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7 Fragen an Jeremy Cooper, Fundraising-Direktor, PLAN UK

7 Fragen beantwortet Jeremy Cooper, Fundraising-Direktor, PLAN UK. Lesen Sie wie Jeremy Cooper über das Ehrenamt seinen Berufseinstieg ins Fundraising schaffte und warum er sich für diesen Beruf entschied. Erfahren Sie mehr über PLANs erfolgreicher Fundraisingkampagne „Because I am a Girl”, mobile Zukunftspläne und mehr.

1. Sind Sie Quereinsteiger oder ausgebildeter Fundraiser?
Und was haben Sie vor Ihrer Fundraising-Kariere gemacht??

Eines morgens im Jahr 1992 schaute ich beim Britischen Roten Kreuz vorbei, um zu erfahren, ob sie Hilfe benötigten. Die Organisation hatte ihren Sitz nicht weit von meinem Arbeitsplatz entfernt. Ich fing dort als Ehrenamtlicher an zu arbeiten. Ich half beim Öffnen der Post und bei Fundraisingmaßnahmen während der Hungersnot in Somalia. Hier begann ich meine Fundraisng-Karriere. Recht bald bekam ich beim Britischen Roten Kreuz im Direkt Marketing eine bezahlte Stelle.

Mein Fundraising-Wissen erlangte ich über die alltägliche Arbeit und mein Know-how wurde mit der Zeit breit und vielfältig. Auch mein betriebswissenschaftlicher Abschluss kam mir damals zugute. Nach 5 Jahren beim Roten Kreuz wechselte ich zur Organisation „Crisis“, die sich um Obdachlose in Großbritannien kümmert, wo ich weitere 5 Jahre arbeitete, bevor ich bei PLAN UK die Position als Head of Marketing übernahm. Die letzten 10 Jahre bei PLAN waren sehr angenehm und lohnenswert. Seit einigen Jahren bin ich nun Fundraising-Direktor.

2. Warum sind Sie Fundraiser?
Und warum sind Sie Fundraiser bei PLAN UK?

Einen Teil meiner prägenden Jugendjahre verbrachte ich in Swasiland. Ich liebe es, Menschen mit ihrem Interesse an der Entwicklungszusammenarbeit und nachhaltigen Programmen im Ausland zu vernetzen. Ich mag ihre Großzügigkeit. Ich bin sehr beeindruckt von den Dingen, die vorangebracht werden, von den Geschichten und der Entwicklung der armen Bevölkerung, die ihr Leben verbessert haben. Ihre Geschichten erreichen unsere Spender, die zufrieden sind und sich beteiligen möchten.

Die Motivation der Spender zu erfahren, sich darauf einzulassen, und die Menschen zu verstehen, mit denen wir zusammenarbeiten, weil man sich für deren Lebensgeschichten interessiert – es sind genau diese Herausforderungen mit denen wir konfrontiert sind. Es gilt diese zu bewältigen. Das macht die Arbeit fanszinierend. Neue Leute zu treffen, potentielle Partner und neue Wege zu suchen, und andere zu ermutigen, ein Teil von unserer Vision zu werden – das hält die Arbeit „frisch“.

3. PLANs Kampagne „Weil ich ein Mädchen bin“ [Because I am a girl] setzt sich für Mädchen und ihre Rechte, wie ihr Recht auf Schule und Berufsausbildung, ein. Welche Fundraising-Kanäle waren die erfolgreichsten in dieser Kampagne und warum waren sie erfolgreich?

Anzeigen in Bahnen [train card panels] PLAN UK

Aus Fundraisingsicht betrachtet, testeten und führten wir kürzlich ein neues Produkt ein: den Mädchen-Fonds, mit dessen Mitteln Projekte zur Förderung gleicher Chancen und Rechte für Mädchen und Jungen realisiert werden. Im Fokus steht hier die Dauerspende. Aber auch die Verbindung zum Campaigning ist uns wichtig. Darum ermutigen wir gewonnene Spender, Aktivisten [Campaigner] zu werden.

Zur Zeit fokussieren wir uns darauf, britische Haushalte ins Boot zu holen, wir konzentrieren uns auf Anzeigen in Bahnen [train card panels - siehe Foto], Straßen-Fundraising, DRTV und einiges im Online-Bereich. Es ist erfolgreich, weil wir über diese Kanäle diejenige Zielgruppe erreichen, die jünger als unsere bisherige Spendergruppe ist, die wir über Kinderpatenschaften gewinnen. Das Erfolgsgeheimnis: Wir kommunizieren mit relevanten und überzeugenden Botschaften, auf die ganz einfach reagiert werden kann.

Plans Kampagne für Mädchen – „Because I am a Girl“ wird offiziell am 11. Oktober 2012 weltweit lanciert, am ersten Internationalen Mädchentag. In den nächsten vier Jahren wollen wir vier Millionen Mädchen weltweit erreichen und deren Leben verbessern, z.B. mit Zugang zu Bildung, mit der Entwicklung ihres Wissens und ihrer Bedürfnisse, damit sie es schaffen, der Armut den Rücken zu kehren und in eine hoffnungsvolle Zukunft zu blicken.

4. Mobile: Auch das Thema mobile Fundraising spielt in der strategischen Ausrichtung eine große Rolle. Wie wichtig sind Ihnen mobile Kampagnen? Konzentrieren Sie sich eher auf Apps oder webbasierten mobilen Seiten?

Ja, im Rahmen des Mädchen-Fonds fragen wir über verschiendenste Kanäle zuerst nach einer Spende über SMS. Diejenigen, die eine SMS-Spende tätigen, erhalten sofort eine Danke-SMS mit der Information, dass wir sie anrufen und über unsere Arbeit für Mädchen berichten werden. In unserem Telefonat gehen wir kurz auf die Kampagne „Weil ich ein Mädchen bin“ ein und weisen auf die Möglichkeit hin, Dauerspender für unseren Mädchen-Fonds zu werden.

Wir testeten verschiedene Rückkanal-Mechanismen aus, doch der SMS-Kanal funktioniert derzeit bei uns am besten. Er hilft uns mit unserer Hauptzielgruppe (20-30 jährige Frauen) in den Dialog zu treten.

Wir wissen, dass mobile ein Schlüsselkanal ist. Er wird uns wahrscheinlich eine hervorragende Gelegenheit bieten, unsere Adressaten über neue Wege zu erreichen. Wir untersuchen gerade die Möglichkeit, unseren Spendern die Dauerspende über SMS anzubieten – alternativ zur Lastschrift. Außerdem ist uns wichtig, dass die digitalen Inhalte (E-Mail, Webseite), die unsere Spender erreichen, auch auf Handys und Tablets zugänglich sind.

Mobile hat das Potential, uns den direkten Zugang zu unseren Unterstützern zu ermöglichen. Doch um das Bestmögliche herauszuholen, müssen wir mit dem Kanal respektvoll umgehen. Die Kommunikation über mobile ist sehr persönlich. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass sich die Spender sicher fühlen. Mobile wird zweifellos einen immer wichtiger werdenen Einfluss in unserem Fundraising-Mix haben.

Erst vor Kurzem haben wir eine mobile Version unserer neuen Facebook-App gelauncht – eine Online-Umfrage mit dem Fokus Bildung für Kinder, die die User nach ihrem Lieblingsbuch befragt. Die Teilnehmer können ein virtuelles Buch für drei Pfund über eine SMS-Spende „kaufen“. Die Spende geht direkt in unseren Mädchen-Fonds. Zur mobilen Facebook-App geht es hier >> apps.facebook.com/educationforgirls

5. Ein Blick in die Zukunft…
Welches ist Ihr wichtigstes Fundraising-Ziel bis 2015?

Wir möchten mehr Spendengelder über nachhaltige Wege generieren. Das heißt, wie möchten eine gute Balance zwischen „Marschrichtung“ und Zielgruppe finden. Außerdem wollen wir den Mädchen-Fonds ausbauen, unsere Kinderpatenschaft wieder mehr fokusieren und unsere Kooperation mit dem Privatsektor ausbauen.

6. Welche werden Ihre wichtigsten Fundraising-Kanäle für die nächsten 3 Jahre sein?

Sie sind alle wichtig, doch den digitale zu „knacken“ wird das wichtigste werden.

7. Abschließend eine persönliche Frage: Sie haben sich in der Fundraisingbranche einen guten Namen gemacht. Was sind für Sie die drei wichtigsten Eigenschaften, um in der Branche erfolgreich zu sein?

1. Eine Leidenschaft für das zu haben, an was man arbeitet. Enthusiasmus und Energie zu nutzen, um Mitarbeiter und Spender zu motivieren.

2. Strategisches Denken, und die Fähigkeit, Erkenntnisse, Wissen und Analyseergebnisse für langfristige Pläne einzusetzen.

3. Die Fähigkeit mit Kollegen aus der gesamten Organisation zusammenzuarbeiten, ein gemeinsames Ziel zuverfolgen und Verantwortung für zukünftige Spender zu übernehmen.

Jeremy Cooper, vielen Dank für das Interview!

Aus dem Englischen übersetzt. Zum Interview mit Jeremy Cooper in englischer Sprache >>

 

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für das interessante Interview, Katja.

    Es gibt auch in Deutschland Fundraiser, die SMS-Spenden verstanden haben und ebenso wie Jeremy in der Dauerspendergewinnung einsetzen. Leider fehlt den meisten dazu immer noch der Mut oder auch die Rückendeckung. Vielleicht gibt dein Interview einen Impuls. Ich würde mich darüber freuen. Natürlich erklären wir von spendio jederzeit gerne, wie es funktioniert. ;)

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