppe von „digitalen Vorreitern“, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt durch kleine oder große Taten zu verändern. Das oben genannte Tool wurde dann zu einer Art Ranking genutzt, das wiederum die digitale Verbreitung des Hashtags #impatientoptimists zählte. Und die ersten 50 in diesem Ranking erhielten dann am letzten Sonntag Mittag eine Mail, ob man sich vorstellen könne, am heutigen Donnerstag im BASE Camp in Berlin Bill Gates zu treffen.

So richtig mit Akkreditierung, leicht elitärem Hauch, viel Tamtam und Cherno „Turnschuh“ Jobatay als Moderator trafen sich dann heute diese 50 Personen, aufgestockt um einige handverlesene Eingeladene aus Presse oder Berliner Startup Szene. Nach einem eher gezwungen wirkenden Warmup, bei dem wir erfahren durften, dass eine Teilnehmerin schon mal mit Barrack Obama workoutete und nicht Bill Clinton sondern Bill Gates kommt, stand eben er dann auch um 13.00 Uhr im Raum. Ein herzlicher Applaus begrüßte ihn, verbunden mit der Absprache, keine Kommentare zu Microsoft oder Windows zu verlieren.

Bill Gates
Bill Gates im Interview

Die Veranstaltung fand auf Englisch statt, eigentlich ja kein größeres Problem. Allerdings war es, um es vorweg zu nehmen, an vielen Stellen schwierig, der Diskussion zu folgen, was allerdings an der Akustik und der durch die Architektur fies auszusteuernden Tontechnik lag.

Mit auf dem Podium saßen Jirka Vierhaus von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit sowie
PD Dr. Mohit Kumar von der Universität Rostock. Beide hatten auf Grund ihrer Erfahrung wirklich etwas zu sagen, wirkten aber neben Bill Gates eher wie Statisten. Schade eigentlich, denn ihre Impulse waren inhaltlich genauso wertvoll im Bezug auf die Ziele der Stiftung.

Mal kurz zur Stiftung:

Die Bill und Melinda Gates Foundation hat ein Stiftungskapital von über 32 Milliarden US Dollar (sic!). Satzungszweck ist es, globale Chancengleichheit zu fördern. Ein Schwerpunkt dabei ist die Entwicklungsarbeit in Afrika und die Bekämpfung von Krankheiten.

Fragen aus dem Publikum

Was hat Bill Gates am meisten bewegt in seiner Zeit?
„Wenn ein Kind an Malaria stirbt und es hätte verhindert werden können“, das hat ihn am meisten bewegt.

Was möchte er noch entwickelt sehen?
„Computer werden immer smarter. Sie sind schon gut, aber sie werden irgendwann besser sehen können als Menschen.“

Wie sieht er die Zukunft von mobilen Geräten in Afrika?
Sie werden das komplette Zahlungssystem übernehmen. Das Zauberwort ist „digital money“. „Just use your cellphone to pay for everything.“

Befragt zu einer Aussage von Mark Zuckerberg, dass das größte und wichtigste Thema der aktuellen Generation sei, die unvernetzten Menschen auf der Welt zu vernetzen sagte Gates, es sei „One of the Top Ten, but not in the Top Five.“

Jörg im Publikum
Jörg im Publikum

„Every Year we make Progress!“

Viele Fragen blieben unbeantwortet. Aber sie konnten auch nicht wirklich beantwortet werden. Eine Piratin fragt, warum ausgerechnet Deutschland im Nonprofit-Bereich so intransparent sei im Gegensatz zu amerikanischen Stiftungen. Berechtigte Frage, aber sicherlich ist Bill Gates nicht der richtige Ansprechpartner.
Ähnlich ging es Raul Krauthausen mit seiner Frage, wie es die Stiftung denn schaffe, MIT den Menschen gemeinsam zu arbeiten anstatt für sie. Auch hier war die Antwort eher politisch als konkret.

Eine letzte Frage eines bekennenden Impatient Optimist: „Was können wir tun? Wie können wir sie und die Stiftung unterstützen?“ Antwort: „Lay your focus on Africa.“

Und tschüß.

Er ging dann sehr schnell und abrupt, aber das war angekündigt. Ehrlich gesagt war das der fliehendste Abschied, den ich jemals bei einer Veranstaltung gesehen habe. Mal schnell vorne rum raus und weg. Und „der Bill“ hatte beim Abgang sogar noch sein Mikro um, wie der überraschte Cherno Jobatay noch hinterher rief. Denn danach kam nichts mehr. Als ob aus dem Ballon die Luft raus war. Und die beiden Mitdiskutanten wurden weder bedankt noch verabschiedet. Hauptsache, Bill Gates gesehen!

Bill Gates
… und weg war er wieder

Denn, trotz allem: Der Mann hatte und hat auch weiterhin was zu sagen!

Und ob das Mikrofon wieder zurück ins BASE Camp kam: Wir werden es sicherlich lesen und auf Twitter verfolgen, genauso wie alles das, was in Zukunft mit den #impatientoptimists passieren wird.

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